Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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24. September 2019


"Wenn ein westdeutscher Intellektueller einen Diskursraum betritt, schaut er immer zuerst nach, wo sich die Fluchttür befindet."
Alexander Wendt


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Am Donnerstag debattiert der Bundestag über den deutsch-französischen Vertrag von Aachen. Gerüchte, eine schlimme Partei habe beantragt, dass sich das rechtsrheinische Bildungssystem jetzt noch stärker am linksrheinischen orientieren solle, blieben bislang unbestätigt.


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Netzfund:

Easy Riders


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Dass Greta Thunberg, salopp gesprochen, ein bisschen meschugge ist, war von ihrem ersten Auftritt an schwer zu übersehen und nur unter massiver Einwirkung körpereigener Wohlfühlopiate bei ohnehinnigem Grünstich zu tolerieren. Wie ihre launige resp. "emotionale" (ARD) Rede vor der UN-Klimakonferenz offerierte, hat sich dem Knall nun die unvermeidliche Hybris beigesellt. Mit Tränen in den Augen (was für eine am Asperger-Syndrom laborierende Person ungewöhnlich ist) rief die 16-Jährige den Staats- und Regierungschefs der UN-Vollversammlung zu: "Wie konntet ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit euren leeren Worten?" Dass sie zum verbalen Amoklauf ansetzt, hatte sich angekündigt:

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Man könnte freilich vermuten, dass diese Eskalationsstufen einem Drehbuch folgen, welches PR-Strategen der grünen Weltkirche für ihre momentane Lieblingssprechpuppe entworfen haben (Danisch fühlt sich durch Gretas gallige Mimik an Chucky, die Mörderpuppe erinnert), natürlich unter Missbrauch einer juvenilen Panik-Schieberin, die bestimmt an das glaubt, was sie da von sich gibt. Aber das wundert niemanden, der die kriminelle Energie solcher Figuren ahnt; ich erinnere an die Worte von Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: "Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. (...) Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist. Das hat mit Umweltpolitik, mit Problemen wie Waldsterben oder Ozonloch, fast nichts mehr zu tun."

Das eigentliche Problem ist die Reaktion der Traumräuber und Jugenddiebe. Anstatt das verwirrte Schwedenmädel von der Polizei zum Flughafen und daheim dann zur Schule bringen zu lassen, damit es nicht noch mehr Kindheit vergeudet, legten die Staatslenker ihre Stirnen sorgenvoll in Falten, wiegten mit den Köpfen, summten bedröppelt "Oje-oje" und "Ui-ui-ui", und die deutsche Bundeskanzlerin, die eine politische Hure zu nennen eine Beleidigung für einen ehrenwerten, sympathischen und vor allem notwendigen Berufsstand wäre, fühlte sich nach dem "Weckruf der Jugend" so putzmunter und folgsam wie Brünnhilde nach dem Siegfried-Kuss; die Weckkraft des Explosiönchens von Fukushima war wahrscheinlich ein Zikadenfürzlein daneben.

Merke: "Der Welt geht es gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, wer sie regiert." (Don Nicolás)
 
Inzwischen hat die Nachwuchs-Niobe "Klima-Beschwerde gegen Deutschland eingelegt", und die Medien melden es wie eine wichtige Nachricht, nicht etwa unter "Vermischtes" oder "Kuriositäten". Zugleich empören sich TV-Zuschauer (also ein paar grüne, unter der Lupe der Wahrheitsmedien aufgeblähte Twitterer) über die Themenwahl des gestrigen ARD-Brennpunkts; statt über die Pleite von Thomas Cook informiert zu werden, hätten diese rundum positiven Wutbürger lieber mehr "Gretology" (nochmals A. Wendt) geguckt. Der Unterschied ist nur, dass es bei dem bankrotten Reiseanbieter Abertausende konkret Betroffene gibt – die Engländer, wurde gemeldet, starten mit der Heimholung von 150.000 Thomes-Cook-Touristen ihre größte Rückholaktion in Friedenszeiten –, während die Alptagträume einer von Hysterikern und Opportunisten hofierten quartalsirren Geisterseherin eben nur Halluzinationen sind, deren Relevanz für Millionen Menschen sich aus dem Missbrauch ergibt, der mit ihnen getrieben wird. Aber darüber einen ARD-Brennpunkt? Eher sendet die Aktuelle Kamera wieder.

