Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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7. April 2019


"Wenn ich je emigrieren sollte", schreibt Freund ***, "dann in dieser Schiffskabine:"

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Der Rechtspopulismus ist übrigens zuletzt nichts anderes als ein politischer Kampf darum, dass dieser Globus niemals ein Ort werde, auf dem es keine rettenden Exile mehr gibt, in denen man sich vor den Zukunftsträumen der Progressisten und Weltgleichschalter in Sicherheit bringen kann.


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Gestern wurde hier die These vorgetragen, dass die Wahrheits- und Qualitätsmedien auf bewährt konzertante Weise – wahrscheinlich sogar ohne zentrale Vorgabe; die Sardine erspürt die Richtung des Schwarmes bekanntlich auf andere Weise – ihre sogenannte AfD-Berichterstattung nurmehr noch auf zwei Komponenten beschränken: so wenig wie möglich konkrete politische Aktivitäten der Schwefelpartei mehr melden, stattdessen jede Unterstellung zur Kampagne aufblasen. Spiegel online liefert heute die Bestätigung; eine Komsomolzin von der Relotiusspitze schreibt über den Europawahlkampf-Auftakt der AfD. Was in dem Bericht komplett fehlt, ist der Europawahlkampf-Auftakt der AfD. Erwähnenswert dünkt der minnigen Maid indes, dass die Halle in Offenburg "nur zu zwei Dritteln gefüllt" war; davon abgesehen, dass sie das bei SPD- oder CDU-Veranstaltungen nie mitteilen, fehlt in der Meldung wie nahezu immer auch die Erklärung, warum: weil viele kleine verhetzte Linksfaschos mit ihrer bescheidenen Existenz sogar an Wochenenden nichts anderes anzufangen wissen, als vor Veranstaltungshallen ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen die einzige Oppositionspartei auszuleben. Der Kanzlerin zufriedenes Brummen, kontrapunktisch kunstlos begleitet von Maasens knäbischem Keckern, sei ihr verdienter Lohn.



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Aber die Sonntage immer...!

In der Welt der Pianisten wird die Champions League doppelt ausgetragen: beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau (und neuerdings St. Petersburg) und beim Chopin-Wettbewerb in Warschau. Wer sich in einer dieser Konkurrenzen durchzusetzen vermochte, kann an seinem Instrument alles, wird niemals vor irgendeinem technischen Problem stehen und besitzt überdies Nerven wie ein Bombenentschärfer oder Hirnchirurg, wird also auch nie dem Lampenfieber erliegen.

Einer dieser Übermenschen ist der Pole Rafał Blechacz, Gewinner des Chopin-Wettbewerbs 2005 (damals wurde extra kein zweiter Preis vergeben, um den Abstand des Siegers zur Konkurrenz zu verdeutlichen), der heute mit dem Mozarteumorchester Salzburg die beiden Chopin-Konzerte in der Münchner Philharmonie darbot, übrigens unter dem ästhetisch bezaubernden Dirigat des mir bis dato unbekannten Riccardo Minasi. Der Pianist ähnelt in Statur (und Frisur) beinahe verblüffend seinem berühmten Landsmann, seine Hände erinnern an Stephen Hellers Beschreibung von Chopins schlanken Händen, "die sich plötzlich ausdehnten und unversehens ein Drittel der Klaviatur deckten, wie wenn eine Schlange ihr Maul aufsperrt, um ein Kaninchen zu verschlingen", und er spielte bezaubernd lyrisch. Eine befreundete Violinistin, die ihn mit dem Orchester begleitete, erklärte danach: "Er ist so genial, er spielt die Stücke jedes Mal anders."
 
Wenn Sie Blechacz hören wollen: Hier spielt er die As-Dur-Polonaise, hier das zweite Klavierkonzert und hier die erste Ballade beim Chopin-Wettbewerb (die Qualität der letzten Aufnahme ist so lala, was freilich den Eindruck verstärkt, man höre Chopin persönlich zu).   

 
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Apropos Künste. Als die Welt noch schön und sexistisch war, wurden solche Plattencover hergestellt:

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"Diese Plattenhülle erregte seinerzeit in den USA einiges Aufsehen und ist dieserhalb zu einem Sammlerstück geworden", schreibt Leser ***, der mir das Foto zusandte. "Die Firma damals war Classics Editions (719 Tenth Avenue, New York 19, N.Y.), die vorwiegend Aufnahmen aus der ruhmreichen Sowjetunion in Lizenz (oder sogar einfach 'schwarz'?) veröffentlichte. Diese Platte enthält die grandioso Aufnahme des Poème divin mit Nikolai Golowanoff am Pult. Immer wenn man Golowanoffs Aufnahmen hört, meint man ein klanglicher Tyrannosaurus Rex erhöbe sich aus dem Sumpf  und schaue einen ganz durchdringend an."