Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

10. Januar 2020


Bis vor kurzem veranstalteten Staaten Kriege, um von innenpolitischen Problemen abzulenken; heute mobilisieren die progressivsten von ihnen stattdessen die Massen zur Klimarettung, was auch schwächlichen Hippiestaaten eine Möglichkeit des inneren Druckabbaus eröffnet.


                                 ***


"Die Republik will in ihrem Herzen nur noch freie Menschen. Sie ist entschlossen, alle anderen zu vernichten."
Joseph Fouché, 1793



                                 ***


"Gerade weil das grundlegendste Merkmal der Ideen der Linken ist, dass sie nicht funktionieren, konzentrieren sich die Linken in Institutionen, in denen Ideen nicht funktionieren müssen, um zu überleben. Deshalb finden sich Linke überproportional in Berufen, in denen keine wirtschaftlich messbaren Resultate erzielt werden müssen."
Titus Gebel


                                 ***


Gestern begab ich mich in Berlin mit jenem Herren zu Tische, dessen sichtbare Gegenwart bereits dem Chef der hessischen Filmförderung zum Verhängnis wurde. Die Szene spielt im Ristorante "Cinque" in der Reinhardtstraße 27. Wir waren zu fünft, der AfD-Vorsitzende – er kam direkt von seiner Gerichtsverhandlung – brachte Anwalt und Personenschützer mit, überdies war Freund *** mit von der Partie. Da ich im "Cinque" seit zwei Jahren regelmäßig verkehre, bekamen wir den von mir bevorzugten Tisch, woselbst der Lunch diskret und gesittet über die Kleinkunstbühne ging. Beim Gehen trat der Geschäftsführer auf uns zu und erklärte, er habe diesmal noch aus Freundlichkeit eine Ausnahme gemacht, aber in Zukunft wünsche er keine Besuche mehr von Leuten wie uns. Er verwies auf einen angeblichen oder tatsächlichen New Yorker Gesellschafter, der Gäste wie Jörg Meuthen in seinem Lokal nicht dulde. Das hätte er doch gerne vor dem Trinkgeld erfahren, juxte Freund ***.  Die Frage, wie der edle Herr in Übersee denn so schnell erfahren habe, wer gerade in seinem Etablissement weile, blieb in der Eyle des Aufbruchs unerörtert. Ich habe in diesem Laden seit meiner temporären Verlegung in die DDR-Hauptstadt hunderte, ach was, tausende Euronen gelassen (einer der Kellner hatte mir übrigens, nachdem ich vor ca. anderthalb Jahren schon einmal mit Meuthen dort saß, zugeraunt: "Ich wähle Sie!"), aber in diesen Nazimentalitätsdurchsetzungsschuppen setze ich meine meist gutbeschuhten Füße nie wieder.

Man versteht immer mehr, wie geölt das weiland mit den Judenboykotten oder der Rassentrennung in den USA lief; es ist ja dieselbe Mentalität, dasselbe trendbefolgungsgeile Meutenbehagen beim Ausschließen, dasselbe restlos gute Gewissen beim Stigmatisieren, dasselbe lobesbegierige Petzerwesen.   
 

                                 ***


"Und dabei haben wir doch diesmal gar nicht so viele Hitlergrüße gezeigt!"
Freund ***, im Abgehen


                                 ***


Das meint zum Vorigen der Leser: "Vielleicht, sehr geehrter Herr Klonovsky, sollten Sie es mit diesen Nobelschuppen einfach lassen. Könnte ich mir locker leisten, aber allein die blasierten Dreitagebarthackfressen der überwiegend keiner wertschöpfenden Arbeit nachgehend dort Verkehrenden verleiden mir das. Speisen Sie dort, wo Sie willkommen sind, Sie werden es überleben."


                                 ***


"Diesmal brennt es anders", desinformiert die Zeit ihre Leserschaft über die australischen Buschbrände. Brillant und in gewohnter Sachlichkeit widerlegt Alexander Wendt den zielorientierten Alarmismus der Gesinnungspresse; das sollte man gelesen haben. 


