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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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2. Februar 2019


Wie zähe Leser dieses Diariums wissen, arbeite ich mich seit Jahren sporadisch-exzessiv, aber regelmäßig an der Frage ab, welche Motive wohl Frau Merkel bei ihrem sturheilen Marsch in den wahrscheinlich letzten deutschen Sonderweg antreiben. Im Netz wuchern die Spekulationen über die Beweggründe dieser unseligen Person, die von ihren Anhängern nurmehr noch mit eschatologischen Argumenten verteidigt wird; viele Heiden indes sehen in ihr eine Vollstreckerin internationalistischer Politiken und globalistischer Agenden, andere, zu denen auch ich zähle, suchen den Schlüssel zu ihren Motiven in ihrer jugendlichen Prägung durch eine perverse Kombination aus Protestantismus und Sozialismus und einer daraus rührenden tiefen Verachtung von kulturellen Traditionen, nationalen Eigenarten, individueller Freiheit sowie jener des Marktes, von Merkels Geringschätzung des Deutschen im Allgemeinen und der deutschen Sprache im Besonderen heute einmal zu schweigen.

Im Dezember 2015 zitierte ich hier einen langjährigen Bundestagsabgeordneten der Union mit den Worten, Merkels Politikstil sei "reines Rodeo" und kenne nur ein Motiv: oben bleiben. Dieser Ansicht ist auch der Journalist Ferdinand Knauß, der in der Wirtschaftswoche die prekäre Planstelle des Regierungskritikers besetzt. In seinem Buch "Merkel am Ende. Warum die Methode Angela Merkels nicht mehr in unsere Zeit passt" liefert er eine stringente Analyse des zugleich hochspannenden und unendlich langweiligen Phänomens Angela I. Knauß zufolge ist die Kanzlerin "ein unpolitischer Mensch", eine reine Managerin, die sich aus Gründen der Gewohnheit an ihren Job klammert und das Glück hat, nicht in der freien Wirtschaft für ihre Bilanz geradstehen zu müssen: "Nicht obwohl, sondern weil sie unpolitisch ist, war Merkel die passende Kanzlerin für eine Gesellschaft, die sich am Ende der Geschichte wähnte. Für eine Gesellschaft, die das Politische, also das Entscheiden grundlegender Fragen – anders gesagt: das Geschichte-Machen –, für obsolet hielt." Was im Innern dieser Frau vorgehe, sei deshalb womöglich "gar nicht so interessant", man habe es mit einer intellektuell eher banalen Person zu tun, die nicht inhaltlich, sondern ausschließlich taktisch denke. Deshalb vermeide sie auch mit großer Sorgfalt Aussagen, die auf ihre Defizite schließen lassen würden und weicht jeder Frage aus, die auf eine konkrete politische Haltung zielt.

Die Kanzlerin, schreibt der Wirtschaftswoche-Autor, erfülle kaum eine der Bedingungen, die Max Weber in seinem berühmten Aufsatz "Politik als Beruf" vorgibt: "Sie hat kein Charisma und kann nicht gut reden. Sie hat keine sachliche Leidenschaft und kein Verantwortungsgefühl. Allenfalls könnte man ihr Augenmaß attestieren – nach dem September 2015 muss man aber auch daran sehr zweifeln. Was sie allerdings in höchstem Maße besitzt, ist eine Gabe zur Analyse der Bedingungen für den Machterwerb und Machterhalt."

Für diese Sichtweise existieren starke Argumente, die Knauß in seiner unaufgeregten und klugen Analyse auch alle auflistet. Im Laufe ihrer dreizehnjährigen Amtszeit hat die Kanzlerin ihre Ansichten gewechselt wie Hosenanzüge. So sprach sie sich erst für die "Brückentechnologie" Kernkraft und eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten aus, stieg aber dann im Handstreich aus der Atomenergie aus; sie erklärte Multikulti für gescheitert und gab anno 2003 zu Protokoll: "Wenn wir die Auswirkungen der Zuwanderung nach Deutschland in den letzten fünfzig oder vierzig Jahren betrachten, dann fällt die Bilanz, wenn man die Sozialhilfe und alles hinzurechnet, negativ für Deutschland aus"; zwölf Jahre später importierte sie dann auf einen Ruck nahezu zwei Millionen Mosaikbausteinchen für ein sich am Zeithorizont farbenprächtig abzeichnendes, über die Sozialkassen finanziertes Mulkul-’schland; als Oppositionsführerin forderte sie ordoliberale Reformen, aber unter ihr als Kanzlerin stiegen die Steuereinnahmen, florierte die Umverteilung und explodierten die Sozialausgaben. 2003 schilderte Merkel ihren "Deutschland-Alptraum" mit den Worten: "Jeder besitzt eine Windmühle und glaubt sogar noch, er tue etwas für die Umwelt, vergisst aber die hohen Subventionen." Acht Jahre später rief sie die Energiewende aus, finanziert mit einem subventionistischen Umverteilungsmechanismus namens EEG-Umlage (welche nach Merkels Beteuerung vom Juni 2011 "nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen" werde; damals lag sie bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde, 2018 waren es 6,8 Cent).

