Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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20. März 2020


"Einer schrieb: 'Ich dachte, mit dir ein geistiges Duell zu führen. Aber ich sehe, du bist unbewaffnet.'"
(Chat-Fundstück von Botho Strauß, zitiert in "Der Fortführer")


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Ein recht aufschlussreiches Doppel- oder Parallelinterview ereignete sich und trug sich zu im Foyer des Bundestages vor einer Woche; ich stieß heute morgen auf den Mitschnitt und gestatte mir, das Gespräch zu referieren und ein wenig zu glossieren. Ein Phoenix-Reporter – also ein normaler öffentlich-rechtlicher Kanalarbeiter, kein Phönix unter den Reportern – befragte die Abgeordneten Roman Reusch (Schwefelpartei) und Helge Lindh (Schwundpartei) am Rande der Bundestagsdebatte über "Rechtsterrorismus und Hasskriminalität".

Aufschlussreich war das Gespräch allein insofern, als hier ein Mensch mit jahrzehntelanger themenrelevanter Berufspraxis auf einen reinen Parteifunktionär traf. Reusch, 66, arbeitete bis zu seiner Wahl in den Bundestag als leitender Oberstaatsanwalt in Berlin und wurde, wie die Zeitgeistschrottsammelstelle bereits in der Kopfleiste seines Eintrags mitteilt, als "Hardliner" bezeichnet (er thematisierte als einer der ersten Juristen den exorbitant hohen Anteil von Migranten bei der Jugendgewalt). Lindh, 43, auch hier folge ich der Sammelstelle, studierte "Angewandte Kulturwissenschaften" und danach Soziologie, Germanistik und Geschichte; es folgte ein Studium der Neueren Deutschen Philologie, Germanistischen Sprachwissenschaft, Neueren und Neuesten Geschichte einschließlich Landesgeschichte und Soziologie – wir haben es entweder mit einem veritablen Neueren und Neuesten Polyhistor zu tun oder mit jemandem, der vieles, aber nichts richtig studiert hat (inwieweit das Germanistikstudium seine Sprachfähigkeit veredelte, wird in dem Interview recht deutlich). Nach dem Studium begann Lindh seine Parteikarriere, außerhalb des Politikbetriebs gearbeitet hat er nie. Soviel vorab.

Das Gespräch beginnt mit der Frage, ob die Herren persönlich von verbalen oder körperlichen Angriffen auf Mandatsträger betroffen seien, von denen derzeit viel die Rede sei. Als erster ist der Sozi an der Reihe. Er berichtet von Drohungen, Hassbriefen und Beschimpfungen ("Ausgeburt von Inzest"). Wie er darauf reagiere? Es sei für ihn ein "Ansporn, gegen Demokratiefeindlichkeit und Rassismus anzugehen", versetzt Lindh. Er ist also offenkundig der Ansicht, ihn zu beschimpfen sei rassistisch, woraus eine künstlichere Intelligenz als meine folgern würde, dass er von Schwarzen, Chinesen oder Indianern gezaust wird. Aber natürlich hat er nur brav seine verbalen Platzpatronen abgefeuert. (Dass er in der Aufzählung den Antisemitismus vergessen hat, kann der Eyle geschuldet sein oder mit einer von den Sozis neuerdings heftig umworbenen Klientel zusammenhängen, die das traditionelle SPD-Wählermilieu mählich ersetzen soll.)

