Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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1. Oktober 2019

 
Auf rasende Wut stoße derjenige, der sich der aktuellen Weltuntergangsstimmung verweigere, der sich von der allgemeinen Hysterie nicht anstecken lasse, der allen Unheilsprophezeiungen gegenüber skeptisch und obendrein sogar auf verstockte Weise heiter bleibe. Also schrieb einmal sinngemäß Johannes Gross.


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Acta-Leser wissen mehr, allerdings gegenstrebig zu den anscheinend erst durch die Lektüre belehrten Spiegel-Lesern nicht a posteriori, sondern sowieso. Das gestrige Kryptozitat von Heiko dem Unermesslichen veranlasste eine Reihe von Eckladenbesuchern, mir weitere zitierenswerte Aussprüche aus dem Munde des Todesengels der Revolution zu senden, neben dem bekannten, dem Gevatter Maas gewissermaßen auf den charaktervoll kleinen Leib geschneiderten "Un peuple n'a qu'un ennemi dangereux, c'est son gouvernement" ("Ein Volk hat nur einen gefährlichen Feind, seine Regierung") etwa noch das zugleich sexistische wie islamfeindliche und vor allem großartige Manneswort "Chez les peuples vraiment libres, les femmes sont libres et adorées" ("In einem freien Volk sind Frauen frei und werden angebetet"). Am bündigsten freilich kommentierte Leser ***: "Demokrat zitiert Demokraten." So what?


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"Rechtspopulisten sprechen Menschen an, die die Folgen des Klimaschutzes fürchten – das ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt", warnt kurz vor knapp der Tagesspiegel, dem wir jetzt die originelle Wortschöpfung "Braunwesten" verdanken. "Wenn die AfD, selbsternannte Alternative für Deutschland, immer noch nicht erkannt wäre als das, was sie ist – dann spätestens jetzt: Sie ist die für das demokratisch verfasste System gefährlichste Partei seit Jahrzehnten", kommentiert das selbsternannte Berliner Zentralorgan für gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Und die Gefahr geht nicht zurück, sondern schreitet fort. An der Spitze: Alexander Gauland als Geist des Ungeistes." Erst widersprach die AfD (mit Gauland als Geist des Ungeistes mittenmag) dem Euro-System, dann opponierte die AfD (mit Gauland als Geist des Ungeistes an der Tete) gegen "die humanitäre Geste der Kanzlerin und Vorsitzenden der früheren Partei Gaulands, der CDU, Flüchtlinge auf ihrem Weg nicht verrecken zu lassen, sondern im Land aufzunehmen" (wo sie ihrerseits für das Verrecken mancher Eingeborenen sorgten), und nun verweigert sich die AfD (mit Gauland als Geist des Ungeistes vorneweg) der deutschen Menschheitsaufgabe Weltklimarettung. Und die bindende Klammer der ungeistigen Trinität sei, dass er, Gauland, wie bereits der Verfassungsschutz in einem mit mehr als 400 Seiten viel zu lang geratenem Tagesspiegel-Artikel statuiert hat, "die Glaubwürdigkeit der parlamentarischen Demokratie 'bewusst delegitimiert'".

Ein großer, ein wichtiger Kommentar. Nur zwei Petitessen, Genossen, dann wäre er nahezu vollendet. Es muss, gerade im Hinblick auf kollektive Großprojekte wie Klimaziele, Dekarbonisierung und fortgesetztes "Wir schaffen das!", nicht Gesellschaft heißen, sondern Volksgemeinschaft. Klingt auch viel eindrucksvoller: Die AfD spaltet die Volksgemeinschaft. Sakra! Und bei der Delegitimierung überschätzen Sie den Gauland und unterschätzen zugleich die aktuellen hiesigen Atlanten und Karyatiden des Parlamentarismus; das schaffen die schon ganz allein.


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Noch zum Vorigen.

Zwei forsch voranpreschende Konsensvollstreckungsstreber schlagen eine Ergänzung des Strafgesetzbuches vor: "Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer den menschengemachten Klimawandel in einer Art, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung leugnet oder verharmlost."

Boykotthetze 2019. Da geht noch einiges.


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Während des Verfassens einer Rede zum 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnerte ich mich daran, dass bei uns daheim Westfernsehen tabu war (die Bundesliga ausgenommen), schließlich lauerten die Agenten des Klassenfeindes nur darauf, unschuldige Sozialistenkinderköpfe mit ihrer Propaganda zu infiltrieren. Noch im Sommer 1989 versicherte mir ein Bekannter, Ökonom, Offizier, Genosse, dass in jeder Sendung des Westfernsehens mehr oder weniger subtil versteckt die politische Manipulation mitliefe.

Ob der Mann damals schon recht hatte, vermag ich nicht zu beurteilen (die Monitor-Sendungen des Klaus Bednarz waren ja eher geeignet, ausreisewillige DDRler zur Umkehr zu bewegen), aber wenn ich mich versehentlich ins heutige Diversity-TV verirre, muss ich ihm durchaus prophetische Fähigkeiten attestieren.



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Klonos, κλόνος: heftige, verworrene Bewegung; Schlachtgetümmel; Verwirrung; Gewühl.
 
 
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"Sehr geehrter Herr Klonovsky, Sie lassen mich höchst dankenswerterweise teilhaben an der Weite Ihrer Gedankenwelt, Ihrem Vorsichhinsinnen, wie Sie schreiben. Dagegen verwundert mich die Enge Ihres (libidinös-pubertären) Frauenbildes. Mir wäre es lieber, ich kennte es nicht.
Beste Grüsse von Ihrer treuen Leserin

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