Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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28. Juli 2020


Während die echten Nazis eine Jugendbewegung waren – Adolf Hitler als ihr Methusalem war 30, als er die NSDAP gründete, und wurde mit 43 Reichskanzler –, wächst den heutigen Nazis diese Zuschreibung erst in reiferen Jahren zu, irgendwann zwischen 55 und 65; mit 75 ist dann praktisch jeder einer.


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In seinem Memoiren schildert Nicolas Sarkozy, dass ihm Angela Merkel auf einem EU-Gipfel eine DVD des Films "Das Leben der anderen" mit den Worten überreicht habe: "Ich möchte, dass Du das anschaust. Das ist mein Leben." Der Film schildert, wie ein regimekritischer Ostberliner Schriftsteller und dessen Frau von der Stasi bespitzelt werden und der Observierer im Laufe seiner stillen Teilnahme am Leben seiner Beobachtungsobjekte Sympathien für sie entwickelt und sie zu schützen beginnt. Was der Oscar-prämierte Film zeigt, hat nur einen Haken: Keiner der Tschekisten hat je so etwas getan. Für die war die DDR-Opposition ungefähr AfD. Mit solchem Pack sympathisierte man nicht.

Aber was hat die Sphinx an der deutschen Staatsspitze gemeint, als sie ihrem französischen Kollegen sagte, dies sei ihr Leben? "Es sind unerwartete Worte einer ehemaligen DDR-Bürgerin, die von sich selbst berichtete, dass sie weder in der SED noch im Widerstand aktiv gewesen ist. Lediglich von einem Engagement in der FDJ berichtete sie später", schreibt der Münchner Merkur. "Und doch zeigen ihre Worte, dass man die spätere Bundeskanzlerin vielleicht nicht ohne einen Blick auf die dunklen Seiten des Lebens in der DDR verstehen kann." In der Artikelüberschrift werden sogar "erschütternde Worte" aus dem Nonsens, was aber mit dem Quatschbegriff "Weggefährten" bestens harmoniert:


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Der Journalist – dass er auch noch Märländer heißt, zeigt, wie unrecht Helmut Markwort mit seiner Aversion gegen Namenswitze hatte – produziert einen ähnlichen Begriffsnebel wie jenen, in den sich Merkel so gern hüllt. Typische Merkel-Sätze haben die Eigenart, dass sie dies und auch das und eigentlich alles Mögliche bedeuten können. Da sie keine Oppositionelle war, kann das "Leben der anderen" nicht ihres gewesen sein. Dass sie sich mit den Spitzeln identifiziert, wird sie Sarkozy wohl kaum offenbart haben wollen. In diesem Film findet sich nichts, was mit Merkel zu tun hat. Wahrscheinlich wollte sie bloß angeben, sich mit fremden Federn schmücken und ein bisschen interessanter machen. Oder der Seibert hatte das eigentlich vorgesehene Geschenk irgendwo vergessen, und sie musste improvisieren.



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Die Stasi fühlt sich inzwischen wieder zuhause in 'schland:


Stasi teilt mit


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Aus Gründen verschärfter Toleranz und um die Gewalt als solche für immer zu beenden, verwüsten derzeit bekanntlich junge Enthusiasten amerikanische Innenstädte. Obwohl man es auf den ersten Blick vermuten könnte, handelt es sich nicht um Angehörige jener Party- und Eventszene, die in Kein-schöner-Land mehr (Teil-)Habe fordert und bisweilen Anstoß an Schaufensterscheiben nimmt, sondern um linke Humanisten und gesellschafts- bzw. weißseinskritische Aktivisten, die den faschistischen Wahnsinnigen aus dem Weißen Haus vertreiben wollen. Die Info-Elite weiß dank Focus bestens Bescheid:


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Heute früh sendete das beliebte TV-Format "Ihre Gebühren bei der Arbeit" folgenden Beitrag:


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Moderator: "In Portland demonstrieren Menschen seit Wochen – meist friedlich – gegen Rassismus und Polizeigewalt", und Donald der Schreckliche schicke trotzdem Bewaffnete, um einen Bürgerkrieg zu stiften und als dessen Sieger doch noch die Wahlen zu gewinnen (dieser Unhold und Schurke hat ja als einziger US-Präsident seit Menschengedenken keinen echten Krieg geführt). Reporterin: Die "Demonstranten" seien "wütend, weil die Bundespolizei noch immer da ist". Die "Mütter" unterstützten die "Aktivisten". 
(Hier ist der Link.)