Handelt so ein Mensch, der irgendein definiertes politisches Ziel verfolgt? "Merkel hat in 28 Jahren als Politikerin, als Ministerin, CDU-Chefin und schließlich Kanzlerin kaum jemals irgendein Prinzip oder politisches Ziel, das sie zunächst behauptete, konsequent und unter Hinnahme persönlichen Risikos verteidigt. Sie hat sie alle aufgegeben", notiert Knauß, um sich anschließend zu verwundern: "Und jetzt soll ausgerechnet sie zur last woman standing des Westens werden?"

Die lange Herrschaft Merkels und ihrer unpolitischen Methode muss also Wünsche und Illusionen bedienen, die in weiten Teilen dieses merkwürdigen Volkes angelegt sind. Der Slogan vom "Ende der Geschichte" fiel bereits; in keinem Land der Erde dürfte diese Vorstellung verbreiteter sein als bei den verschwindensbereiten Weltumarmern im Herzen Europas. Die "kosmopolitische Illusion" (Knauß) als Identitätsprothese ist ohnehin etwas sehr Deutsches, sie entstand in einer Zeit, als an ein politisch geeintes Deutschland nicht zu denken war, und füllte nach dem zweifachen Zusammenbruch des Reiches bei den meisten Politikern und Intellektuellen die Leerstelle der nationalen Zugehörigkeit. Nur nicht wieder eigenverantwortlich agieren müssen, lautete und lautet ihre Maxime. Es handelt sich um einen Kosmopolitismus, der nicht auf innerer Festigkeit und einem soliden Einverstandensein mit sich selbst gründet, sondern einen affektiven Willen zur Selbstverleugnung und Wiedergutmachung zum Ausdruck bringt. Die Mentalitätsherrschaft der Grünen beruht auf diesem Phänomen, daraus saugt sie ihr moralisches Erpressungskapital. Merkel hat erkannt, dass sie sich, wenn sie oben bleiben will, den Vorstellungen der Grünen und der sie mehrheitlich unterstützenden intellektuellen Lautsprecher anpassen muss, und deswegen hat sie ihre gesamte Politik moralisch aufgeladen.

"Die Linksbewegung der CDU fand auf dem entscheidenden Feld der kulturellen Einstellungen und Wertvorstellungen statt, also da wo die Kategorien von Gut und Böse ausgehandelt werden", schreibt Knauß. Die CDU habe "fürs Regieren ihre Seele verkauft".

Den Grünen und einer sie unterstützenden Mehrheit der Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter ist es zuzuschreiben, dass auch in der Politik die Unterscheidung zwischen richtig und falsch in eine zwischen gut und böse umgewandelt wurde. Diese Umformatierung politischer Entscheidungen in moralische hat die "erste Kanzlerin der Grünen" (so Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Zeit, durchaus bewundernd) zwar international immer mehr isoliert, aber ihre Herrschaft im eigenen Lande gesichert, jener planetarischen Wetterecke der politischen Romantik, wo jede tiefergehende Kritik an ihren Entscheidungen als unmoralisch zurückgewiesen werden konnte. Die momentan einzige Oppositionspartei – "ein unmittelbares Resultat der Regierung Merkels und ihre Hinterlassenschaft" (Knauß) – ließ sich so als eine Zweigestelle des Leibhaftigen stigmatisieren, für deren Entstehung keine rationalen Gründe vorlagen und deren Argumente man gar nicht erst anhören müsse.