Nun also Kamera auf Reusch. Wird er etwa auch angefeindet? "Selbstverständlich", lautet die Antwort. Bereits als Staatsanwalt sei er häufig bedroht worden, "und zwar von Leuten, die man ernst nehmen muss". Diesen feinen Unterschied übergehen wir mal rasch, damit unser sozialdemokratisches Sensibelchen keinen Anspornsverlust erleidet. Angefeindet und bisweilen auch bedroht zu werden, gehört heutzutage ja für jeden viertelwegs Exponierten zum Alltag, aber Hunde, die bellen, beißen bekanntlich selten bis nie. Sogar im Kleinen Eckladen gehen gelegentlich Hassbotschaften ein, sie werden gelesen, korrigiert, meistens befürwortet und schließlich sorgfältig gelöscht. (Wer sich ein Bild davon machen will, wie elanvoll unsereins bereits in Friedenszeiten, also vor der großen Flut, beschimpft wurde, kann hier einige vergnügliche Reaktionen aus der weiland schwulen Szene auf einen Focus-Kommentar lesen.) Das ist alles eher belanglos und im Honorar mitenthalten. Den Rubikon oder die rote Linie markiert der nichtverbale Angriff. Und da kann Reusch mit Gründen darauf hinweisen, dass sich die Mehrzahl aller handfesten Attacken gegen AfD-Politiker richtet. Wie Nikolaus Fest unlängst konstatierte: Es werden nicht die Häuser von linken Politikern angegriffen, nicht die Autos von Linken "abgefackelt", nicht Gastwirte bedroht, die Linke bei sich tagen lassen. Dergleichen Angriffe richten sich immer gegen AfD-Mitglieder oder -Sympathisanten.

Dazu sagt Lindh kein Wort. Er nimmt im gesamten Gespräch keinerlei Bezug darauf. Weil er es nicht wahrhaben will – oder weil er es im sogenannten Tiefsten seines Inneren irgendwie okay findet? Jedenfalls wird im Weltbild solcher Leute jeder Angriff auf einen AfDler mit einem "Selber schuld" etikettiert und abgetan. Für sie gibt es nur Rechtsextremisten, die strafverfolgt werden müssen und deren "politischer Arm" (so Lindhs Genosse Michael Roth, Bundestagsabgeordneter und Staatsminister für Europa) bis in die Parlamente reicht.

Der Interviewer mag ebenfalls nicht recht glauben, dass auch Reusch böse Post oder Schlimmeres von den eigentlich Guten bekommt. Sei er wirklich bedroht? Oh ja, das LKA sei gerade vor kurzem wieder mit einer einer "Gefährdetenansprache" bei ihm vorstellig geworden. Solche Ansprachen richten sich, wie der Name andeutet, an Gefährdete.

Der Interviewer verlangt sodann nach einer Erklärung, woher diese neue Aggressivität in der Gesellschaft rühre. Es naht der große Moment des sogen. Geisteswissenschaftlers: Das sei, führt Lindh aus, ein "Ergebnis aus ganz vielen Debatten: Islamdebatte, Debatte über Flüchtlinge", beispielsweise der "Verhetzung", die sein Parteigenosse Thilo Sarrazin im Lande angerichtet habe. Und alles werde verstärkt durch "die Plattformen", die im Netz den "Hass antreiben". Debatten und Plattformen scheinen für den Sozi ein Problem zu sein.

Halten wir hier einen Moment inne. Diese Leute – ich spreche in der Mehrzahl, weil die Lindhs ausschließlich im Plural existieren, einzeln sind sie nichts –, diese Leute meinen oder fingieren es zumindest, dass "Hass" und "Hetze" ihre Ursachen gewissermaßen in sich selbst haben, jedenfalls nicht in der Realität und schon gar nicht im Handeln der "Altparteien" (wie Claudi Roth sie liebevoll nannte, bevor ihr eigener Verein selber eine wurde), und dass man die schlimmen Rechtspopulisten nur aus den Foren und Parlamenten vertreiben müsse, damit der behagliche Burgfrieden der Bundesrepublik der 1990er Jahre zurückkehre.  

"Das sind aber nur Medien, die das transportieren", wendet der Interviewer weise ein, verfolgt den Gedanken aber nicht weiter, sondern will von Reusch wissen, wie er denn die Attacken außerhalb des Netzes erkläre, zum Beispiel die Angriffe auf Rettungskräfte.

Nach seiner beruflichen Kenntnis sei dafür eine Klientel verantwortlich, "die nicht in erster Linie Müller, Meier, Schulze heißt", versichert der Strafverfolger mit der empirisch fundierten Tollkühnheit eines Beamten, der seine Karriere hinter sich weiß. Das habe vor etwa 15 Jahren begonnen; Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Polizeibeamte würden in bestimmten Gegenden als Repräsentanten des Staates betrachtet,und in ihnen werde quasi jener Staat angegriffen, den man ablehne.

