Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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4. Mai 2020


"Iconic turn" (nach Hubert Burda):

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(Ich danke Leser *** für die Zusendung.)


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Eine "neue Redewendung für das Nicht-recht bei-Verstand-sein" bringt Leser *** in Vorschlag: "Bist Du noch ganz bei Drosten?"


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"Gemeinsam gegen..." heißt die Lätzchenaufschrift des Wichtes.


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Das Coronavirus und das Abo des Sohnes machen es möglich: Ich habe mich an den vergangenen Abenden bis weit in die Nacht in zwei Netflix-Serien vertieft, genauer zwei Erste Staffeln jener Serien: "Kalifat" (Schweden 2020) und "Fauda" (Israel 2015 ff.). Beides sind eher Low-budget-Produktionen, in beiden agieren Schauspieler, die man nicht unbedingt kennt, und zwar tun sie dies exzellent. Überhaupt ist die Qualität verblüffend – ich würde mir sonst ja nicht die Nächte vorm Bildschirm um die Ohren schlagen –, keineswegs nur verglichen mit den trost-, humor- und geistlosen Produktionen aus heimischem Anbau, sondern auch im Vergleich mit Serien aus dem Mutterland des Genres, den USA. Die Drehbücher sind stimmig und glaubhaft, die Figuren prägen sich ein, alles ist professionell gemacht – und ungeheuer spannend. Zur Professionalität gehört, dass die Serien in mehreren Sprachen synchronisiert wurden.

Sowohl "Kalifat" als auch "Fauda" handeln vom islamischen Terrorismus. Es stehen sich auf der einen Seite Djihadisten und ihr Unterstützerumfeld, auf der anderen schwedische Terrorfahnder bzw. eine israelische Spezialeinheit gegenüber. "Kalifat" spielt im syrischen Raqqa, wo der IS herrscht, sowie in Schweden, wo die Radikalen einen großen Anschlag planen und unter den Moslems Kombattanten rekrutieren. Während eine junge schwedische Muslima, die an der Seite eines Gotteskriegers nach Raqqa gezogen ist, verzweifelt nach einem Rückweg für sich und ihr Baby sucht und dabei an eine schwedische Geheimagentin gerät, die ihr Fluchthilfe im Tausch gegen Informationen über den geplanten Anschlag anbietet, radikalisieren sich im europäischen Norden zwei Glaubensschwestern, Töchter eines assimilierten Moslems, und büchsen nach Syrien aus. Hier kreuzen sich die Handlungsstränge...

"Fauda" – das Wort bezeichnet eine Sitution, die außer Kontrolle geraten ist – spielt vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Konflikts; man kann auch sagen: Der Film handelt ausschließlich davon. Eine Mista’aravim-Spezialeinheit macht in Ramallah undercover Jagd auf den Hamas-Terroristen Abu Ahmed, genannt "Der Panther", der seinen Verfolgern immer wieder durch die Lappen geht. Popcornkino ist das wahrlich nicht, in "Fauda" wird geschossen, gebomt, gefoltert und vor allem: gestorben. In Israel wurde die Serie mehrfach preisgekrönt, und es war ein israelischer Freund, der sie empfohlen hat.

Bei solchen Formaten ist die Kritik schnell mit dem Vorwurf der holzschnittartigen Darstellung zur Stelle, aber ich halte die Vorstellung nicht für abwegig, dass es im Kalifat des IS tatsächlich ziemlich holzschnittartig zuging, dass dort durchaus unsubtile und grobschlächtige Charaktere Städte besetzten und Kehlen durchschnitten. (Man stelle sich einmal vor – ich will mit diesem Vergleich keineswegs den IS-Kämpen zu nahe treten –, ein Regisseur drehte einen halbwegs realistischen Film über die Grüne Jugend; man würde ihm gewiss vorwerfen, er zeichne ein holzschnittartiges Bild dieser knuffigsten aller Hoffnungsträger.)

