Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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Der Empire-Abwickler

Er war eines der größten Energiephänomene der neueren Geschichte, aber als Politiker gehört er zu den Gescheiterten: Anmerkungen zum 50. Todestag von Winston Churchill / Ergänzt mit einem Brief des Churchill-Biographen Thomas Kielinger

Wenn es so etwas wie einen Anekdotendichte-Ranking unter den Staatsmännern des 20. Jahrhunderts gäbe, er wäre wohl der klare Sieger. Der junge Offizier, der während des Burenkriegs in Gefangenschaft gerät und sich in einer spektakulären tagelangen Flucht von Südafrika nach Mosambik durchschlägt. Der junge Politiker, den man dabei beobachtet, wie er eine Napoleon-Büste anstarrt und das stumme tête-à-tête schließlich mit den Worten „Langsam, Winston, langsam!“ beendet. Der Unterhaus-Abgeordnete, der im Parlament einfach aufsteht und von den Konservativen auf die Seite der Liberalen spaziert. Der Diplomat, der, als Gast im Weißen Haus logierend, US-Präsident Franklin D. Roosevelt versehentlich nackt über den Weg läuft, und als dieser pietätvoll seinen Rollstuhl wendet, ausruft: „Aber nicht doch, ich habe vor dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nichts zu verbergen!“ Der Weltkriegsstratege, der mitten im Winter in einem ungeheizten Bombenflugzeug in 3000 Meter Höhe zum Schlafen auf einer Matratze sein Seidennachthemd anzieht, weil er das eben immer tut. Der Friedensvermittler, der Weihnachten 1944 in Athen einen Bürgerkrieg verhindern will, dabei an Bord eines britischen Kriegsschiffes selbst unter das Feuer von griechischen Partisanen gerät und auf die Frage des Kapitäns, ob man zurückschießen solle, die unsterbliche Antwort gibt: „Ich bin hier auf einer Mission des Friedens, Kapitän. Ich trage den Olivenzweig zwischen meinen Zähnen. Es sei mir fern, mich in militärische Notwendigkeiten einzumischen. Erwidern Sie das Feuer!“ Und, und, und.

Vor 50 Jahren, am 24. Januar 1965, starb Sir Winston Churchill 90jährig in London. Eine Umfrage der BBC anno 2002 kürte ihn zur „größten Figur der britischen Geschichte“. Tatsächlich war alles an ihm maßlos, er war, mit einer Wendung Sebastian Haffners, „ständig geneigt, über seine Ufer zu treten“. Vor der schieren Energiebilanz dieses Lebens steht man wie vor einem Naturereignis.

Churchill nahm als junger Offizier an fünf Kolonialkriegen teil, und zwar immer mitten im Getümmel; so ritt er am 2. September 1898 in Omdurman am linken Nilufer eine der letzten großen Kavallerieattacken der englischen Geschichte mit. Zeitlebens sollte es einer seiner gewinnenden Züge bleiben, dass er nicht nur Männer in den Tod zu schicken wusste, sondern sich auch notorisch selber in Gefahr begab.

Er bekleidete zwischen 1908 und 1929 sieben verschiedene Ministerämter, war danach zweimal Premierminister, das erste Mal in den Schicksalsjahren 1940 bis 1945. Als Wirtschaftsminister führte er die Arbeitslosenversicherung und Arbeitsämter ein, als Innenminister schlug er Streiks nieder, als Marineminister zog er in den Ersten Weltkrieg, ließ sich nach dem Fiasco der britischen Expeditionstruppen auf der türkischen Halbinsel Gallipoli und dem Scheitern seiner Südfront-Strategie als Oberstleutnant an die Front versetzen, wurde 1917 wieder Minister, diesmal für Rüstung, und setzte den Tank als neue Waffe („Landschiff“) durch. Als Kolonialminister ließ er irakische Aufständische bombardieren, als Schatzkanzler ramponierte er durch sein Beharren auf dem Goldstandard die britische Wirtschaft, als Premierminister kämpfte er gegen Hitler, holte sich Amerika als Verbündeten ins Boot und verantwortete den Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung (der Begriff „Terror“ in diesem Zusammenhang stammt übrigens von Sir Winston himself). Er gilt zudem als einer der größten politischen Redner aller Zeiten, viele seiner Sätze sind in der englischsprachigen Welt sprichwörtlich geworden.