Jetzt wird es wohl höchste Zeit für den Wechsel vom allgemeinen zum persönlichen Rassismusvorwurf, aber Lindh hat entweder nichts geschnallt oder er tut so, jedenfalls erklärt er, Reuschs Gruppenbeschreibung sei "kryptisch", es ginge ihm wohl um "linke Kräfte, die staatsfeindlich sind", er aber, Lindh, lasse sich "nicht auf das Spiel ein, links mit rechts zu verrechnen, weil jede Form von Angriffen auf den Staat inakzeptabel ist". Will er deshalb über die Angriffe von links so wenig sprechen will wie über die Attacken derjenigen, die noch nicht so lange hier leben? Na was denn sonst! Stracks verlässt der Rote den wankenden Grund der empirischen Realität, um auf die Parlamentsreden der AfD als "Grund der Enthemmung" zu insistieren, wie ja auch der Seismograf am Erdbeben nicht ganz unbeteiligt und wahrscheinlich sogar mitschuldig ist. Erwähnte ich, dass der Bub "Angewandte Kulturwissenschaften" studierte, bevor er sich kühn einer noch härteren Wissenschaft namens Soziologie zukehrte?

Reusch entgegnet in seiner kontruktivismusallergischen Einfalt, dass es zum Geschäft gehöre, "den  politischen Gegner so schwarz wie möglich anzumalen" (Blackfacing!), weshalb er nachdrücklich empfehle, "sich unserer Reden anzuhören"; dann könne jeder selber entscheiden, ob es sich um Hetze handele. Im Übrigen sei das ein "alter stalinistischer Kampfbegriff", der im Artikel 6, Absatz 2 der DDR-Verfassung von 1949 niedergelegt wurde (als "Boykotthetze"). Reusch räumt ein, dass seine Partei durchaus "mit Leuten zu kämpfen" habe, "denen es gelungen ist, in der AfD unterzukommen", obwohl sie mit ihren Ansichten dort nicht hingehörten; man sei dabei, diese Leute rauszuschmeißen, aber "das dauert eben, weil es rechtsstaatlich zugeht". Gerade ereilte der Parteiausschluss den Abgeordneten W. Gedeon aus Stuttgart, aber Lindh und Genossen werden wohl nicht eher ruhen, als bis das letzte Mitglied aus der AfD ausgeschlossen worden ist.

Dem Phoenix-Journalisten fällt nun selbstverständlich die übelste Hetze der letzten Wochen ein; er erinnert daran, dass die rechte Opposition wahlweise als "Gesindel" (Merz), "giftiger Abschaum" (Wanderwitz) oder "Krebsgeschwür" (Brok) verunglimpft wurde... – ich scherze. Was ihm tatsächlich einfällt, ist Alice Weidels Rede von "Kopftuchmädchen, alimentierten Messermännern und sonstigen Taugenichtsen". Damit sei ja wohl auch die Parteispitze des verbalen Hooliganismus überführt.

"Ein von Steuergeldern alimentierter Messermann ist aus meiner Sicht tatsächlich ein Taugenichts", versetzt Reusch ungerührt. Werde damit nicht die gesamte Gruppe der Einwanderer diskriminiert?, hält der Frager dagegen. Nein, lautet die Antwort, natürlich nicht, aber man könne ohnehin "nicht so sorgfältig formulieren, dass einem das Wort nicht im Mund umgedreht werde".

Der Sozi war lange nicht an der Reihe und kommt jetzt endlich wieder dran. Das sei ja wohl "der Gipfel des Zynismus und der Verhöhnung", schnalzt er zynismusgipfelkennerisch mit der Zunge, sowohl in solchen Reden als auch in ihrem Antrag zur Grenzsicherung plaziere die AfD "bewusst bestimmte Topoi, die Bilder erzeugen, und diese Bilder sind blank rassistisch". Na endlich! Nicht nur vom Propheten Mohammed sollst du dir kein Bild machen, auch vom Messermann nicht! Wer diesen Rassismus nicht erkenne, so unser sozialdemokratischer Diederich Heßling, "der ist nicht mit der Fähigkeit der Auffassungsgabe gesegnet". So wie er selber obendrein noch mit der Fähigkeit der Gabe der eleganten Formulierung! Ein paar geniale Auffassungen später widerspricht Lindh seinem Kontrahenten nicht nur überhaupt, sondern "aus voller Überzeugung und Souveränität". Unser vielfach Studierter hat ersichtlich kaum Schwierigkeiten, sich sogar jenseits der Rassismus-Leuchtstreifen mit beinahe merkelscher Eleganz durch das semantische Minenfeld der Sprache zu bewegen.