                                 ***

 
"Soziale Spaltung: Berliner Eltern meiden Grundschulen im eigenen Kiez", meldet der Tagesspiegel. Der Terminus "sozial" trifft die Sache nicht zur Gänze, aber es weiß eh jeder, was gemeint ist. Beinahe jede zweite hauptstädtische Familie wollte anno 2019, dass ihr Kind in eine andere Schule eingeschult wird als die im Sprengel vorgesehene. Bereits "vor einigen Jahren hatte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration eine Studie in Auftrag gegeben, um die Gründe und die Auswirkungen der Flucht aus der Kiezschule zu erfassen", welche – Überraschung! – die (speziell unter Rechtspopulisten populäre) "Vermutung bestätigte, dass bildungsinteressierte Eltern die Schulwahl stark vom Migrantenanteil abhängig machen, weil sie befürchten, dass ihre Kinder an Schulen mit vielen sozial benachteiligten Zuwanderern weniger lernen".

Die Märchenstunde beginnt, sobald die Genossen Medienschaffenden den Laptop aufklappen. Wer es sich leisten oder es arrangieren kann, bringt sein Kind nicht auf eine Schule mit hohem Ausländeranteil, weil deutsche Kinder dort regelmäßig gemobbt werden, weil sie dort fremde Bräuche und Wertvorstellungen aufgenötigt bekommen, weil sie sich von muslimischen Mitschülern religiöse Propaganda anhören und dazu sicherheitshalber die Klappe halten müssen, weil dort kaum jemand mehr richtig deutsch – und keineswegs nur deutsch, sondern überhaupt richtig sprechen, geschweige schreiben – kann (Ostasiaten ausgenommen), und alles zusammen dazu führt, dass man nichts lernt. Das hat aber wenig mit "sozialer Benachteiligung" von Migranten zu tun, mit solchen Floskeln wollen linke Journalisten und Soziologen nur den normalen Eltern ein schlechtes Gewissen machen, also jenen, aus deren Steuermitteln die sozial Benachteiligten in der Regel finanziert werden. Ostasiaten bevölkern ab der zweiten Generation die Gymnasien und Universitäten, deswegen lässt 'schland möglichst wenige von ihnen und möglichst viele ungebildete junge Orientalen und Afrikaner einreisen, damit das Perpetuum mobile aus der Erzeugung von schlechtem Gewissen, Umverteilung, Erzeugung von noch mehr schlechtem Gewissen, noch mehr Umverteilung munter weiter läuft. Linke mögen keine Zuwanderer, die selber ihres Glückes Schmied sein wollen. Linke verlangt es nach Mündeln, in deren Namen sie sprechen, und Problembären, mit denen sie drohen können.

"Andere Eltern argumentieren damit, dass sie ihrem Kind eine Außenseiterrolle ersparen wollen, wenn die Kiezschule einen Anteil von 60 oder gar 90 Prozent Zuwanderern hat." Vor allem wollen sie ihren Kindern die Folgen der Außenseiterrolle ersparen. Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass deutsche Kinder in ihrem Kiez Außenseiter wurden? Fragen Sie besser nicht! Ihnen könnten sonst rechte Verschwörungstheorien unter der Wohnungstür durchgeschoben werden!

"Das Wahlverhalten der Eltern verschärft die soziale Entmischung allerdings noch weiter." Und das ist weder schlecht noch überraschend; an entsprechenden Prognosen hat es nicht gemangelt. Entmischung lautet die Devise der Zukunft. Das Attribut "sozial" trifft, wie gesagt, den Sachverhalt nicht zur Gänze. Multikulti ist gescheitert, wie unsere geliebte Kanzlerin anno 2010 vorausschauend mitteilte. Nun muss über den Rückbau nachgedacht werden, und der wird ohne Entmischung nicht zu haben sein.

"Allerdings gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr bildungsinteressierte Eltern, die versuchen, der Tendenz zur Entmischung zu begegnen: Sie suchen Gleichgesinnte, die gemeinsam mit ihnen ihre Kinder an Brennpunktschulen anmelden." Diese Kinder werden es ihren engagierten Mamis und Papis eines Tages unter Tränen danken. Die Maria-Ladenburger-Stiftung nominiert bald die Queen of social mixing und den Social king of Brennpunktschule. Alle Erstklässler aus Tagesspiegel-Redakteurshaushalten sind dabei. Ihr schafft das!

