Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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4. April 2020


"Der deutsche Dreiklang lautet: Blockwart, Parteisekretär, Beauftragte."
(Leser ***)



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"Die Nachrichten aus Ungarn sind natürlich besorgniserregend. Kann der Regierungschef jetzt auch Wahlen rückgängig machen?", fragt Alexander Wendt auf seiner Facebookseite, und Leser *** hört "Erschütterndes" von Bekannten dortselbst:

"In der Stadt Éryfúrty soll auf persönliche Anordnung von Diktator Orbán ein demokratisches Wahlergebnis rückgängig gemacht worden sein, das er anlässlich einer Reise nach Nordkorea als 'unverzeihlich' bezeichnet hatte. Die Stadt Ámbúrgö verweigert einer Oppositionspartei das ihr zustehende Recht auf einen Parlamentsvizepräsidenten, wie dies Diktator Orbán auch in Budapest praktiziert.

Schon seit 2015 soll Diktator Orbán unter Missachtung der ungarischen Verfassung und des Parlaments zwei Millionen unberechtigte Migranten nach Ungarn eingelassen haben. Darauf angesprochen, teilte er seinen Staatsmedien mit, er habe 'nur ein freundliches Gesicht zeigen wollen', und wenn er das nicht einmal mehr dürfe, dann wäre 'Ungarn nicht mehr sein Land'! 

Vertreter der größten ungarischen Oppositionspartei werden privat drangsaliert, Regierungsmitglieder rufen unverhohlen dazu auf, diese 'mit allen Mitteln zu bekämpfen', ihre Kinder werden aus Kindergärten ausgeschlossen, Autos von Oppositionellen werden angezündet, und eine regionale Regierungspartei, die schon mit dem Unrechtsregime Erich Honeckers bestens befreundet war, rief just dazu auf, 'Reiche zu erschießen oder in Arbeitslager zu stecken'.

Ich kann die Behauptungen meiner Bekannten nicht überprüfen, aber sollten sie stimmen, so wäre Ungarn ein undemokratischer Drecksstaat, der aus der EU ausgeschlossen gehört, Orbán ein Verbrecher, der vor Gericht gehört, seine Staatsmedien Speichellecker ohne Ehrgefühl und seine Parteigenossen gewissenlose Kollaborateure!"

In den Staub damit!


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Apropos: Das Frankfurter Neue Deutschland teilt mit:

Darmflora1
 
"Es stimmt schon: In der Krise zeigt sich der Charakter", hebt Herausgeber Kohler salbungsvoll an, um sofort zur Selbstkritik überzugehen: "Was sind das nur für Gesellen, die Klopapier zu Wucherpreisen verticken?"

Wenn Sie das wirklich wissen wollen, geneigte Leserin, gugeln Sie einfach unter "Kohler" oder "Kaube", aber erhoffen Sie nicht zu viel.

"Wer auch noch die Gleichnisse Jesu über das verlorene Schaf und die verlorene Drachme kennt, wird ermessen können, wie groß erst unsere Freude über die Rückkehr des verlorenen Abonnenten Ruprecht Polenz ist. Er hatte vor zwei Jahren öffentlich sein Jahrzehnte währendes Abonnement gekündigt, weil diese Zeitung in der Rubrik 'Fremde Federn' einen Text des AfD-Fraktionsvorsitzenden Gauland abgedruckt hatte. Nun aber ist der ehemalige CDU-Generalsekretär wieder da, wie er abermals öffentlich erklärte, weil wir inzwischen gegenüber der AfD 'eine kritischere Haltung' hätten und er, Polenz, 'in diesen schweren Zeiten Qualitätsjournalismus unterstützen' wolle. Bravo, können wir da nur rufen! Wir sind in diesen schweren Zeiten für jedes Abo dankbar."

Aber nur, bis die Versorgungsengpässe für sogar unbenutztes Toilettenpapier wieder geschlossen sind!


PS: Nicht dass der Herausgeber böse wird, weil sich ein anderes Zäpfchen vordrängelt, Frauenqoute hin oder her:

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Wer einen kleinen Blick in Galadriels Zukunftsspiegel werfen möchte: "Frankreich: Corona-Gesetze gelten nicht in Migrantenvierteln." (Das Wort "Corona" hätten sie freilich auch weglassen können.)



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"Wie dumm sie auch sein mag, eine Theorie, die auf den Index gesetzt wurde, ist für immer vor der Lächerlichkeit gerettet."
Cioran


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"Gestern: Kein Kölsch für Nazis!
Heute: Kneipensterben von seiner schönsten Seite!"

(Netzfund)


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Eben trafen die beiden neuesten Bände der Werkausgabe von Rolf Peter Sieferle bei mir ein, die im Manuscriptum-Verlag erscheint ("Es gibt sie noch, die bösen Bücher"), wo auch der Betreiber des kleinen Eckladens, nachdem er in ca. einem Dutzend deutschen bzw. deutschsprachigen Mainstream-Verlagen publizierte, ein spätes Exil fand. Und findet – Band sechs der Acta geht demnächst in den Druck. Zu den neu aufgelegten Werken des vielleicht letzten deutschen Universalhistorikers gehören die "Fortschrittsfeinde", das einzige Buch von Sieferle, das ich vor seinem Freitod (und dem jenem vorausgegangenen Brief an mich) gelesen hatte. Inzwischen lese ich alles von ihm. Sein Opus "Epochenwechsel" prophezeite Mitte der 1990er mit bestürzender Hellsichtigkeit die Konfliktlinien, welche unsere heutige Welt spalten und auch künftig spalten werden; das postum erschienene "Migrationsproblem" beschreibt die Folgen des bis heute nicht korrigierten deutschen Migrationssonderwegs so luzide und trotz seiner Bündigkeit umfassend wie kein zweiter Text zum Thema.

Auf der Manuscriptum-Webseite gibt es ein Interview mit dem Verleger Thomas Hoof, Ur-Grüner, Gründer der "Manufactum"-Kette und inzwischen wie manch anderer Zurechnungsfähige im heiteren Hyperboräum* der Reaktion angekommen, aus dem ich zwei Passagen zitieren möchte:

"Es ist klar, daß die 68er funktionell nur die Abräumer kultureller Barrieren und Grenzsteine gegen die folgende hedonistisch-industrialistische Expansion waren. Aber man sollte nicht unterschätzen, daß der politische Kern in Teilen hochaufgeladen war mit einem heftigen antimperialistischen Affekt, in dem man durchaus auch einen Nachklang der Ideen von 1914 sehen kann. Insofern kann man die später massenhaft in den Kissen des Establishments versunkenen 68er für die eigentlichen Konvertiten halten und nicht die Maschkes, Böckelmanns, Rabehls, Sieferles u.a."


"Wenn Europa zum Invasionsziel für den männlichen Teil der afrikanischen Überbevölkerung wird, dann gibt es zwei abzuwägende politische Optionen: a) reaktiv: Europa mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln an den Außengrenzen der EU oder an den Außengrenzen abwehrwilliger Staaten zu verteidigen, oder b) proaktiv: Afrika – was ja schon auch von afrikanischen Intellektuellen gefordert wird – zu rekolonialisieren und für den Fall, daß Europa dazu zu schwach sein sollte, sich der Hilfe der Chinesen zu versichern."


* Nein, nicht "Hyperborea", geehrter Herr ***; dafür sind wir zu wenige – –