Sein Auskommen verdiente Churchill vor allem als Schriftsteller. Zu seiner Zeit gab es noch keine Abgeordneten-Diäten; man erwartete von einem Gentleman, der in die Politik ging, dass er seinen Lebensunterhalt selber bestritt. Er verfasste einen Bestseller nach dem anderen, und zwar in einem so blendenden Stil, wie er seit Bismarck von keinem Politiker und nur von wenigen Berufsschriftstellern unter seinen Zeitgenossen erreicht wurde. Er schrieb einen Roman, mehrere Bücher über seine Kolonialkriegsabenteuer und vor allem bedeutende Geschichtswerke, darunter eine Biographie seines Ahnherrn John Marlborough, der im Spanischen Erbfolgekrieg gegen Ludwig XIV. gekämpft hatte, eine Geschichte der englischsprachigen Völker sowie vielbändige Darstellungen beider Weltkriege, ferner zahlreiche Essays und noch mehr Zeitungsartikel – allein in den Jahren 1929-39 über 700. Sein Gesamtwerk beläuft sich auf 35 Bände; 1953 erhielt er den Literaturnobelpreis.

Churchill malte 500 Gemälde in spätimpressionistischem Stil und hatte auf Reisen immer mehrere Staffeleien, etliche Rahmen und Dutzende Leinwände im Gepäck. Er führte eine solide Ehe, zeugte fünf Kinder, lernte das Maurerhandwerk und wie man ein Flugzeug fliegt, pflanzte Gärten, züchtete exotische Tiere und rauchte mehr Zigarren als jeder andere Sterbliche. Außerdem trank er so viel Whisky, dass bei seiner Ernennung zum Premier im Mai 1940 eine der größten Sorgen in offiziellen Kreisen darin bestand, er werde „auf Grund seiner Trunksucht der Aufgabe möglicherweise nicht gewachsen sein“, schreibt David Cannadine, langjähriger Direktor des Institute of Historical Research an der Universität London. Alkoholiker aber war er nicht, spöttelten seine Mitarbeiter – kein Alkoholiker könne so viel trinken.

Trotz all seiner herausragenden Fähigkeiten haftete an Churchill nahezu zeitlebens ein Hautgout des Anrüchigen und Zügellosen. Das lag bei ihm sozusagen in der Familie. Die hochadeligen Marlboroughs machten sich über Generationen durch Verschwendung, Spielsucht, Alkoholismus, Scheidungen und Schulden gesellschaftlich unmöglich. Auch drei von Churchills Kindern verfielen dem Alkohol, eine Tochter brachte sich um.

Churchills Vater, Lord Randolph Churchill, ein Exzentriker und begabter politischer Demagoge, wurde nur 45 Jahre alt und starb in geistiger Umnachtung. Er brachte es in seiner kurzen politischen Karriere bis zum Schatzkanzler und Minister für das Unterhaus unter Lord Salisbury, trat jedoch wenige Monate nach seiner Ernennung plötzlich unter skurrilen Gebaren von beiden Ämtern zurück. Schon vorher galt er, bei allen seinen Verdiensten um die Rückkehr der Tories an die Macht, als mindestens verschroben. Die alte Königin Victoria sagte lakonisch: „Der Mann ist geisteskrank.“ Zu seinem älteren Sohn Winston pflegte Lord Randolph ein unterkühltes Verhältnis, sehr zum Tort des Jungen, dessen unbändiger Ehrgeiz vermutlich zu einem erheblichen Teil aus dem Wunsch herrührte, dem abweisenden Vater gefallen zu wollen, auch nach dessen Tod. Einmal erschien der tote Vater dem jungen Mann leibhaftig wie der Teufel in Thomas Manns Faustus-Roman Adrian Leverkühn, und Churchill junior versuchte den ruierten Ruf seines alten Herren post mortem mit einer zweibändigen Biographie zu retten. Es handelte sich um eine besonders exaltierte Version des sehr alltäglichen Dramas vom väterlicherseits zurückgewiesenen Sohn.  

Churchills Mutter war eine wunderschöne Amerikanerin aus begütertem Hause, die nach Lord Randolphs Hingang noch zweimal heiratete, aber schon zu dessen Lebzeiten zahlreiche Affären pflegte. Als Verschwenderin größten Kalibers hinterließ sie ihren Kindern so gut wie nichts. Zeitlebens plagten Churchill Schulden, und zwar unabhängig davon, was er verdiente – als ein Barockmensch, der er nun einmal war, fand er stets Wege, noch mehr auszugeben. Zeitlebens hatte er Bedienstete, bis hin zum Butler und zum Sekretär für seine persönlichen Diktate, und lebte in hochherrschaftlichen Verhältnissen. „Er wusste buchstäblich nichts über das Leben normaler Männer und Frauen“, notiert Cannadine. „Nie betrat er ein Geschäft oder fuhr im Omnibus, und das einzige Mal, daß er die Londoner U-Bahn benutzte, geriet er auf die Circle Line und fuhr hilflos eine Runde nach der anderen, bis ihn nach mehreren Stunden ein Freund von dieser Tortur erlöste.“