Was nun wiederum "Fauda" angeht, so ginge der Vorwurf ohnehin fehl – wie auch jener, der Film sei "nicht nur dumm und verlogen", sondern obendrein "anti-palästinensische Hetze", wie vor kurzem Haarez urteilte, quasi die israelische Süddeutsche (es war nicht der erste Verriss, der aus diesem dortzulande freilich mehrheitlich belächelten Journaillotop kam). "Fauda" ist vorwiegend aus der Perspektive der Spezialeinheit erzählt, doch die arabische Sphäre erhält ebenfalls ihren Raum. Auf beiden Seiten agieren starke, plausible Figuren, deren Motive erzählt, aber niemals denunziert werden, und die Dynamik der wechselseitigen Vergeltungen treibt von der ersten Folge an die Handlung in die jeweils nächste Katastrophe. Ich habe jedenfalls – in der ersten Staffel, mehr kann ich nicht beurteilen – nichts Anti-Palästinensisches gefunden, schon gar keine Hetze, aber womöglich bin ich nicht empfindsam und kultursensibel genug.

Was mir an der Serie besonders gefällt, sind, wie gesagt, die handelnden Figuren: keine Letzten Menschen, keine Fatzkes, keine Tussen, auch keine amerikanischen Superhelden, sondern durchweg Charaktere, Leute, deren Motive man versteht und mit denen man etwas anfangen kann; das gilt auch für die Araber (etwa die Frau des "Panthers" oder dessen jungen Adlaten). Der Darsteller des Agenten Doron, der eigentlichen Hauptfigur, diente übrigens tatsächlich in einer israelischen Spezialeinheit und arbeitete, bevor er Mime wurde, in den USA als Bodyguard, unter anderem für Arnold Schwarzenegger. Der Ton, der in dieser Truppe herrscht, auch den Vorgesetzten gegenüber, wäre wohl in keinem anderen Land der Welt denkbar und bringt einen gewissen Humor in diese ansonsten düstere Welt.

Und apropos düster: So sehen die beiden Hauptdarstellerinnen – sie spielen eine israelische Agentin und eine arabische Ärztin – aus:


NuritShirin

Wie gesagt, an dieser Serie stimmt so ziemlich alles.


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Irgendwie zum Vorigen.

Vor drei Tagen verlinkte ich auf Alexander Wendts famose Betrachtung zum ZDF-Vierteiler "Deutscher", dessen volkspädagogische Verklemmtheit und tiefenvergaunerte Heuchelei im Vergleich zu den eben genannten Serien besonders zur Geltung kommt.

Leser *** scherzt, es gebe bereits das Drehbuch für die zweite Staffel, in welches er habe Einsicht nehmen können; dort "werden weitere Personen eingeführt, die Schröter-Naumanns, die, in einem grünen Haus, links neben dem roten Haus wohnen. Malte-Torben Schröter fährt einen BWM X6 und fängt in der ersten Folge seinen neuen Job an. Er ist jetzt Erntehelfer bei der Spargelernte. Seine Anstellung bei einer Stiftung hat er verloren, nachdem die fiktive rechte Partei, nach ihrer Machtergreifung sämtliche Gelder für den Kampf gegen rechts gestrichen und das Stiftungsvermögen eingezogen hatte. Seine Frau, Lea-Sophie Schröter-Naumann, hat eine Umschulungsmaßnahme zur Raumpflegerin in Aussicht. Ihren Porsche Cayenne musste sie bereits verkaufen, als ihre Stelle als Chefredakteurin beim ÖRR gestrichen wurde. Die Stellenstreichungen beim ÖRR wurden nötig, da die fiktive rechte Partei, nach ihrer Machtergreifung, die Rundfunkgebühren abschaffte… – Ich glaube, die Story ist tatsächlich noch lange nicht auserzählt."



