Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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9. Januar 2017



Allmählich nächtlicher 9. Januar

Ich sitze als einziger Gast in einem zum Hotel umgebauten, malerisch verschneiten Schloss aus dem frühen 18. Jahrhundert und blicke aus meinem Zimmer im zweiten Stock auf den Innenhof. Alle anderen Fenster sind dunkel, die Türen abgeschlossen. Das Personal ist schon vor Stunden heimgegangen. Vielleicht hätte ich ja die "Shining"-DVD mitnehmen sollen... Morgen wird man mich zum Frühstück wecken. Tiefe Stille liegt über der dreiflügeligen Anlage und dem Wald ringsum. Doch Moment, was ist das für ein Geräusch? Ich höre Schrit




Abendlicher 9. Januar


Das Washingtoner Pew Research Center veröffentlichte Ende 2015 eine empirische Studie zur Frage: Sollte die Regierung die Möglichkeit erhalten, beleidigende Äußerungen gegen Minderheiten zu unterbinden oder nicht?

In den USA stimmten 28 Prozent der Befragten zu. Über diesem Schnitt lagen: Personen zwischen 18 und 34 Jahren (40 Prozent), Frauen (33 Prozent), Anhänger der Demokraten (35 Prozent), „Nichtweiße“ (38 Prozent) und Studenten (31 Prozent). Das Rennen bei den Nationen indes machten unangefochten die Deutschen, die mit 70 Prozent Zustimmung zu wohlmeinenden staatlichen Zensurmaßnahmen alles abräumten (vor Italieniern und Polen mit ebenfalls beachtlichen Zustimmungen oberhalb der 50 Prozent; der europäische Schnitt lag bei 49 Prozent, die Briten mit 38 Prozent kamen den Amerikanern am nächsten).

Gegen die unbeschränkte Meinungsfreiheit – es gibt keine andere – wurde also überdurchschnittlich häufig in genau jenen Personenkreisen votiert, bei denen man es ohnehin ahnte. Hier gilt die Regel: Je mehr von den genannten Zugehörigkeiten ein Gegenüber erfüllt, desto sinnloser wird ein politisches oder gesellschaftspolitisches Gespräch mit ihm beziehungsweise ihr. Was Letztere angeht, ist das weniger bedauerlich, weil ein Mann von Geschmack mit einer Frau ohnehin nicht über dergleichen Dinge parliert bzw., wenn sie durchaus darauf besteht, einen plausiblen Vorwand findet, sich bedauerlicherweise absentieren zu müssen.




Frühabendlicher 9. Januar

Zum gestrigen Beitrag notiert Leser ***: "Sehr geehrter Herr Klonovsky, Sie schreiben zu Recht, dass in der Mehrheitsbevölkerung der Han die 'Toleranz' gegenüber Massnahmen zur Unterdrückung islamistischen Terrors sehr hoch ist. Das hat den Grund, weil der Level des islamistischen Terrors hoch ist. Das meiste davon findet allerdings nie den Weg in die deutsche Presse. Man könnte verschwörungstheoretisch meinen, das läge an Unwillen, darüber zu berichten, aber es ist wohl eher auf allgemeine journalistische Inkompetenz zurückzuführen. (...)
Ich habe das Glück, angeheiratetes Mitglied einer traditionellen chinesischen Kleinfamilie (ca. 120 Angehörige) zu sein, die sich auf verschiedene Gegenden Chinas verteilt und kriege so von meinen Verwandten und deren Bekannten so einiges mit.
Zunächst: Xinjiang ist nicht die reichste chinesische Provinz. Eine einzige Stadt wurde als 'reichste Stadt' Chinas einmal in einer Statistik dargestellt, aber diese Statistik ist in etwa so valide wie unsere deutsche Kriminalitätsstatistik (...)
Die Uighuren aus Xinjiang haben allerdings die nette Angewohnheit, dort lebende Han-Chinesen terrormässig einigermassen in Ruhe zu lassen. Sie ziehen es vor, andere Gegenden Chinas mit Terrorakten zu überziehen. Ist auch logisch, von ihrem Standpunkt aus, denn das bringt stärkere Publizität in den chinesischen Medien als irgendeine Explosion im fernen Xinjiang.
Im übrigen muss man feststellen, dass die chinesischen Muslime eher zu der stärker fundamentalistischen Spezies gehören. Beispiel: Eine Tante meiner Frau (eine von wenigen Muslimen in der Familie) weigert sich sogar, etwas aus einem Topf zu essen, in dem einmal Schwein gekocht worden sein könnte. Zu Besuchen bringt sie ihr eigenes Geschirr mit. -
Aber was mein kleiner in eine Mail gefasster Small-Talk eigentlich sagen soll, ist folgendes: Das meiste, was wir aus der Zeitung über andere Lànder erfahren, ist Unfug. Schon eigene, oberflächliche Recherche-Arbeit in Form von Durchsicht der dortigen Zeitungen (etwa in Nordafrika gibt es eine Reihe von sehr guten), Blogs, Statistiken, Universitäts- und Firmenwebseiten bringt mehr als die Berichte von Auslandskorrespondenten. Wenn man zufällig noch andere Quellen hat, dann fragt man sich, worin die Journalistenausbildung heute  eigentlich noch besteht. (...)
Ceterum censeo: Ich will meinen Raymond Aron, meinen Scholl-Latour (trotz aller sachlichen Fehlerchen), meinen Gerd Ruge, meinen Joachim Fest, meinen Sebastian Haffner zurück. Ich will diese heutigen Pfeifen nicht, die eher Laienprediger als Journalisten sind.
Warum schreiben Sie nicht einmal etwas über Journalistenausbildung?"