Bis zum letzten Satz tangiert den Sozi der Unterschied zwischen Worten und Taten nicht, er redet von Strafen für "Drohungen", also für Internet-Einträge oder Hassmails, weil er genau weiß, dass Strafen für Taten plötzlich die eigenen Anti- oder Neofa-Bodentruppen ins Spiel brächten. Gut spätsozialdemokratisch ist auch seine Entgegnung auf eine vom Interviewer zitierte Kritik des Deutschen Anwaltsvereins, der neue Gesetzesentwurf der Regierung zur Verfolgung von Hasskriminalität laufe auf 150.000 zusätzliche Verfahren im Jahr hinaus, dafür bräuchte man erheblich mehr Personal: "Es kann ja nicht sein, den Grund, dass wir nicht genug Personal haben, dafür zu nehmen, es nicht zu tun" (also das Gesetz nicht durchzudrücken). "Wir können ja nicht sagen, weil wir Personalmangel in den Ländern haben, bekämpfen wir nicht den Rechtsextremismus." Das ist linke Weltsicht par excellence: Ob die Voraussetzungen existieren, interessiert nicht, die Ideologie muss durchgesetzt werden. Und es geht selbstredend ausschließlich gegen rechts. Angriffe auf die AfD sind letztlich legitim.


Drei Scholien dazu. Erstens: "Rassist" ist eine weit üblere, weil ehrabschneidende, stigmatisierende und letztlich zur sozialen Ächtung führende Beleidigung als, sagen wir, "Drecksfotze" (wie Frau Künast beschimpft wurde). Hier ein Beispiel dafür: Ein AfD-MdB, Lehrer, erzählt, was er an der Schule erlebt hat, und wird von Grünen dafür als "Rassist" geschmäht. Womit, nebenbei, das Hauptmotiv für die Verwendung des Schreckwortes erklärt wäre: Es geht darum, die Erwähnung unerwünschter Realitäten zu bekämpfen. (Dass tatsächlicher Rassismus empörend ist, war unter Zivilisierten immer ausgemachte Sache; dazu bedarf es keiner Grünen.)

Zweitens: Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität hat 84 Verfahren wegen sympathisierender Äußerungen für die Amoktat von Hanau eingeleitet. Die meisten Verfahren werden wegen Billigung einer Straftat geführt. Nur von der echten Tat und dem wirklichen Täter liest und hört man nichts mehr. Gibt es denn kein endgültiges Ermittlungsergebnis? War der Täter am Ende so irre, dass eine Entschuldigung der anderen Parteien bei der AfD fällig würde?

Drittens: Die große Stunde der Lindhs wird erst noch kommen, lange nach der Coronakrise, wenn der Euroraum implodiert ist, die deutsche Industrie am Boden liegt, die Energieversorgung im Modus Russisches Roulette läuft, die Arbeitslosigkeit die 20 Prozent erreicht und kaum mehr Mittel vorhanden sind, um die Migranten im Lande ruhig zu halten; dann wird das feine begriffliche, heuristische und logistische Instrumentarium der Neueren und Neuesten Soziologen, Genderkundler und Quotenfrauen gefragt sein, "und ich freu mich drauf" (KGE).


(Das gesamte flotte Dreiergespräch zum Nachhören hier.)