Das werde aber nicht mehr länger gutgehen, statuiert Knauß. Zum einen könne man "auf die Dauer eine Partei von über 15 Prozent, in Sachsen vielleicht bald 30 Prozent nicht als Gottseibeiuns behandeln", sonst steuere Land "mittelfristig auf die Unregierbarkeit zu". Zum anderen führe eine Politik der permanenten Überdehnung der eigenen wirtschaftlichen und mentalen Kräfte unausweichlich in Krisen, Unruhen und Verteilungskämpfe. Dass neben dem Gros der Eliten zwar keine Mehrheit, aber immerhin ein bedeutender Teil der Wähler dieser Verschleuderung des nationalen Tafelsilbers applaudiere, irritiert Knauß selbstverständlich, doch historisch beschlagene Menschen wissen, dass dieses amokläuferische Festhalten am einmal eingeschlagenen Kurs für idealistische Deutsche immerhin keine Premiere mehr bedeutet. "Am Ende hängen wir doch ab/Von Kreaturen, die wir machten", spricht Mephistopheles weise; durch die Wiederwahl der Fremdenführerin haben die Deutschen dem Ausland signalisiert, dass diese Feststellung für beide Seiten vice versa gilt, Führerin und Volk, "Ikone des Westens" (Ulf Poschardt) und Betgemeinde, schon länger hier Regierende und schon länger hier Lebende.

Einst stand dieses Deutschland bekanntlich in schimmernder Wehr gegen eine Welt von Feinden, bis die ihm die Grenzen seiner Kräfte aufzeigten. "Heute glauben offenbar viele Deutsche und die Kanzlerin selbst, dass ausgerechnet Deutschland, notfalls auch ohne die USA und einen Großteil der EU – von den Machtstaaten Russland, China, Türkei, Iran usw. ganz zu schweigen –, berufen ist, das Ende der Geschichte zu verteidigen: als selbstloser Anti-Nationalstaat ein höheres europäisches oder gar Weltinteresse zu vertreten." Auch diese Hybris wird nicht ungesühnt bleiben. Merkel als "Inkarnation eines seltsamen, postdeutschen Größenwahns" überschätze "in verantwortungsloser Weise die Möglichkeiten des eigenen Landes, das sich zugleich in Europa und der Welt auflösen und Europa und die Welt retten soll". Ungefähr das dürfte Henry Kissinger gemeint haben, als er sagte: "Angela Merkel is very local."

Angesichts der ja keineswegs in Richtung Demokratisierung und Weltvereinigung zielenden globalen Tendenzen – die Reislamisierung der arabischen Welt und der Türkei, der Aufstieg Chinas, der demografische Niedergang des Westens, die anschwellende Wanderungsbewegung aus Afrika und Westasien in die westliche Wohlstandszone – werden für die Bewohner des Westens Bedrohungen sichtbar und vor allem spürbar, die sich nicht mehr länger durch Tabuisierung, Schutzgeldzahlungen, Dialogangebote und die Abwälzung der direkten Folgen auf die Unterschichten managen lassen. Es wird wieder Konflikte geben, die ohne Gewalt nicht zu befrieden sind. Es wird wieder Feindschaften gegeben. "Und damit", so Knauß, "schwinden die Voraussetzungen für die Methode Merkel."

Knauß: "Wenn die Geschichte sich zurückmeldet und mit ihr die Nachfrage nach dem Politischen, also nach Politikern, die auch gegen starken Widerstand die fundamentalen Interessen derer vertreten, die sie repräsentieren, hat Merkel nicht viel zu bieten." Und die Geschichte melde sich zurück, zunächst einmal in Gestalt grundlegender Fragen, deren Beantwortung allenfalls die Kanzlerin selber, aber keiner ihrer Nachfolger ausweichen können wird, Fragen wie: Wollen wir weitere Einwanderung? Wenn ja, wie viel und welche Einwanderer wollen wir? Ist der Islam ein Teil von Deutschland? Soll die Europäische Währungsunion unbedingt und um jeden Preis aufrechterhalten werden? Müssen deutsche Steuerzahler darum noch mehr Haftung für europäische Banken- und Sozialsysteme übernehmen? Ist der Ausbau der Windenergie notwendig oder zerstört er auf unerträgliche Weise die Landschaften? "Auf keine dieser Frage hat Merkel je eine klare Antwort gegeben."

