Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

1. März 2019


Netzfund:

IMG 20190210 WA0002


                                     ***


Jordan Petersons Buch "12 Rules For Life" beginnt mit einem inzwischen beinahe klassischen Hummer-Gleichnis, also der Beschreibung des Revierverhaltens der Großkrebse als eine Art Präludium zur Betrachtung des zwar unendlich komplexeren, aber immer noch verwandten menschlichen Territorialverhaltens. Hummer haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einem eigenen Stück Meeresboden, sie vertreiben alle Artgenossen aus ihrer Nähe, was, wenn zwei das Gleiche tun, zu Auseinandersetzungen verschiedenen Härtegrades führt, an deren Ende es immer einen Sieger und einen Vertriebenen gibt. Die Aggressionslevel stuft Peterson von I bis IV, wobei die Entscheidung über Sieg und Rückzug auf dem ersten Level noch ohne Körperkontakt fällt, während auf dem vierten eine richtige Schlacht stattfindet, bei welcher Gliedmaßen, Augen oder Fühler abgezwickt werden und bleibende Schäden zurückbleiben können. Und dann geschieht das Frappierende:

"In the aftermath of a losing battle, regardless of how aggressively a lobster has behaved, it becomes unwilling to fight further, even against another, previously defeated opponent. ... If a dominant lobster ist badly defeated, its brain basically dissolves. Then it grows a new, subordinate’s brain." Und zwar nicht bei denen, die schon auf dem Level 1 den Rückzug antraten, sondern bei den wirklich schwer Geschlagenen.

Warum musste ich bloß spontan an Deutschland denken...?


                                     ***


Der deutsche Außenminister Heiko Maas sitzt wegen eines Defekts an seiner Regierungsmaschine in Mali fest. "In den vergangenen Monaten war es immer wieder zu Pannen bei der Flugbereitschaft gekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kam deswegen Ende November zu spät zum G20-Gipfel in Buenos Aires. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) blieb im Januar für längere Zeit in Sambia hängen, musste sogar einen Besuch in Namibia absagen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steckte im November wegen eines Triebwerksdefekts stundenlang in Südafrika fest und wenig später dann noch einmal in Äthiopien."

Ich halte diese Meldungen für symptomatisch. Ich werte sie als Meilensteine bei der Transformation eines Landes der Techniker und Ingenieure in eine von Genderbeauftragten und Politologen geprägte Bananenrepublik. Wenn die Deutschen technisch erst einmal auf einem vergleichbaren Niveau angekommen sind wie es, sagen wir, die grüne Bundestagsfraktion intellektuell vorlebt, wird zusammenwachsen, was zusammengehört (sofern es nicht vorher abgestürzt ist). 

Dazu drei weiterführende Links. "'Ich gebe nur noch gute Noten'. Ist es gerecht, Schülern die Zukunft zu verbauen, weil Lehrer ihnen schlechte Noten geben? Das hat sich eine Lehrerin gefragt – und entschieden: Bei ihr besteht jeder das Abitur" (hier); "Den Begriff 'dividieren' versteht kaum noch ein Schüler" (hier); "Grüne setzen sich mit Forderung durch: Hessische Schulen dürfen künftig auf Noten verzichten" (hier).


                                   ***


"Aber was tun Sie da?", rief der Weinfreund entsetzt, als er sah, dass der Weingroßhändler alle Flaschen entkorken und in Fässern zusammenschütten ließ, unterschiedslos alle, Weiß- und Rotweine, große Bordeaux und kleine Sauser aus der neuen Welt, Tempranillos und Rieslinge, Malbecs und Pinot Grigios, Champagner und Rosés obendrein.

"Ich setze mich für Vielfalt ein", erwiderte der Großhändler streng.

"Nein, Sie verderben alles!", klagte der Vinophile.

"Ja haben Sie das gehört", wandte sich der Händler entrüstet an die Umstehenden. "Dieser Mann hetzt gegen Buntheit!"



                                   ***

Fabelhafte Formulierung von Norbert Bolz: "Darwinismus des Konformismus". Der Medienphilosoph beschreibt die konformitätsförderlichen Mechanismen hinter den Talkshow-Einladungen, um begreiflich zu machen, warum fast nie einer der Teilnehmer (mit Ausnahme der AfD-Tschandalas) den Korridor des Genehmen und Gewünschten verlässt. Es finden nämlich vorher regelrechte Castings statt, jeder potentielle Gast wird penibel befragt, was er zu dieser oder jener Frage antworten würde (das Thema steht ja vorher fest), was ich bestätigen kann, denn ich wurde einmal selber gecastet (wobei ich einen guten Aufschlag hatte, denn das Fräulein, das mich anrief, stellte sich als "Sowieso sowieso, Hart aber fair" vor, und ich versetzte: "Klonovsky, hart", was ihr ein spontanes Kichern entlockte); es ging damals um "den Islam", und sie befragte mich ausführlichst, aber am Ende machte eine Islamkennerin namens Lisa Fitz statt meiner das Rennen. – Bisweilen bietet der Sendervertreter auch "Deals" an. Da nahezu jeder, also auch ehrenwerte Professoren wie Bolz aus Eitelkeits- und Popularitätsgründen ins TV wollen, lassen sich viele auf solche "Deals" ein (bzw. äußern schon von Hause aus das Gewünschte). Und diesen Kampf um die limitierten Plätze nennt Bolz trefflich: "Darwinismus des Konformismus" (hier, ab 9,00). Erinnert ein bisserl an die Spiegel online-Kolumnisten, die auch allesamt immer dieselbe Meinung vertreten und sich dann gegenseitig mit immer schrilleren Formulierungen, Invektiven und Forderungen überbieten müssen.



                                  ***


Wieder ist ein Monat ins beste Deutschland ever gegangen, und wir kommen, wenn auch einen Tag verspätet, zur Monatsendfigur. Sie sollte hier schon lange einmal auftauchen.

in c3 a9s arrimada sin duda una triunfadora en las elecciones catalanas foto ciutadans

Inés Arrimadas García, studierte Juristin, ist seit 2012 Fraktionsvorsitzende der Ciudadanos-Fraktion im katalanischen Parlament.

Wie gewohnt geht zum Monatsende der Klingelbeutel um, mit einem herzhaften Dankeschön an all jene, die ihn auch im vergangenen Monat befüllt haben; alle anderen klicken bitte hier.



Grüne setzen sich mit Forderung durchHessische Schulen dürfen künftig auf Noten verzichten