Das brillanteste Mitglied der Familie Marlborough war ein Nepotist durch und durch, außerdem „ein schamloser Schnorrer und unverbesserlicher Nassauer“ (Canna
dine). Churchill verschaffte noch entferntesten Verwandten Posten oder Vorteile. Er selber ließ sich aushalten, wo es nur ging: Geschenke, Schuldenübernahmen, Reisen, Übernachtungen in Privatvillen, Fahrten in privaten Eisenbahnwaggons. Zu seinen Gönnern gehörten unter anderem zwei jüdische Bankiers – Sir Ernest Cassel und Henry Strakosch –, im Weltkrieg ein gefundenes Fressen für die Goebbels-Presse. Cassel möblierte ihm beispielsweise den Salon seines Landsitzes. Was Churchill annahm, würde unter heutigen Bedingungen für den Rücktritt eines halben Parlaments ausreichen.

Als Autor dagegen war der Mann ohne Tadel. Sein Zeitungsdebüt begann mit den Worten: „Erste Sätze sind etwas Schwieriges – in einem Zeitungsartikel nicht weniger als in einer Liebeserklärung.“ Im Buch „Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi“ schilderte er die die „tellerflachen Sandweiten“ des Sudan („etwas rosiger als helles Leder, etwas bleicher als Lachs“) so: „Trockene Windhosen tanzen unermüdlich über die glutheiße Oberfläche des Wüstenbodens und sammeln zwischen den dunklen Felsspitzen an den Hügelkämmen den feinen Sand zu Zungen und Wächten, genau wie sich auf einem Alpengipfel die Schneemassen wölben; bloß ist es ein feuriger Schnee von einer Art, wie er in der Hölle fallen könnte. Die Erde brennt mit dem unauslöschlichen Durst ganzer Weltalter.“

Über Lawrence von Arabien schrieb er: „Die Welt blickt begreiflicherweise mit einer gewissen staunenden Ehrfurcht auf einen Mann, dem ein Heim, Geld, Bequemlichkeit, Rang und Stellung oder sogar Macht und Ruhm nicht das mindeste bedeuten. Die Welt spürt, nicht ohne eine gewisse Besorgnis, dass sie jemanden vor sich hat, der sich außerhalb ihrer Rechtszuständigkeit befindet.“

Den einstigen Premierminister Herbert Henry Asquith charakterisierte er wie folgt: „Er war ein Mann, der in jeder Frage des Lebens und der Staatsgeschäfte in ungewöhnlich hohem Maße wusste, wo er stand. Wissenschaft, Politik, Philosophie, Recht, Religion waren sämtlich Gebiete, auf denen er sich endgültige Ansichten gebildet zu haben schien. Auf all diesen Gebieten öffnete und schloss sich sein Verstand, wenn die Notwendigkeit es erforderte, glatt und reibungslos wie das Verschlussstück eines Gewehrs.“

Zum Ruhm des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg wiederum metzte er Sätze wie diese: „In der Sphäre von militärischer Kraft verzeichnet die Spur der Menschheit nichts, was der Eruption des deutschen Vulkans gleichkäme. Vier Jahre lang bot Deutschland den fünf Erdteilen zu Land, zu Wasser und in der Luft kämpfend die Stirn. Die deutschen Heere (...) fügten ihren Feinden mehr als den doppelten Blutverlust zu, den sie selbst erlitten. (...) Überwältigende Völkerzahl, unbegrenzte Hilfsmittel, unermessliche Opfer, die Seeblockade vermochten fünfzig Monate lang nichts gegen sie auszurichten.“ Das nachträgliche Kompliment an den geschlagenen Kriegsgegner schließt mit dem Ruf: „Fürwahr, ihr Deutschen, für die Geschichte reicht das aus!“

Anfangs der 30er Jahre galt der anrüchige Exzentriker und unzuverlässige Fraktionswechsler (sogar doppelt – 1924 war er wieder zu den Tories zurückgekehrt) als politisches Auslaufmodell. Seine große Stunde schlug mit dem deutschen Angriff auf Polen 1939, als die Konservativen den radikalsten Kritiker der Appeasement-Politik von Premier
minister Neville Chamberlain zurück ins Kabinett holten, anfangs als Ersten Lord der Admiralität, bis er schließlich Chamberlain als Premier ablöste. Auf dem „Kriegsliebhaber“ (Sebastian Haffner) ruhten plötzlich die Hoffnungen des Empire. Dass er mehr als ein Jahr lang Hitler quasi allein die Stirn bot, verschaffte ihm jenen Ruhm, der bis heute fortdauert. Es war, wie er selber formulierte, „Englands größte Stunde“. Sie läutete freilich auch das Ende des Empire ein.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen ließ der Kriegspremier die Flotte des geschlagenen französischen Verbündeten versenken, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fiel; 1297 französische Matrosen starben, vom Feuer des eigenen Verbündeten überrascht – eine Aktion von fataler Grandiosität.