Unter dieser Kanzlerin, sagt Knauß mit einem schönen Bild, sei "aus Leviathan eine Milchkuh" geworden. Aber die Kräfte Behemoths sammeln sich weltweit. Staaten und Staatschefs werden darauf reagieren müssen. Die scheinbaren Selbstverständlichkeiten des hinter uns liegenden Zeitalters, sowohl den Wohlstand als auch innere wie äußere Sicherheit betreffend, gingen verloren. "Die Angst als Urgrund politischer Leidenschaft ist wieder da und mit ihr das Bedürfnis nach Schutz." Der Konflikt zwischen dem Trend zur Weltgesellschaft und dem Bedürfnis nach dem Schutz des Eigenen sei nicht aufzulösen. Aber er könne zivilisiert und demokratisch geführt und entschärft werden durch pragmatische Kompromisse: "Das wird die große Aufgabe demokratischer Politik in den kommenden Jahren sein."

Knauß übermittelt also eine im Kern optimistische Botschaft: Nicht allein die Zeit Merkels ist abgelaufen, sondern auch ihre Art Politik, das System Merkel, endet. An ihrer Schadensbilanz wird Deutschland, im Gegensatz zu Merkels nichtvorhandenen Nachkommen, lange tragen, wahrscheinlich ist sie irreversibel, und Schuld daran sind letztlich die deutsche Tüchtigkeit, die deutsche Obrigkeitshörigkeit und der deutsche Eskapismus. Die Rechnung werden Merkels Nachfolger präsentiert bekommen. Und eine Ironie der Geschichte könnte darin bestehen, dass man einmal eine (mit-)regierenden AfD für die Folgen der Merkelschen politischen Idiotismen verantwortlich machen wird.



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Die Zeit schlägt Alarm: "In ihrer Selbstdarstellung auf You Tube und Instagram orientieren sich junge Frauen und Mädchen weitgehend an veraltet anmutenden Rollenbildern. Das ist das Ergebnis mehrerer repräsentativer Studien zu Geschlechterdarstellungen in den sozialen Medien, die die von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründete Stiftung MaLisa in Auftrag gegeben hat. Die Geschlechterdarstellungen in den erfolgreichsten YouTube-Kanälen basieren den Studien zufolge zudem auf althergebrachten Stereotypen."

Reichlich veraltet anmutende weibliche Rollenbilder sind seit einigen Jahren in Deutschland tatsächlich en vogue, das stimmt. Einwanderer aus einer speziellen Weltgegend betrachten Frauen als ihr Eigentum, auch diejenigen, die sie eben erst in der Disco oder auf dem Schulhof geschossen haben; die maskuline Polygamie wird Schritt für Schritt legalisiert, und der deutsche Steuerzahler darf die mit einer gewissen Folgerichtigkeit daraus entstehenden fidelen Großfamilien alimentieren; immer mehr weibliche Köpfe verschwinden unter Kopftüchern oder kompletteren Verhüllungen; minderjährige Mädchen werden neuerdings auch hierzulande zwangsverheiratet; hunderte Zwangsbeschneidungen von Mädchen finden inzwischen jährlich im einstigen Stammland der Aufklärung statt. Außerdem diskriminieren politische Hinterwäldlerinnen wie Justizministerin Barley und SPD-Chefin Nahles andere Frauen, indem sie unterstellen, sie seien zu dämlich, um ohne Quoten an gute Jobs zu kommen.

Aber das meint die feministisch bewegte Milliardärsgattin Furtwängler natürlich nicht, sie stößt sich vielmehr daran, dass hier "das Frauenbild der Fünfzigerjahre gefördert“ werde, also der deutschen Fünfzigerjahre, der Spätausläufer des sexistischen europäischen Mittelalters, eine bleierne Zeit, als man noch an Geschlechtsunterschiede bzw. Geschlechterrollen glaubte statt an die freie Wahl seines Geschlechts und juvenile Blondinen sich reiche bzw. einflussreiche ältere Männer angeln mussten, um eine Filmkarriere hinlegen zu können.

"Auch in Musikvideos, die heute überwiegend über You Tube konsumiert werden, werden Frauen den Angaben nach noch immer mehrheitlich sexy und passiv inszeniert", ächzt die Zeit-Autorin, zu deren Gunsten wir mal annehmen, dass sie sich allzeit aktiv unsexy inszeniert.

