Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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"Die deutsche Margaret Thatcher"

Im Interview mit kress.de lobt Michael Klonovsky die AfD-Vorsitzende Frauke Petry, kündigt an, die Nähe zu Rechtsintellektuellen zu suchen und äußert Bewunderung für die Linke Sahra Wagenknecht.

kress.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit? Wer ist auf wen zugegangen?

Klonovsky: Ich bin auf Frau Petry zugegangen. Der Herr dient sich der Dame an, wie es sich geziemt.

Was ist Ihre genaue Aufgabe bei der AfD?

Klonovsky: Ich bin nicht Frau Petrys Pressesprecher, sondern ihr publizistischer Berater. Der Begriff Spin-Doctor trifft es gut.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Klonovsky: Dass ich an der Vervollständigung des parlamentarischen Spektrums mitarbeiten kann. Das deutsche politische Biotop litt in seinem rechten Teil an einer gewissen Artenarmut.

Sie machen einen übergangslosen Wechsel von der Presse zur AfD. Sehen Sie sich selbst dort dem Vorwurf ausgesetzt, Teil der "Lügenpresse" zu sein?

Klonovsky: Wir wissen doch alle, dass sich hinter diesem Schimpfwort die Aversion gegen eine einseitige und tendenziöse Berichterstattung vieler Medien verbirgt. Und diejenigen, die meine Sachen lesen, wissen wiederum, dass ich dabei nicht mitgetan habe.

Fühlten Sie sich beim "Focus" als Teil der "Lügenpresse"?

Klonovsky: Was mir "Focus" publizistisch insgesamt ermöglicht hat, hätte mir kein anderes Publikumsblatt erlaubt; insofern: Nein.

Dort haben Sie im Vergleich zu den meisten anderen Redakteuren eine große inhaltliche Eigenständigkeit gehabt. Wie erklären Sie sich das?

Klonovsky: Es dürfte letztlich daran gelegen haben, dass ich auch Anstößiges mit einem gewissen Unterhaltungswert vorzutragen vermag.

Sie selber haben einmal den Begriff "Lückenpresse" benutzt. Was meinen Sie damit? Diesen Begriff hat der thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke übernommen - hat Sie das gestört?

Klonovsky: Den Begriff "Lückenpresse" hat ein Leser meines Internet-Tagebuches erfunden und mir zur Verfügung gestellt. Er ist eine witzige Verballhornung und Entschärfung des Begriffs "Lügenpresse", der übrigens bereits während des Ersten Weltkrieges geprägt wurde und deutscherseits die Entente-Propaganda meinte, mit der ja in der Tat Lüge und Hetze in zuvor ungekanntem Maße in die Öffentlichkeit Einzug hielten. Wenn Höcke nun "Lückenpresse" statt "Lügenpresse" sagt, ist das doch ein Gewinn, oder?

Über Sie wurde schon seit Jahren gesagt und geschrieben, Sie seien "rechts". Kürzlich wurden Sie als "lupenreiner Nazi" bezeichnet. Stört Sie das?

Klonovsky: Kein schöpferischer Mensch kann aus sich heraus ernsthaft "rechts" sein, nur der Zynismus und das Herostratentum einer öffentlichkeitsbeherrschenden Linken treiben ihn dazu. Der lupenreine Nazi ist mit einer Israelin verheiratet, der lupenreine Nazi schickt seine Kinder auf eine jüdische Schule, im Haus des lupenreinen Nazis verkehren überwiegend Juden und Ausländer. Zumindest an der Lupenreinheit meines Nazitums muss ich wohl noch ein bisschen arbeiten. Gottfried Benn hat einmal gesagt: Von mir aus können sie behaupten, ich sei Kommandant von Dachau gewesen oder habe Sex mit Stubenfliegen, ich werde nicht darauf reagieren.

Wie jede neue Partei befindet sich die AfD zurzeit in einem Selbstfindungsprozess. Wohin wird sie sich inhaltlich entwickeln?

Klonovsky: Wenn es nach mir geht: in Richtung deutsche Tories. Die CDU hat ja dankenswerterweise Platz gemacht dafür.

Wie schätzen Sie Frauke Petry ein?

Klonovsky: Sie müsste nach diesem Bild dann die deutsche Margaret Thatcher werden. Das sind große Fußstapfen, aber ich würde ihr das zutrauen.

Ihre Position innerhalb der AfD ist nicht gefestigt. Wie wollen Sie sie stabilisieren?

Klonovsky: In so einer jungen Partei ist niemandes Position betonfest. Ansonsten ist ihre vermeintliche Umstrittenheit nach meiner Einschätzung die Erfindung einiger Medien und politischer Kontrahenten, die sich natürlich gewaltig freuen würden, wenn sich die AfD schwächt oder sogar spaltet. Wer sollte Frauke Petry denn ersetzen? Für die AfD ist sie ein Glücksfall.

Hat sie in in der medialen Selbstdarstellung Fehler gemacht, wie zum Beispiel mit dem Interview in der "Bunten"?

Klonovsky: Das "Bunte"-Interview war ein Versuch, Normalität herzustellen. Immerhin ist sie nicht wie Rudolf Scharping für die "Bunte" in den Pool gestiegen. Wobei sie dort gewiss eine bessere Figur gemacht hätte als er.

Wie groß wird Ihr Einfluss auf sie sein?

Klonovsky: Das entscheidet allein sie.

Ist es richtig, dass Sie schon seit einiger Zeit Reden für Petry geschrieben habe?

Klonovsky: Ich habe in meiner "Focus"-Zeit nicht eine einzige Zeile für Frauke Petry geschrieben.

Versuchen Sie, einen Schulterschluss zwischen der AfD und Intellektuellen, die ihr inhaltlich eher nahestehen, zu schaffen?

Klonovsky: Natürlich werde ich das versuchen. Namen werde ich aber nicht nennen, die Herrschaften müssen es selber bekanntgeben, wenn sie soweit sind, sich das Nessoshemd überzustreifen.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Zusammenarbeit der AfD mit rechten Kräften in anderen Ländern wie dem Front National?

Klonovsky: Es wird sicherlich von Fall zu Fall eine Zusammenarbeit stattfinden, aber es ist für mich zu früh, darüber Auskunft zu geben.

Partei-Vize Gauland betont auffallend häufig inhaltliche Überschneidungen mit Sahra Wagenknecht. Wie sehen Sie das?

Klonovsky: Ich bewundere Frau Wagenknecht für den Fleiß, mit dem sie sich ihre Positionen erarbeitet und den Schneid, mit welchem sie sie vertritt, auch wenn ich sie oft für falsch halte. Ansonsten ist es ja eine Binse: Les extremes se touchent - die äußersten Gegensätze berühren sich. Zuweilen.


Erschienen am 6. Mai 2016, das Original hier.