Es zeigt sich nun doch eine gewisse Ähnlichkeit zur Party- und Eventszene in Stuttgart, Frankfurt und Köln, zumindest in den Augen von Malu Dreyer, SPD:


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Die Frau ist immerhin Ministerpräsidentin,und sie betrachtet Polizei und "Gruppen" als gleichberechtigte Partner, die "auf Augehöhe" den Modus des Zusamenlebens täglich neu aushandeln müssen, weshalb sie die Beamten zur Deeskalation drängt, denn Gewalt wenden ja schon die anderen an, weil sie nicht feiern dürfen, und wo das hinführt, sieht man bei Trump.


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Richtig was zum Feiern gibt es bei den Sieben-Tags-Eventisten:


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Anders als in Frankfurt und Stuttgart sind hier Idealisten unterwegs, denn sie nehmen nichts mit aus den Kirchen, nicht mal die Sneaker der Messdiener. Im Sinne der Reviermarkierung und Landnahme gehören beide Truppenteile natürlich zusammen.


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Sagen Sie mal, Kaube, merken Sie nicht mehr, was Ihre Zeitung schreibt? Jetzt soll also der Multikulturalismus schuld sein, wie?
 

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Wer sich ein Bild über die Lage in Portland machen will, wird von diesem Chronisten gut versorgt:


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Er hat auch diese Applikation unsterblicher Inschriften veröffentlicht, wobei ich Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf den oberen Slogan lenken möchte (wir sind immer noch in Portland, Oregon):


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Danisch kommentiert: "Burn this city down, piece by piece ist natürlich hochintelligent, wenn Schwarze eine Stadt niederbrennen wollen, deren Bewohner hauptsächlich links und schwarz sind. Aber man sollte die Pointe nicht verraten und abwarten, wann sie es merken."


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Vor zwei Tagen zitierte ich den Süddeutschen Beobachter mit der Meldung, die Münchner Sozialdemokraten seien erbost darüber, dass sich Angehörige der Schwefelpartei unter dem Namen SPD im Augustinerkeller Tische reserviert und dort getagt hätten. Offenbar handelt es sich um alternative Fakten. Angelika Barbe, DDR-Bürgerrechtlerin, Gründungsmitglied der DDR-SPD, von 1990 bis 1994 Bundestagsabgeordnete und Mitglied des SPD-Parteivorstandes, seit 1996 CDU-Mitglied, hat über den Vorfall eine Erkläung veröffentlicht:

"Mit Bestürzung habe ich zu Kenntnis genommen, dass die SPD München in einer Pressemitteilung vom Donnerstag gegen ein Treffen von mir mit Münchner Bürgern in übelster Weise gehetzt  hat. Fassungslos und entsetzt bin ich sowohl über den Inhalt als auch den Ton der Mitteilung. Die SPD beschimpft darin die AfD  auf unehrenhafte Weise wegen eines Stammtisches, den ich im Augustinerkeller abgehalten hatte, ohne jede Rücksicht auf die wahren Fakten.
 
Es erstaunt mich, dass niemand von der SPD München sich die Mühe gemacht hatte, bei mir vorher anzufragen. Ein Telefonat hätte gereicht, um zu klären, dass die Tische im Augustinerkeller auf meinen Namen bestellt wurden. Als ehemaliges Bundesvorstandsmitglied und ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD kann ich mich für das jetzige Personal der SPD und dessen Gebaren nur schämen. Ich bin froh, dieser Partei rechtzeitig den Rücken gekehrt zu haben.
 
Bei dem Treffen im Augustinerkeller kamen Menschen verschiedener politischer Ansichten zu Wort. Es ist nach meinen Erfahrungen des SED-Unrechtsstaates, in dem das Recht keine Rolle spielte, Meinungsfreiheit strafrechtlich verfolgt wurde, meine tiefste Überzeugung, unterschiedliche politische Standpunkte öffentlich zu diskutieren. Dieser anregende politische Austausch in vielen kultivierten Gesprächen bleibt mir in angenehmer Erinnerung.
 
Es muss um die SPD sehr schlecht bestellt sein, wenn sie es nötig hat, gegen ein friedliches Zusammensein Münchner Bürger mit einer ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten im Biergarten auf eine derart üble Art zu polemisieren. Dieses Vorgehen ruft bei mir Erinnerungen an die unheilvolle Zeit der SED Diktatur in der DDR – vor der Friedlichen Revolution 1989 – hervor. Auch dort wurden Bürger respektlos behandelt, wurden Oppositionelle auf gleiche Art und Weise diffamiert  und eingeschüchtert. Die Münchner SPD geht hier in den unheilvollen Fußstapfen der kommunistischen SED."