"Wenn man sieht, dass die Frauen auch in den Medien, die hauptsächlich von Jugendlichen konsumiert werden, nur ein Drittel der Protagonistinnen und Protagonisten stellen, muss man sich fragen, was mit den Strukturen nicht stimmt", meint wiederum Frau Furtwängler, schreibt die Zeit. Dass mit den Strukturen etwas nicht stimme, wenn irgendwo zu wenige Frauen vertreten sind, wo sich etwas abgreifen lässt: Dieses Mantra kennt man inzwischen zur Genüge, und zumindest die "Tatort"-Mädels haben es geschafft, ihre numerische Gleichstellung durchzusetzen, auch wenn in der tristen Realität Kommissarinnen eher die Ausnahme sind. Nochmals: Die Maid mit dem erlauchten Namenspedigree spricht von Youtube und Instagram – "nach Angaben der Stiftung MaLisa wurden für die Studie der Universität Rostock und der Filmuniversität Babelsberg 1.000 YouTube-Kanäle analysiert, 2.000 Videos untersucht und 14 YouTuberinnen in Interviews zu ihrer Sicht auf die Branche befragt" –, also von zwei online-Plattformen, deren angeblich "nicht stimmende" Struktur darin besteht, dass jeder dort freien Zugang hat, wo also die völlige Freiheit der Selbstdarstellung herrscht. Und das passt Quotenforderern und Regulierern bekanntlich nicht, nie sind solche Figuren mit der Freiheit zufrieden, weil die immer zu falschen Ergebnissen führt. Gibt man Frauen und Männern die Möglichkeit, sich einfach so zu präsentieren, wie sie mögen, dann kehren auf einmal die sogenannten Geschlechterstereotype wieder, gegen die auf allen Kanälen und in allen Redaktionen rund um die Uhr vergeblich agitiert wird. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die "Geschlechterrollen der Fünfziger", sondern um jene der Conditio humana. Dann stellen sich, ein paar teils liebenswürdige, teil bedauernswerte Freaks ausgenommen, Frauen eben weiblich und Männer eben männlich dar – und es gibt kein Mittel dagegen außer Quotenforderungen, Diskriminierungsgeplärr, Gesinnungsterror, Manipulation und staatlichem Druck.    

Auf Instagram, jammert es weiter, seien insbesondere Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprächen, und die seien "dünn und langhaarig“ – nicht etwa fett und mindestens auf einer Seite des Schädels kahlrasiert, wie es in Berliner Szenebezirken guter Standard ist. Außerdem hätten die für die Studie befragten Youtuberinnen "von Hürden gesprochen, die es erschwerten, aus dem Thema Schönheit auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen". Eine der Vierzehn gab zu Protokoll: "Eine starke eigene Meinung schmälert deinen finanziellen Wert, weil sich dann bestimmte Firmen nicht mehr mit dir zeigen wollen." Zum Beispiel, wenn man die starke eigene Meinung vertritt, dass Frauen sich weiblich und Männer sich männlich präsentieren sollten. Oder die starke eigene Meinung, dass Frauenquoten begabte Frauen erniedrigen und unbegabte fördern. Oder auch nur, wenn man seine starke eigene Meinung auf Plattformen wie achgut oder eigentümlich frei publiziert. Oder wenn man die starke Meinung am Ende gar, hui-buh!, in der Schwefelpartei vertritt...

Die Vorzeile des Zeit-Artikels lautet übrigens: "Junge Frauen inszenieren sich einer Studie zufolge auf Instagram und YouTube nach althergebrachten Stereotypen. Ihr Credo: Hauptsache, keine eigene Meinung vertreten." Dass man bloß von einer Probandin thesenorientiert auf alle anderen schließen muss, um zur erwünschten Aussage eines Artikels zu gelangen, das haben sie im Hambuger Weltblatt seit Langem verstanden, zum Höcke! Von den Vertreterinnen der deutschen Wahrheits- und Qualitätsmedien könnten die sich im Netz spreizenden langhaarigen und schlanken Dummchen, so sie denn wollten, immerhin lernen, welche Meinungen bei ihnen als "eigene" durchgehen würden. Deren Zahl ist gottlob überschaubar.