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Während das messianische Walten des Menschheitsheilers und -erziehers (dazu gleich) Bill Gates immer neue Würdigungen hervorruft, sei es nun seinen karitativen Gemütszustand oder seine Honorarvorstellungen betreffend (hier, hier), stieß ich in einem Buch auf die mir bislang entgangene Nachricht, dass Microsoft im Mai 2019 eine KI-Funktion 'Ideas of Word' vorstellte. Die Korrekturfunktion des Textverarbeitungsprogramms macht nicht nur auf Verstöße gegen die Orthographie- und Grammatikregeln aufmerksam, sondern weist überdies auf die Übertretung von Vorschriften der Politischen Korrektheit hin. Kulturunsensible oder diskriminierende Begriffe sowie Äußerungen, die gegen die Gebote von Inklusion und Geschlechtsneutralität verstoßen, werden markiert und mit Korrekturvorschlägen versehen.

Der Konzern erklärte zwar, dass man die Funktion abschalten könne, aber dabei muss es ja nicht bleiben – das weitere Erstarken des Rechtspopulismus wird schon Begründungen dafür liefern. Und auch wenn nur "Vorschläge" unterbreitet werden, tritt die erwünschte erzieherische resp. manipulative Wirkung ein. Da diese Algorithmen von beschränkten oder gehirngewaschenen Menschen produziert werden und ohnehin bei Satire und Ironie aussteigen, dürften diesen beiden Stilmitteln im monotonokulturellen Microsoft-Kosmos schwere Zeiten bevorstehen. Auch das Zitieren wird ein heikler Akt, wie sich heute schon an diversen Facebooksperrungen studieren lässt, die ausschließlich deswegen verfügt wurden, weil Account-Betreiber die Ansichten von Falschmeinern wiedergegeben hatten – wobei es keine Rolle spielte, ob in zustimmender oder ablehnender Absicht. Da man die Algorithmen immer weiter optimieren wird und fast alle Internet-Plattformen in den Händen von USA-Westküsten-Konzernen liegen, bei denen die Politische Korrektheit zur corporate identity gehört – oder, um ein schönes Wortspiel des Autors Michael Esders aufzugreifen: zur corporate non-identity –, haben wir uns auf orwelleske gedankenpolizeiliche Zustände einzustellen.

Kulturgemäß ist ein Mensch, der Solches plant, jemand, der auf die Idee kommt, korrigierend in meine Texte einzugreifen, mein Feind. Ich habe vor einer Weile eine Bekannte zitiert, die Gates einen Teufel nannte, und bin daraufhin von vielen Lesern gerügt und gezaust worden; einige erklärten sogar, dem Eckladen zur Strafe künftig fernzubleiben. Der Teufel, das ist Diabolos. Das griechische Diábolos bezeichnte den "Verleumder, Durcheinanderwerfer, Verwirrer". Er richtet das Imperium der Lüge auf. Er stiftet, mit Arnold Gehlens bekannten Worten "das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten".

Sela, Psalmenende.


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Noch dazu.

"Ein von Gates mitfinanzierter, durch die Politik als alternativlos erklärter und weltweit verabreichter Impfstoff in Verbindung mit einem verpflichtenden digitalen Immunitätsnachweis könnte letztlich die verordnete Eintrittskarte in ein globales System digitaler Identitäten sein, deren grundlegende Plattform wiederum Gates und seine Partner kontrollieren und das demokratische nationale Strukturen der Identitätsfeststellung durch kommerzielle globale Systeme unter Kontrolle weniger zu ersetzen sucht.
 
Unter dem Aspekt der gesundheitlichen Gefährdung anderer könnten so auch Verweigerer der Impfung unter Druck gesetzt oder Schritt für Schritt vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und damit ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, ohne dass ein größerer öffentlicher Protest zu erwarten wäre. (...)
 
Zur Ausweitung des Systems bis hin zur umfänglich verwendeten digitalen Identität, in die auch alle anderen persönlichen Dokumente und Nachweise einfließen müssen, wenn man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte, ist es dann nicht mehr weit."