„Wenn Hitler eine Invasion der Hölle plant“, erklärte Churchill, „werde ich mich im Parlament sogar freundlich über den Teufel äußern.“ Und genau das tat er, viereinhalb Jahre lang, er verbündete sich sogar mit ihm. Am Ende musste er Stalin halb Europa überlassen. „Sieg um jeden Preis“ hatte Churchill 1940 gefordert. Nach dem Sieg war tatsächlich die Zeit gekommen, den Preis zu bezahlen. Die stolze Weltmacht England schrumpfte zusammen auf eine eher unbedeutende Inselgruppe am Nordwestrand Europas. Amerika und Sowjetrussland übernahmen die planetarische Herrschaft. „Der überragende Dienst, den er der Sache der Freiheit leistete, bewog ihn, sein Herzensanliegen, das Empire, hintanzustellen“, notiert Churchills aktueller Biograph Thomas Kielinger.

Die Appeaser um Chamberlain waren davon ausgegangen, „dass sich England einen weiteren Krieg nicht leisten konnte und dass man, selbst wenn es auf der Seite der Gewinner aus dem Krieg hervorgehen sollte, schwerlich von einem ‚Sieg‘ sprechen könnte. Dem ließ sich kaum etwas entgegenhalten“, resümierte der englische Historiker John Charmley. Chamberlain, der auch ein langjähriger und im Gegensatz zu Churchill sehr kundiger Schatzkanzler war, wusste, dass England seine Finanzreserven im Ersten Weltkrieg erschöpft hatte und sogar einen siegreichen zweiten Krieg nur ruiniert überstehen würde – und so war es ja auch. „Churchills Führung“, so Charmley, „führte nirgendwohin.“

England war angeblich um der Freiheit Polens willen in den Krieg eingetreten (wobei erklärungsbedürftig bleibt, wie man mit dem Diktator ein Bündnis hatte schließen können, der 1939 gleichzeitig mit Hitler in Polen eingefallen war), doch Polen war am Ende so unfrei wie zuvor. Dasselbe galt für die Tschechei. Churchill hatte verhindern wollen, dass eine einzelne Macht mit einem blutrünstigen Alleinherrscher an der Spitze den Kontinent dominiert, und genau dies war eingetreten. Was aber, wenn England mit Hitlerdeutschland einen Separatfrieden geschlossen hätte? Hätte Hitler trotzdem Russland angegriffen? Hätten sich die beiden Diktatoren gegenseitig neutralisiert? Darüber kann nur spekuliert werden.

Die historischen Schulen streiten, warum die Wehrmacht in Russland einmarschiert ist. Die einen ziehen ihre Argumente aus Hitlers Ideologie und sagen, er habe von Anfang an sein Lebensziel in der Eroberung von Lebensraum im Osten und der Zerschlagung des Bolschewismus gesehen. Andere argumentieren pragmatischer und sehen den Anlass für den Ostfeldzug im Scheitern von Hitlers England-Strategie: Da es ihm nicht gelang, die Briten in die Knie zu zwingen, kehrte angesichts der sowjetischen Hochrüstung und des Aufmarschs der Roten Armee an der deutsch-russischen Grenze die alte Angst vor dem Zweifrontenkrieg zurück, Hitler habe die Flucht nach vorn gewählt und darauf spekuliert, wenn er die Sowjetunion besiege, werde England endlich einknicken.

Der deutsche Angriff auf die UdSSR verschaffte Churchill die Gelegenheit, sich sowohl militärisch als auch mit flammender Rhetorik auf die Seite Russlands und damit Stalins zu stellen, was zumindest bemerkenswert war für einen Menschen, der 1918 getönt hatte, man müsse „die bolschewistische Natter schon in der Wiege erwürgen“, und bei seinem Italienbesuch 1927 Mussolini gegenüber versicherte, der italienische Faschismus, sei „die notwendige Kur gegen den russischen Virus“. Churchill hasste den Bolschewismus, wie Hitler ihn hasste. „Der Sache nach war der Churchill der zwanziger Jahre ein Faschist; nur seine Nationalität verhinderte, daß er es auch dem Namen nach wurde“, brachte Sebastian Haffner die Angelegenheit auf den wunden Punkt.

