Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. Januar 2017


"Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung ...
Adorno: Mir nicht."

So begann das Spiegel-Interview mit Theodor W. Adorno, erschienen in der Ausgabe vom 5. Mai 1969 unter dem Titel "Keine Angst vor dem Elfenbeinturm"; genau diese für seine Coterie doch eher typische Phobie nicht zu verspüren, bekundete der Vermesser des beschädigten Lebens nämlich in besagtem Gespräch.

"Ich  habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben, aber ein Meer von Scheiße schlägt an seine Mauern, genug, ihn zum Einsturz zu bringen", schrieb Gustave Flaubert am 13. November 1872 an seinen Freund Iwan Turgenjew. (Davor fallen übrigens die Worte: "Ich empfinde die Trauer, die die römischen Patrizier im vierten Jahrhundert empfanden. Ich fühle eine heillose Barbarei aus dem Boden aufsteigen. Ich hoffe, krepiert zu sein, bevor sie alles mit sich gerissen hat.")

"Der Elfenbeinturm steht in schlechtem Ruf bei den Bewohnern intellektueller Kaschemmen", sprach wiederum Nicolás Gómez Dávila. 

Den Meinen werde ich, die Anbrandung der Scheiße und die Rufe aus den Kaschemmen kurzzeitig ignorierend, für die nächsten vier Wochen beziehen, um ein Buch zu schreiben, das noch im Frühjahr – neben der gewohnten Druckversion der Acta diurna – erscheinen wird. Sollte ich Ihnen, geneigter Leser und höchstgeschätzte Leserin, im Januar also etwas einsilbig vorkommen, seien Sie getrost: Im Eckladen brennt noch Licht.