 

                                 ***

"Türkei will Schulen in Deutschland gründen", wird gemeldet. Demnächst auch Kasernen und Truppenübungsplätze?


                                 ***


Meine Bemerkung, dass man Menschen ihre Berufe gewissermaßen an der Nasenspitze ansehe, ist natur- und erwartungsgemäß auf Einspruch gestoßen.

Leser *** muss mir "zum ersten Male vehement widersprechen. Ich kenne Leute, träfe man sie auf der Straße, würde man sie in die Gruppe Müllfahrer (sehr wichtiger Beruf, den ich hochschätze) einordnen. Es sind aber Musiker der Dresdner Philharmonie. Ich kenne Prostituierte, die sehen aus, wie eine biedere hübsche Verkäuferin beim Bäcker nebenan. Umgekehrt ist mir allerdings noch kein Fall untergekommen bei dem ich gedacht hätte, ein Hilfsarbeiter sei Professor an der TU." Allerdings sähen "richtig fähige Professoren öfter mal wie Hilfsarbeiter aus".

"Mit Inbrunst" sogar widerspricht mir Leser ***, Facharzt für Chirurgie/Handchirurgie sowie für Plastische und Ästhetische Chirurgie; allerdings geht es hier zunächst um eine Begriffsklärung: "Es gibt keinen 'plastischen Chirurgen', sondern nur den Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Die plastische Chirurgie beschäftigt sich mit dem rekonstruktiven Aspekt (Verbrennungen, Defekte etc.), und das hat mit der ästhetischen Chirurgie nichts zu tun. (Mehr) Geld verdient wird in der Ästhetischen Chirurgie (vulgo: Schönheitschirurgie). 'Schönheitschirurg' darf sich übrigens in Deutschland jeder approbierte Arzt nennen. Diese Bezeichnung ist nicht gesetzlich geschützt. 'Ästhetische Chirurgie' per se ist nicht unseriös. Wo viel Geld zu verdienen ist, tummeln sich allerdings schwarze Schafe. Manche sehen in der Tat eine Nuance unseriöser aus als die weißen Schafe."


Als PS fügt *** hinzu: "Ich kenne seit Jahren eine hervorragende bulgarische Pianistin, die vom Sofioter Konzertsaal an die Bar eines Schweizer Hotels im Berner Oberland wechselte. Obwohl sie immer noch wunderbar Schubert spielt, sieht sie immer weniger aus, wie eine Konzertpianistin. Ihre Kunstfertigkeit ist jedoch trotz dieser Prostitution die gleiche. Also vergessen Sie die Allgemeingültigkeit Ihrer o.g. Theorie, mag sie auch auf Journalisten zutreffen."

Leser *** seinerseits kommentiert meine Bemerkung, ein plastischer Chirurg werde immer eine Nuance unseriöser aussehen als ein Herzchirurg, mit den Worten: "Als onkologischer Chirurg sage ich: Das stimmt! Deshalb wird ja so vehement gegen physiognomische Intelligenz ('Vorurteile!') gestritten!"

Die Reaktion (sic!) bleibt bei ihrer Darstellung. ;-)
 
Der verkehrten Reihe nach. Dass (viele) Pianistinnen inzwischen im Escortservice-Outfit auf der Bühne aufkreuzen, habe ich an dieser Stelle schon gewürdigt; aber diejenigen, die tatsächlich wie Huren wirken, können nicht wirklich gut spielen (und die beiden, die jetzt jedem sogleich einfallen, sehen eben – im Antlitz – nicht wie Huren aus). Professoren, die man für Penner halten könnte, mag es seit 1968ff. geben, es sind immer nur sogenannte Geisteswissenschaftler; aber ich sprach von der Physiognomie, nicht von der Kleidung, und einen Professor von einem Penner und einen Dresdner Orchestermusiker von einem Müllfahrer zu unterscheiden, wird auf diese Weise in 19 von 20 Fällen gelingen. Ein befreundeter Physikprofessor versicherte mir sogar, dass er in den öffentlichen Verkehrsmitteln jeden (ihm bis dato unbekannten) Studenten seiner Fachrichtung sofort erkenne, aber das mag ein Spezifikum sein; der BWLer ist nicht so leicht zu identifizieren.