Als Churchill mit dem roten Diktator ins Koalitionsbett stieg, stand der deutsche Führer erst am Anfang seiner Massenmörderkarriere, während „Onkel Joe“ bereits Millionen Menschenleben auf seinem elastischen Gewissen hatte. Warum wählte der englische Aristokrat und dezidierte Antikommunist ausgerechnet diesen Verbündeten? Geostrategisch betrachtet war Deutschland wegen seiner verflixten Mittellage gefährlicher, Russland lag weiter weg, man konnte es sich nach dem Sieg leichter vom Halse halten. Außerdem hatte Hitler mit dem „Blitz“ über London und dem Einmarsch in Russland die Feinkoalition quasi selber geschmiedet.

Churchills Hauptziel blieb freilich, die USA in den Krieg zu lotsen, dazu umgarnte er Roosevelt mit Dutzenden Briefen wie eine Angebetete, und als sich die Amerikaner schließlich bereitfanden, das Seerecht so lange zu brechen, bis Hitler ihnen endlich den Krieg erklärte, jubelte der erfolgreiche Brautwerber zukunftsgewiss: „Wir haben gewonnen!“

Zugleich fürchtete er allerdings ständig, dass die bizarre Ménage-à-trois scheitern könnte, indem Stalin mit Hitler einen Separatfrieden schloss, denn was die Angelsachsen den Russen an militärischer Unterstützung offerierten, war anfangs recht dürftig. Unter diesem Aspekt muss man wohl die Luftangriffe auf deutsche Städte vor allem betrachten. Während der deutschen Bombardierungen Londons hatten die englischen Militärs längst begriffen, dass die Theorie des „moral bombing“ keine Entsprechung in der Realität fand. Wie später die Deutschen hatten die Engländer den Luftterror nicht nur zäh erduldet, er hatte sogar ihren Widerstandswillen erhöht. Aber irgendeine Kampfleistung gegen den gemeinsamen Feind mussten die Briten ihrem aus tausend Wunden blutenden Verbündeten im Osten anbieten. Also verschärften sie den Luftkrieg gegen das Reich. Bei einem Moskau-Besuch überreichte Sir Winston „Onkel Joe“ ein Album mit Fotografien zerstörter deutscher Städte als Gastgeschenk, welches beide bei einem Gläschen genüsslich durchblätterten.

Mit der Eröffnung der zweiten Front in der Normandie war der Grund für die Luftangriffe auf zivile deutsche Ziele mithin entfallen. Alles was nun folgte, gehört ohne Wenn und Aber in die Kategorie Kriegsverbrechen, speziell die Zerstörung Dresdens, bei der wohl auch der Hintergedanke mitspielte, dem russischen Noch-Verbündeten aber Bald-Feind in seinem zukünftigen Besatzungsgebiet die Zerstörungskräfte der vereinigten angelsächsischen Luftflotten nachdrücklich vor Augen zu führen.

Es gibt zwei denkwürdige Parallelen im strategischen Erwägen und Handeln Churchills in den beiden Weltkriegen. 1915 wollte er über die erwähnte Halbinsel Gallipoli Konstantinopel angreifen, die Dardanellen unter britische Kontrolle bringen und eine sichere Seeverbindung mit Russland herstellen, um mit Waffenlieferungen die Offensivkraft des östlichen Verbündeten wiederzubeleben. Zugleich sollte der Balkan erneut zum Auflodern gebracht werden. Am Ende seiner Planung stand ein Dreifrontenkrieg gegen das Kaiserreich. Als dieser Plan blutig fehlschlug, musste Churchill am 17. Mai 1915 als Minister zurücktreten. (Danach begann er übrigens zu malen, um nicht vor Untätigkeit verrückt zu werden.) Im Zweiten Weltkrieg verfolgte er neuerlich eine Südstrategie, bis seine beiden großen Verbündeten ein Machtwort sprachen – allzu langsam kamen die Briten in Italien voran – und die zweite Front endgültig in Frankreich eröffnet wurde. Auch diesmal war der Gedanke an sich goldrichtig; Churchill hatte längst die Zeit nach der Niederwerfung Hitlers im Kopf und wollte Stalin möglichst weit aus Europa heraushalten. Roosevelt indes waren dergleichen Erwägungen egal; er gedachte den Krieg in Europa möglichst schnell zu beenden, um sich wieder ganz den Japanern widmen zu können.