(Weiter hier.)




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Immer noch dazu.

Der Süddeutsche Beobachter hat viele Jahre lang jedem, der die Verwegenheit besaß, stolz auf Deutschland zu sein, sein verdientes Nazi-Stigma verpasst; nun eröffnet der Konjunktiv neue Wege:

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Nachdem Linksextremisten einen Anschlag auf das Wahlkreisbüros des SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh in Elberfeld verübt hatten, beeilte der sich, zum fortgesetzten Kampf "gegen rechts" aufzurufen. Nun, nachdem Linksextremisten in Berlin ein ZDF-Team angegriffen haben und einige der Attackierten ins Krankenhaus mussten, twitterte der saubere Sozi:

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"Gewalt in Zeiten von Corona". Soso. Geht auch: "Gewalt in Zeiten von Merkelherrschaft" oder wenigstens "In Zeiten von großer Koalition"?


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Lustige Meldung in der Müncher tz

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Wer mag sich dort geprügelt haben? Bayern-Fans mit Löwen-Anhängern?

"Gegen 22.20 Uhr gingen Notrufe in der Einsatzzentrale ein, wonach Personengruppen in einer Grünanlage in Aubing aufeinander einprügeln würden. Die Augenzeugen schätzten, dass ungefähr 30 Personen am Tatort waren."

Gruppen gegen Personen. Und wahrscheinlich auch umgekehrt.

"Die Ermittlungen ergaben, dass die Verletzten von der Schlägerei aus Aubing stammten. Fünf Patienten im Alter zwischen 19 und 21 Jahren, alles Männer, die in München wohnen, sind der Polizei bisher bekannt." 

Männer, die in München wohnen.

"Zur Fahndung setzte die Polizei  auch einen Hubschrauber ein, was insbesondere zu dieser späten Stunde manche Anwohner irritierte und verunsicherte."

Kein Grund zur Verunsicherung. Bleiben Sie zu Hause und halten Sie sich an die Abstandsregeln.


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Durchaus noch zum Vorigen.

Eine Erklärung, warum eigentlich immer "Gruppen" von "Männern" in den vermischten Spaßnachrichten auftauchen, liefert der aktuelle Frontex-Risikoanalysebericht, in dem es heißt, dass 97 Prozent der Migranten, die 2019 beim Versuch erwischt wurden, illegal in die EU einzureisen, Männer waren.



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Unter der einen ehrenwerten Berufsstand unisiono beleidigenden Überschrift "Die Unis sind Hurenhäuser geworden" liest man hier doch recht viel Wahres: "Niemand von den bestallten Virologen, Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen sagt seine wirkliche Meinung zum Shutdown. Alle heulen mit den Berliner Wölfen. Wenn sie dann Rentner sind, und nichts mehr zu verlieren haben, äußern sie sich plötzlich kritisch und sagen die Wahrheit. Die deutsche Wissenschaft ist abhängig und korrupt. Das ist kein neues Phänomen. Schon im Nationalsozialismus und in der Russenzeit gab es gewünschte Forschungsergebnisse..."


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Der merkwürdige Paarlauf von globalem Kapital und globalistischer Linker gegen den gemeinsamen Feind war mehrfach Gegenstand der an dieser Stelle vorgetragenen Monologe (unter anderem hier), aber wenn man es recht betrachtet, ist er bereits im "Kommunistischen Manifest" beschrieben, wo Marx und Engels den revolutionären globalen Siegeszug der "Bourgeoisie" mit vergifteten Komplimenten preisen:

"Die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht (...)

Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. (...)

Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich (...)

Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt."

Was ist das anderes als das Programm der Multikulturalisten und Diversifzierer? Die Produktionsverhältnisse müssen sie gar nicht mehr ändern...


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"Man stirbt nur einmal und für so lange Zeit."
Molière