Die These stammt übrigens gar nicht von mir, sondern von Egon Friedell; ich habe sie nur zugespitzt. Friedell schrieb, dass es Berufsgruppen gibt, in die zwielichtige und windige Naturen drängen, und solche, wo dies nie der Fall sei. Zu Letzteren rechnete er beispielweise Uhrmacher und Goldschmiede. Einem Gesicht, einem Habitus sieht man einfach an, welche Art von täglicher Tätigkeit es bzw. ihn geprägt hat; umgekehrt suchen bestimmte Eigenschaften nach bestimmten Jobs. Um die Intelligenz eines Gegenübers abzuschätzen, brauche ich zehn Sekunden. Ich räume allerdings ein, dass ich bei der Einschätzung von Frauen bisweilen erheblich danebenliege. 


                                 ***


Es ist nicht nur überaus selten, sondern im Gegenteil bislang unerhört, dass ein Satiriker sehr solide, wenn auch etwas maniriert sämtliche Beethoven-Sonaten spielt. Heute sei das Augenmerk auf das Engagement des fidelen Igor bei seinem satirische Feldzug gegen die populistischen Polowzer gelenkt, welches sich vorwiegend via twitter oder bei einem veritablen öffentlich-rechtlichen Kasperlestechen vollzieht bzw. -zog, nun aber um eine köstliche Selbstbeschreibung im Fragebogen des renommierten Freitag ergänzt wurde. Ich unterbreite einige alternative Verbesserungsvorschläge:

Was mögen Sie an Angela Merkel?
Ihren Mutterwitz. Ihre Kinderliebe. Ihr Deutsch. Ihre Fähigkeit, politische Positionen wie Hosenanzüge zu wechseln. Ihr Erzittern an der passenden Stelle. Ihr Stilbewusstsein.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?
"Aspekte des neuen Rechtsradikalismus" von Theodor W. Adorno. Die Parallelen zur Gegenwart haben mich zu sehr erschüttert.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?
Jede. Aber am meisten Claudia Roth.

Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?
Ich fahre ausschließlich Fahrrad.

Wann sind Sie zuletzt U-Bahn gefahren?
Gerade eben. U8 Berlin. Kottbusser Tor, Herrmannplatz, das sollte man alles zum Weltkulturerbe erklären. In der Berliner U-Bahn ist das Leben bunt und authentisch.

Zahlen Sie eigentlich gern GEZ-Gebühren?
Sehr gern. Aber wir sollten nicht Gebühren dazu sagen, weil das nach Zwang klingt. Es ist eine Demokratieabgabe. Wer nicht abgibt, tötet die Demokratie.

Welche Drogen sollten Ihrer Meinung nach legalisiert werden?
Marihuana und alles, was die Antifa nimmt.

Halten Sie es für möglich, dass die ganze Welt eine Fiktion ist?
Leider ist Donald Trump keine Fiktion, sondern Realität.

Darf man in Ihrem Schlafzimmer rauchen?
Eigentlich nicht, aber Shisha ja.

Wer oder was hätten Sie gerne sein mögen?
Eine Klimaretterin wie Greta Thunberg oder eine Flüchtlingsretterin wie Kapitänin Rackete. Auf jeden Falle eine Transsexuelle.

Ihr Leben wird verfilmt. Wer sollte Sie spielen?
Till Schweiger oder Daniela Vega. Geschlecht ist ohnehin nur ein Konstrukt.

Sollte das generische Maskulinum abgeschafft werden?

Ja. Von mir aus sollte jedes Maskulinum abgeschafft werden.

StudentInnen oder Studierende?
Studierende.

Haben Sie ein Zeitungsabo?
New York Times, Guardian, taz, Zeit, Neues Deutschland, Veganmagazin.

Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone?
Sehr wenige.

Und welche benutzen Sie am meisten?
Twitter, Deutsche Bahn, Grüne Jugend, Amadeus Antonius Stiftung.

Töten Sie Insekten?
Niemals. Mit dem Töten von Tieren fängt alles an.

Ihr Lieblingsvogel?
Der Bundesadler, wenn er endlich abgeschafft ist.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, in welches Jahrhundert würden Sie reisen?
Ins vergangene, aber nur, um Hitler zu töten.

Offene Grenzen sind …?
Notwendig. Ein Segen. Die Zukunft. No Borders!