Die zweite Parallele betrifft Churchills doppelte Wendung gegen den einstigen russischen Verbündeten. 1945 wollte er den Krieg weiterführen, wie er ihn bereits 1918 fortsetzen wollte, wieder unter Einbeziehung der geschlagenen Deutschen, aber noch weniger als damals, als immerhin ein Interventionskrieg gegen Lenins junges Terrorreich stattfand, wollte ihm im ausgebluteten und kriegsmüden Westen auch nur irgendwer folgen. „Wir haben“, schnaubte er, „das falsche Schwein geschlachtet.“

Letztlich erlebte Churchill das Kriegsende als ein Gescheiterter: So viel Geld, so viele Menschenleben hatte die Niederwerfung Hitlerdeutschlands gekostet, und das Ergebnis war, dass halb Europa hinter jenem „eisernen Vorhang“ verschwand, den Sir Winston aus der Metaphernkiste des inzwischen zur Hölle gefahrenen Josef Goebbels hervorkramte (vielleicht kannte er das Original aber auch nicht). Nun wollte er den Krieg in umgekehrter Richtung fortsetzen und erteilte dem englischen Generalstab den Auftrag, konkrete Angriffspläne zur Befreiung Polens zu entwickeln, die von den Militärs dann unter dem bezeichnenden Namen „Operation unthinkable“ vorgelegt wurden. Hier offenbarte sich Churchills eigentlicher Makel: Er betrachtete das Leben inzwischen als einen endlosen Kampf, Durchhalten galt ihm als Ultima ratio. Bereits im Ersten Weltkrieg hatte er zu denjenigen gehört, die keinen Gedanken darauf verschwenden wollten, wie das Blutvergießen zu beenden sei und stattdessen auf dessen Verschärfung bis zum bitteren Ende drängten. Sieg um jeden Preis, das hieß für ihn zuletzt sogar, dass er einen Atomschlag gegen die UdSSR empfahl. Der Manichäer in ihm wollte durchaus über Leichenberge gehen, im Namen heiligster Werte versteht sich. 

Churchills zweiter Koalitions-Irrtum bestand darin, dass er glaubte, Amerika und England besäßen identische Interessen, eine nahezu romantische Anwandlung des alten Kämpen. Doch wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg dachten die Amerikaner gar nicht daran, ihren Verbündeten die Schulden zu erlassen. Stattdessen übernahmen sie im Laufe der Zeit die britische Herrschaft über die Weltmeere und dehnten sie obendrein auf den Himmel aus. Amerikas Aufstieg ist untrennbar mit Europas Niedergang verbunden, nicht allein der ungeheuerlichen Selbstzerstörung der Alten Welt wegen, sondern auch ganz praktisch-geschäftlich. Die amerikanische Wirtschaft verdiente prächtig an den beiden großen Kriegen, und am Ende konnte sich Uncle Sam vor bettelnden Vasallen kaum retten. Mit ihrer Strategie des Demokratie-Exports, der weltweiten Einmischung im Namen der Menschrechte, der Verweigerung von Friedensschlüssen mit niedergeworfenen Nationen und der Etablierung von Militär- und Spionagestützpunkten allerorts und auf unbegrente Zeit lösten die USA das zwar kultiviertere, aber veraltete britische Kolonialsystem ab und ersetzten es durch eine smartere Version planetarischer Vorherrschaft.

Churchills Nachruhm gründet einzig darauf, dass er dem Teufel Hitler widerstand. Dafür war man im Laufe der Zeit zu vergessen bereit, dass er den Beelzebub Stalin in die Arme geschlossen hatte. „Während sich der Niedergang der britischen Macht beschleunigte, nahm das Bedürfnis nach dem Bild Churchills offenbar zu“, resümiert John Charmley. „Solange er, von der Gloriole des Ruhms umgeben, lebte, war der Glanz des Empire noch nicht ganz verblasst.“

Dass der Westen den Kalten Krieg gewonnen hat, mag Churchill im Nachhinein Recht geben. Zwei Aspekte sprechen allerdings dagegen. Zum einen war es bloßem Glück und Zufall zu verdanken, dass die Welt der atomaren Katastrophe entging. Zum anderen kosteten die beiden Weltkriege Europa einen Blutzoll, der den Kontinent heute zum demografisch erschöpften Spielball vitalerer Völkerschaften macht, von deren gutem Willen es abhängen wird, ob er ein freiheitlicher Erdteil bleibt. Was ein Churchill dazu sagen würde, dass im Herzen des Mutterlands pakistanische Zuwanderer hunderte britische Mädchen als Sex-Sklavinnen halten und zum Teil in den Suizid treiben können, weil die Behörden dieses Verbrechen aus Angst, als Rassisten zu gelten, beschweigen, mag sich jeder selber ausmalen.