So blieb es denn Donald Trump vorbehalten, die Ehre des westlichen Rationalismus wiederherzustellen, mit einem sehr westlichen rhetorischen Stilmittel:

GreatAgain



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"Eilmeldung !!!

Die WHO hat Klimawahnsinn in einer Eilentscheidung jetzt als Krankheit anerkannt. Ratiopharm hat ein Medikament als Spray zur Zulassung angemeldet. Das Präparat ist seit Jahren in den USA und Rußland frei verkäuflich. Das Wirkprinzip des Mittels basiert auf der sogenannten Wortbankselektion. Dabei werden audiovisuelle Signale wie zum Beispiel CO2, Klimaerwärmung, Diesel oder Temperaturanstieg über Transmitterblockaden isoliert und nicht wahrgenommen. In Moldawien wird seit 2010 mit einem entsprechendem Generika in Kindergärten die vollständige Zwangsimmunisierung abgesichert. Ob die Krankenkassen die Kosten in Deutschland übernehmen, ist noch nicht geklärt, da das Medikament als politisches Pflegemittel gilt. Die Deutsche Ärztekammer empfiehlt vorerst, da die Infektionswege noch nicht vollständig klar sind, diejenigen Personen, die mit Wahnvorstellungen hilflos aufgefunden werden, zu isolieren, nicht anzusprechen und auf gar keinen Fall anzufassen. Halbstündiges Kaltduschen soll die Symptome lindern. Die AfD hat die Zwangsimmunisierung in ihr Parteiprogramm aufgenommen. Aufgrund der gegenwärtigen Krisensituation schlägt die Deutsche Polizeigewerkschaft vor, das Mittel mit Wasserwerfern großflächig auszubringen."
(Leser ***)


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Zu meinem gestrigen Eintrag über das erwünschte Vergessen der Breitscheidplatz-Opfer sendet mir Leser *** diesen Link zur Webseite des ZDF; es lief also im Zweiten eine Dokumentation, in der einige Verletzte bzw. Angehörige der Getöteten ihre Geschichte erzählen konnten (in der Mediathek gibt es anscheinend nur noch einen Trailer). Und Leser *** sendet das Foto einer improvisierten Gedenktafel, die er im Mai 2017 am Tatort fotografiert hat: "Auffallend, dass keines der deutschen Opfer mit Namen oder gar Bild dort kenntlich gemacht war, die meisten ausländischen dagegen schon. Wer dafür verantwortlich war und ob es dem Wunsch der Angehörigen entsprach, kann ich nicht beurteilen."

 

20170529 Breitscheidplatz



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"Gegen die herrschende Meinung war S. der Ansicht, Deutschland sei 1945 untergegangen; er plädierte gegen den 'Beitritt' der DDR, für eine Nationalversammlung und neue Verfassung: 'Für die These vom Untergang der BRD im Falle einer (Wieder-)Vereinigung'. (...) 'Es führt keine demokratische Brücke von der Verfassung der BRD zur Verfassung des neuen Deutschland.' Zu bedauern wäre, bekäme die DDR 'nicht einmal die Chance, ihre Geschichte, ihre Besonderheit, ihre Utopien, vielleicht ihre Identität in den Einigungsprozeß einzubringen'.

'Die atemlose Geschwindigkeit des Wechsels in der politischen Rhetorik dieses Landes, die noch vor Monaten kaum eine Gelegenheit ausließ, das Aufgehen der Nationalstaaten in Europa zu prophezeien, die europäische Union als identitätsspendendes Füllhorn einer gemeinsamen Zukunft zu preisen, und nun komplett innerhalb weniger Monate auf nationale Symbolisierungen umgerüstet hat, macht sprachlos', schrieben B., H. und S. in der noch im Vorjahr vom Verfassungsschutz überwachten Zeitschrift."

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