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?
Nein. Aber mit den Populisten ist sie in die Politik eingezogen.

Sollte man Gehälter öffentlich machen?
Ja. Ohne Wenn und Aber.

Der Kommunismus ist …?
Eine Menschheitshoffnung.

Welchen Song würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
"Imagine" von John Lennon.

Toskana oder Krim?
Berlin-Neukölln.

Sushi oder Schnitzel?
Vegetarisches Sushi.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?
Keine.

Gehen Sie zu sorglos mit Ihren Daten im Netz um?
Nicht mehr.

Kaufen Sie bei Amazon?
Nie.

Ihre Lieblingsgewerkschaft?
Jede.

Sollte der Kapitalismus überwunden werden?
Ja.

Waren Sie schon mal auf einer Demonstration?
Ja, immer gegen die AfD.

Haben Sie Aktien?
Ja. Windkraft, Solarenergie, Halal-Fleisch.

Wo haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?
Zuhause in der Flüchtlingshilfe.

Welchen Rat würden Sie den neuen SPD-Parteivorsitzenden geben?
Hört auf euch der CDU anzubiedern. Beendet den Rechtsruck. Bekämpft die AfD bis aufs Messer. Das sind keine Menschen.

Haben Sie schon einmal einen Abend mit einem Flüchtling verbracht?
Ja. Viele. Sie schätzen mich als Juden.

Sind einige Ihrer besten Freunde Muslime?
Ja. Viele. Sie schätzen mich als Juden.

Wem würden Sie das Bundesverdienstkreuz geben?
Jan Böhmermann. Herbert Grönemeyer. Udo Lindenberg (oder hat er es schon?). Der Amadeus Antoius Stiftung. Dem Zentrum für politische Schönheit.

Ihr Lieblingsfilm?
Lindenstraße. Inglourious Basterds.

Jan Fleischhauer oder Margarete Stokowski?
Margarete Stokowski. Ferda Ataman. Sybille Berg.

Ihr(e) Lieblingsjournalist/-in?
Anja Reschke, Georg Restle, Heribert Prantl.

Kaufen Sie im Bio-Laden?
Immer. Mit dem Fahrrad.

Wo ist Ihr Zuhause?
Überall, wo die Gesellschaft weltoffen, bunt, vielfältig und klimaneutral ist.

Wie möchten Sie sterben?
Biologisch abbaubar und möglichst CO2-arm.

Nespresso oder Filterkaffee?
Grüner Tee.


                                 ***


Die Auslöschung des iranischen Generals Soleimani wird von der deutschen Presse einzig politisch bewertet, während es sich doch vor allem um ein technisches Statement handelt, welches lautet: Wir können jeden von euch zu jedem beliebigen Zeitpunkt an jedem Ort der Erde töten, ohne dafür die Pantoffeln auszuziehen. Mir erzählte vor einigen Jahren ein Geheimdienstler, dass al-Quaida praktisch nur noch aus Leuten bestehe, die in ihren Verstecken auf die Drohnen warten. Wir erleben einen totalen Wandel der Kriegsführung. Die westliche Seite wird bald nur noch mit Robotern in den Kampf ziehen (die Chinesen übrigens auch). Die Drohnen der Zukunft werden so klein wie Insekten sein, die DNA, das Gesichtsprofil und die Koordinaten ihrer Zielperson tragen und sie mit einem tödlichen Gift ausschalten. Wenn es sein muss, steigen hunderttausend davon auf einmal in die Luft. Postheroische Gesellschaften kämpfen so, sie bekommen zu wenige Kinder, haben also zu wenige Soldaten, deren Tod für Gott und Vaterland sie ihren Bürgern verkaufen können. Das ist einerseits die feigeste, andererseits die intelligenteste Art der Kriegsführung überhaupt, und für den Gegner extrem deprimierend. Was hilft es, Gott um Beistand anzurufen, wenn dich ein Automat verfolgt?

Natürlich wird der Terror bleiben, doch auch hier wird die KI Früherkennungs- und Präventionsmöglichkeiten liefern, von denen wir uns noch keine Vorstellungen machen. Das einzige Gegenmittel ist die Infiltration des Westens und seiner Sicherheitskräfte.