Churchill war ein Mann extremer Widersprüche. Als Kolonialminister schrieb im August 1926 an den Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte im Irak: „Meiner Meinung nach sollten Sie unbedingt mit den Gasbomben-Versuchen fortfahren, vor allem mit Senfgas, um aufsässige Einheimische zu bestrafen.“ In einem früheren Memorandum hatte er sich „ausdrücklich für den Einsatz von Giftgas gegen unzivilisierte Volksstämme“ ausgesprochen. Er brachte Sätze über die Lippen wie am 
17. Oktober 1940 im Raucherzimmer des Unterhauses: „Sie und andere haben vielleicht den Wunsch, Frauen und Kinder zu töten. Wir haben den Wunsch und haben dabei Erfolg, militärische Objekte der Deutschen zu zerstören. Mein Wahlspruch ist: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ Als aber Stalin in Teheran 1943 beim Konferenzdinner vorschlug, nach Kriegsende 50000 führende deutsche Militärs und Techniker umzubringen, um das Land nachhaltig zu schwächen, brauste Churchill auf, er würde sich lieber hier und auf der Stelle erschießen lassen, „als meine Ehre und die meines Landes durch eine solche Infamie beschmutzen zu lassen“. Lord Alanbrooke, sein Generalstabschef im Zweiten Weltkrieg, schrieb in seinem Tagebuch: „Noch nie habe ich einen Menschen mit gleicher Inbrunst bewundert und verachtet.“

Im August 1941 verabschiedeten Roosevelt und Churchill im Namen ihrer Länder die Atlantik-Charta. Darin verkündeten sie, alle Völker besäßen das Recht, „sich jene Regierungsform zu geben, unter der sie zu leben wünschen“. Zurück daheim, erklärte Churchill, dass dies für die englischen Kolonien und besonders für Indien natürlich nicht gelte. So verurteilte die britische Kolonialregierung Jawaharlal Nehru, den Präsidenten des indischen Kongresses, wegen einer pazifistischen Rede im Oktober 1940 zu vier Jahren Zwangsarbeit. „We are superior“, begründete Churchill gegenüber Roosevelt die englische Indien-Politik, Gandhi nannte er einen „aufsässigen Advokaten“, und  „halbnackten Fakir“. Nach heutigen Maßstäben war er ein Rassist. Freilich wären wir Heutigen nach seinen Maßstäben kaum mehr als domestizierte Zwerge.

„In der Reihe der englischen Premierminister des 20. Jahrhunderts“, schrieb Sebastian Haffner, „steht er wie ein Fremdling aus einer anderen Welt.“ Er gehöre eher in die Ahnenreihe der Gustav Adolf, Cromwell, Prinz Eugen, Fridericus, Napoleon. Wie auch immer: Im ewigem Buch der Geschichte hat Sir Winston längst seinen Platz unter den ausgestorbenen Riesen eingenommen.


Eine Kurzversion des Textes ist erschienen in: Focus 5/2015, S. 88-91


Nachdem ein Leser moniert hatte, der Satz "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet" werde zwar ständig kolportiert (und missbraucht), stamme aber wahrscheinlich gar nicht von Churchill, bat ich dessen Biographen Thomas Kielinger ("Winston Churchill: Der späte Held", C.H. Beck 2015) um Auskunft. Kielinger las zuvor meinen Text und schrieb dann folgendes:



Churchills Zitat „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“ wird "kolportiert", wie man so sagt, ist also nicht belegt, und wie andere solcher Zitate aus dem Halbschatten der Geschichte habe ich es in meiner Biographie daher nicht verwendet. Bei Churchill muss man besonders aufpassen – er war schon zu Lebzeiten eine Legende, um die sich Sprüche rankten, die man ihm gerne zudichtete. Er hat sie laufen lassen, da es ihm schmeichelte, zu einem Großen selbst in der Fiktion aufgestiegen zu sein. Im Übrigen gab es ausreichend Zitate und Anekdoten, die durchaus ihm zugeschrieben werden durften. Also warum nicht einige andere aus dem Ondit mitlaufen lassen?!

Soviel vorausgeschickt, darf dem zitierten Satz dennoch ein hoher Grad der Glaubwürdigkeit zugemessen werden. Auf S. 326 meines Buches beginnt der Bericht über die auch von Ihnen erwähnte abenteuerliche "Operation Unthinkabkle", geboren aus Churchills maßloser Enttäuschung über Stalins Verrat an Polen und dem Bruch seiner übrigen Versprechungen – Polen war immerhin jenes Land, für dessen Freiheit England in den Krieg gezogen war; nun ging es mit dem von der Roten Armee besetzten Osteuropa verloren. Da wollte Churchill noch im Mai 1945 den Hebel herumwerfen: Krieg gegen die Sowjetunion, als einen Weg, "den Russen den Willen der USA und des britischen Empire aufzuzwingen, um einen ehrlichen Deal für Polen zu sichern." (S. 328) Das ist der Hintergrund, vor dem jener vielfach kolportierte Satz durchaus gefallen sein könnte, in der Hitze des Augenblicks, dem Sinne nach: "Wir haben Deutschland geschlachtet, aber es war das falsche Schwein, das richtige ist die Sowjetunion."

