Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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27. Dezember 2016



Nächtlicher 27. Dezember

"Wenn Luther das Luthertum im Lutherjahr hätte erleben können, hätte er's wohl bleiben lassen."
Johannes Gross, Notizbuch vom 21. Oktober 1983


Frühnachmittäglicher 27. Dezember

Die ultimative Dialektik der Aufklärung haben Horkheimer und Adorno nicht vorausgesehen: dass keiner, der die Aufklärung durchlaufen bzw. genossen hat, je bereit sein wird, sein Leben für dieses holde Hirngespinst aufs Spiel zu setzen.


Immer noch mittäglicher 27. Dezember

Man male sich aus, die aktuell hierzulande herumlungernden muslimischen "Gefährder" würden sich durch Zauberhand in biodeutsche NSU-Kombattanten verwandeln: Wie viele Parlamentarier würden den Staatsnotstand ausrufen und Sondergesetze fordern, welche Datenschutzaufweichungen und Persönlichkeitsrechtseinschränkungen würden in Rekordzeit durchgepeitscht, wie viele Generalverdächte formuliert, polizeiliche Befugnisse erweitert, Parteiverbote gefordert, Sympathisanten dingfest gemacht oder wenigstens lebenslang auf Facebook gesperrt! Wie würden sich die derzeitigen Abwiegler aufschaukeln und aufpranteln! Welche Hysterie wallte und wogte und waberte wonnig durch dieses weidliche Ländchen!  


Mittäglicher 27. Dezember

Die scheinheiligen Rechten und die feigen Fettärsche regen sich wieder mal auf wegen importierter Folklore. Weil in Berlin ein paar Halbstarke mit Exzellenz-Hintergrund einen Penner bzw. dessen Klamotten etwas angekokelt haben. In Hamm wollten ungefähr zur selben Zeit drei „Jugendliche“, die als „südländisch aussehend“ beschrieben wurden, auf einem Spielplatz zwei Kinder, neun und zehn Jahre alt, mit Spraydose und Feuerzeug erschrecken; dabei haben sie ihnen Brandverletzungen zugefügt. In Köln bespritzte am sogenannten heiligen Abend ein Türke ein paar Polizisten und sich selbst mit Benzin und wedelte danach mit dem Feuerzeug; wahrscheinlich hat er Weihnachten mit Silvester verwechselt. Tatsache ist doch, dass wir das früher ständig gemacht haben. Was haben wir Leute angezündet! Also ich allein zirka ... – na, ich sag’s lieber nicht. Omas vor allem und Betrunkene, hin und wieder auch ein Haustier. Gab leider damals noch keine Kameras, die das aufgenommen und für die Mitwelt dokumentiert haben. Das war montags immer ein großes Hallo vor der Schule, wenn wir uns unsere verbrannten Finger gezeigt und uns gegenseitig Alibis verschafft haben. Wir haben im Grunde nur mit dem Feuerteufeln aufgehört, weil die Pubertät gewaltig anbrach und wir uns aufs Gruppen-, später Massenvergewaltigen fremdethnischer Mädels verlegten. Kein Volksfest, wo wir nicht mindestens unsere Finger in den Weiberhosen hatten! War aber auch schön. Und was meinen Sie, was erst los gewesen wäre, wenn wir einen Dreißigtonner und eine anständige Religion gehabt hätten! Na Heidiwitzka und Alter-mach-Licht!

Die Wahrheit ist, dass Deutschland gar nicht unsicherer wird. Das bestätigt Ihnen jeder Verkehrsbetriebe- oder Behördensprecher. Solche Taten geschehen immer seltener. Darum berichtet auch die Presse neuerdings verhalten darüber. Die wollen noch ein paar Kuriosa zu melden haben, bevor sie ganz verschwunden sind (also die Taten, nicht die Medien).


PS: Ursprünglich stand hier statt "Haustier" "Baby"; die Selbstkorrektur war anscheinend verfrüht, manches Gelichter schreckt auch vor Angriffen auf Kleinkinder nicht zurück: "Mit der Sohle voraus in den Kinderwagen", hier. (Ist aber statistisch eher unwahrscheinlich.)


Früher 27. Dezember


Als ein Mensch, der selten träumt und niemals Erzählenswertes, war ich heute morgen überrascht, Folgendes in aller Klarheit geträumt und im Gedächtnis behalten zu haben:

Meine Eltern hatten abends Besuch. Der Gast war Donald Trump. Ich war zu dem Gespräch offenbar nicht zugelassen, jedenfalls befand ich mich im Garten und hörte dort gelegentlich Trumps Stimme. Das einzige, was ich verstand, war eine Bemerkung über die Briten, die irgendetwas nicht glauben sollten (was, habe ich vergessen). Ich schrieb (im Traum) meinem Freund Uli D. eine sms und teilte ihm halb ungläubig, halb stolz mit, dass Donald Trump bei uns im Wohnzimmer sitze. Kaum hatte ich sie abgeschickt, als ein Mann vom Secret Service auftauchte und mir erklärte, ich dürfe niemandem schreiben, dass der Präsident sich zur Zeit hier aufhalte. Die sms werde aber später – eine Stunde nachdem der Präsident aufgebrochen sei – dem Adressaten zugestellt. Das ärgerte mich maßlos, weil die Nachricht im Präsens verfasst war und weil ich mit ihr angeben wollte. – Am nächsten Morgen in der Schule erzählte ich meinen Klassenkameraden, dass uns gestern Donald Trump besucht hatte. Niemand hielt das für erwähnenswert. Es sei doch nichts Besonderes, sagte mir einer, dass der neue Präsident einmal bei den Obamas vorbeischaue...