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Leser *** schreibt: "Eigentlich passiert jetzt nur das schlagartig, was der deutsche Staat seit Jahren schleichend betreibt. Deshalb ist auch fraglich, ob ein Staat, der die letzten Jahre, obwohl er über die Gefahren einer möglichen Pandemie informiert war, anstatt entsprechende finanzielle Reserven für den Katastrophenfall anzulegen und Schutzanzüge und Atemmasken zu bevorraten, die Wirtschaft maximal abgemolken und bürokratisiert hat und den größten Anteil der Steuergelder ideologisch getriggert, durch Energiewende, Migration, Gender Mainstreaming, Klimahysterie und Schattenboxen gegen rechts etc. veruntreut hat, zu diesem frühzeitigen, gezielten Eingreifen finanziell und organisatorisch überhaupt in der Lage gewesen wäre. Als Faustformel kann für Deutschland seit 2015 gelten, daß hierzulande alles, was der Staat entscheidet und von den Medien bejubelt wird, garantiert nicht der Logik eines gesunden Menschenverstandes entspricht, sondern ideologiebesessen und irrational ist. Und das wird auch das Problem nach Corona sein, denn während die Wirtschaft größtenteils zugrunde geht, wird der Staat mit seinen Macht- und Propagandastrukturen und seinem Beamtenapparat überleben. Und das wird garantiert jedes Wirtschaftswunder, wie es anderenfalls denkbar wäre, bereits im Keime ersticken. Die Hauptursache des Wirtschaftswunders nach dem Kriege war m.E. nämlich das Darniederliegen staatlicher Strukturen. In dem Maße, wie sich in den folgenden Jahren der Staat erholte, gingen Produktivität und Wohlstand zurück, auch wenn das Leben aufgrund der technischen Errungenschaften noch eine Weile leichter wurde. Insofern sind die Zukunftsaussichten alles andere als rosig."


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Vor kurzem lief die Meldung über den Ticker, dass "namhafte Autoren des Rowohlt-Verlages" das Haus in einem Offenen Brief aufgefordert haben, "auf die Veröffentlichung der umstrittenen Memoiren des Hollywood-Regisseurs Woody Allen zu verzichten".

Unter den unumstrittenen Namhaften befinden sich "Sascha Lobo, Kathrin Passig, Margarete Stokowski, Giulia Becker, Kirsten Fuchs, Till Raether und Sven Stricker"; ich kann aufatmen, zwei davon kenne ich, und ich weiß, dass sie sich ihren Namen vor allem als Denunzianten gemacht haben.

"Das Buch eines Mannes, der sich nie überzeugend mit den Vorwürfen seiner Tochter auseinandergesetzt hat, und der öffentliche Auseinandersetzungen über sexuelle Gewalt als Hexenjagd heruntergespielt hat, sollte keinen Platz in einem Verlag haben, für den wir gerne und mit großem Engagement schreiben", hieß es in dem Schreiben weiter. Die Unterzeichner wollten das Buch nicht grundsätzlich verhindern. "Woody Allen mangelt es nicht an Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Aber der Rowohlt Verlag muss ihn darin nicht unterstützen."

Mit anderen Worten: Die gerne und mit großem Engagement Schreibenden haben, wie alle Welt auch, keinen Schimmer, ob etwas an den Vorwürfen stimmt, aber sie wollen die Chance nutzen, sich wichtig zu machen und die Tugendhelden zu spielen, weil das gerade en vogue ist. Wie beispielsweise auch im Falle Placido Domingos, der nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung, die bis zu drei Jahrzehnte zurücklagen, als Chef der Los Angeles Opera zurücktrat und inzwischen nirgendwo mehr auftreten kann. Wer sich erinnert, wie der Tenor vor 30 Jahren aussah und welches standing er in seiner Branche genoss, kann sich leicht ausmalen, wie oft umgekehrt er belästigt wurde.

Was Allen betrifft, hat sich schon vor zwei Jahren sein Sohn Moses Farrow zu den Anschuldigungen geäußert und unter anderem geschrieben:

"To those who have become convinced of my father’s guilt, I ask you to consider this: In this time of #MeToo, when so many movie heavyweights have faced dozens of accusations, my father has been accused of wrongdoing only once, by an enraged ex-partner during contentious custody negotiations. During almost 60 years in the public eye, not one other person has come forward to accuse him of even behaving badly on a date, or acting inappropriately in any professional situation, let alone molesting a child. As a trained professional, I know that child molestation is a compulsive sickness and deviation that demands repetition. Dylan was alone with Woody in his apartment countless times over the years without a hint of impropriety, yet some would have you believe that at the age of 56, he suddenly decided to become a child molester in a house full of hostile people ordered to watch him like a hawk."

During almost 60 years not one other person. Bei Domingo waren es immerhin ein Dutzend Frauen, denen schlagartig und kollektiv die Erinnerung aufschien.



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