Dennoch warne ich vor Übernahme der Vergegenwärtigung jenes Augenblicks als einer Ansicht, die Churchills innerer Überzeugung entsprach. Denn sie war es nicht. Der Kampf gegen Hitler war nicht "das falsche Schwein", sondern Churchills in allen Kriegsreden belegtes Credo, für die Befreiung der durch den Nazismus unterdrückten Völker Europas zu kämpfen. "Wir kämpfen gegen die Nazis, nicht gegen Deutschland. Deutschland hat es schon vor der Gestapo gegeben", meint er gegenüber Charles de Gaulle im Dezember 1940 in einem Gespräch auf dem Landsitz Chequers. (S. 255).

Dass Polen und andere Staaten einer neuen Tyrannei anheim fielen, war tragisch, entwertete aber nicht Churchills fundamentale Gegnerschaft zu Hitler und die Nazis, war also nicht "das falsche Schwein". Nur leider ging mit der Befreiung Deutschlands und Westeuropas nicht auch die Befreiung Polens Hand in Hand. Polen verloren zu haben hat er tiefer beklagt als den Verlust des Empire, wie ich in meinem Buch schreibe. Letzteres war bereits so gut wie passé, es stand nicht in seinem Vermögen, den Verlust aufzuhalten. Aber Polen ging quasi "in seiner Amtszeit" verloren, das Resultat eines tiefen Zerwürfnisses mit den Amerikanern, die er nicht von seiner Analyse, was nach 1945 heraufzog, und wie man Stalin in den Weg treten müsse, überzeugen konnte.

Daher kann ich auch John Charmleys Resummé in dessen „Churchill – The End of Glory“ nur widersprechen, wenn er schreibt, „Churchills Führung führte nirgendwohin“, er habe das Empire „verloren“, sei somit 1945 als Gescheiterter geendet. Mit Verlaub – dem „gescheiterten“ Churchill und seinem Widerstand verdankten viele westeuropäische Völker nach 1945 den Wiedergewinn ihrer Freiheit, auch wenn das erst durch die Übermacht der Amerikaner möglich wurde.

Das Empire? In einem Gespräch mit seinem letzten Privatsekretär Anthony Montague-Browne meinte Churchill (ca. 1958), er hätte „das Empire gegen jeden verteidigen können, nur nicht gegen die Briten selber.“ Die waren nämlich heilfroh, dass sie die Last der Kononialverantwortlichkeiten allmählich los wurden; realistischer als Churchill selber sahen sie ein, was die Stunde post-1945 geschlagen hatte.

Aber die Stunde der Freiheit ist und bleibt Churchills wichtigstes Vermächtnis, trotz Polen, trotz Eiserner Vorhang, trotz Blut und Tränen für Millionen, die dem Kontinent durch Hitler aufgezwungen wurden, einschließlich all dieser widersprüchlichen Kompromisse (Pakt mit Stalin) und Kriegsmaßnahmen (Flächenbombardierung deutscher Zivilbevölkerung), die Churchill zur Niederringung Hitlers einzugehen bereit war.

Der vielfach durchgespielte kontrafaktische Gedanke, England hätte 1940 einen Frieden mit Deutschland schließen sollen, was möglicherweise Hitlers Angriff auf die Sowjetunion vermieden hätte, beschreibt eine Möglichkeit, die sich nicht aus Hitlers Gebaren erschließt. Im Gegenteil: Dass Churchill Ende Mai 1940 sein Kabinett davon überzeugen konnte, nicht in Verhandlungen mit Hitler einzutreten, beruhte vor allem auf der Erkenntnis, dass man der Vertragstreue des deutschen Diktators (siehe München!) nicht trauen konnte, sondern eher annehmen musste, er werde nach einem Friedensschluss die nächste sich bietende Gelegenheit wahrnehmen, auch gegen das Empire vorzugehen, um dessen Dominanz zu brechen. Hitlers Feindschaft zum Bolschwismus bestand a priori und war auch nicht versöhnbar durch einen eventuelle Frieden mit der Insel. Eher darf man davon ausgehen, es hätte seinen Appetit auf die Agression nach Osten eher gestärkt.

Siehe das berühmte Gespräch Ribbentrop-Churchill im Oktober 1937 in London, in dessen Verlauf Ribbentrop darlegte, Deutschland brauche für seine wachsende Bevölkerung Lebensraum im Osten, „Weißrussland und die Ukraine seien für die künftige Existenz Großdeutschlandss (. . .) unentbehrlich.“ Von England und dem Empire verlange man nur Nicht-Einmischung, ergo: frei Hand für die deutschen Pläne. Als Churchill dem Botschafter dies als unzumutbar darlegte, gab Ribbentrop zur Antwort, in dem Fall sei Krieg unvermeidlich: „Es gibt keinen Ausweg. Der Führer ist entschlossen. Nichts wird ihn aufhalten, und nichts wird uns aufhalten.“