Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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22. September 2020


Ehre, wem Ehre gebührt (zumal von solchen, die sich seit je pandemieunabhängig korrekt verhüllen):


Drostenbiss


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Es wird einmal heißen: Das Medium Buch ist nicht untergegangen, weil die Zahl der Leser zu klein, sondern weil jene der Schreiber zu groß wurde.


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Na, wer sagt's denn?


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Die Rechtspopulisten natürlich! Die behaupten, jedem Blitz folge notwendig der Donner. Also wo es donnert, habe es zuvor auch geblitzt. Manchmal ist der zeitliche und räumliche Abstand zwischen beiden Phänomenen aber so groß, dass sich nicht jedem die Kausalität erschließt.


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Schweden ist in diesem Belang unser Amerika, also ein Ort der Zukunftsschau:



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Dort soll es auch einen neuen Trend geben: Blondinenklatschen. Er sei so populär, dass sogar Filme existieren:


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Leider werden solche mäßig gehäuften Einzelfälle von alten weißen Suprematisten für Revival-Zwecke propagandistisch missbraucht:


Abbanazi


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Viele Westler werden sich in den kommenden Jahren daran gewöhnen, vergewaltigte Mädchen und Frauen mit dem Augen eines frommen Moslems zu betrachten: nicht als Opfer, sondern als Beschmutzte, als Unreine.
(Fairerweise muss man hinzufügen, dass sie im Westen jahrhundertelang auch nicht anders gesehen wurden.)

Merke Karl Kraus: Jungfräulichkeit ist das Ideal derer, die entjungfern wollen.



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Freund ***, seit über zwanzig Jahren Journalist, beobachtet, dass Interviews in den Qualitätsmedien fast nur noch von Kollegen geführt würden, die der Meinung des Interviewten beipflichten (es sei denn, sie befragten mal einen AfDler, dann gelte der exakt umgekehrte Fall). Er könne sich noch an Zeiten erinnern, wo sich Frager und Befragte seitenlang richtig gefetzt hätten, doch das sei offenbar perdu, speziell bei sogenannten heiklen Theman. Inzwischen gebe der Journalist in der Regel bloß noch Stichworte für den Interviewten. Er habe bisweilen den Eindruck, dass manche dieser Paarläufer sich vom Publikum sogar belästigt fühlten und lieber unter sich bleiben würden.

Ein Beispiel dafür wäre dieses trauliche Zwiegespräch:


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Steffens ist Dokumentarfilmer und TV-Moderator, seine Sendungen wie Terra X und Steffens entdeckt laufen gebührenfinanziert im ZDF, auf ARTE und 3sat, das heißt, seiner journalistischen Unabhängigkeit beim Beziehen klarer Positionen sind keinerlei Grenzen z. B. durch unkeusche Ansichten gesetzt. Im Interview erklärt er, dass man mit durchgeknallten Minderheiten gar nicht erst reden soll – leider Jahrzehnte zu spät, die Grünen gibt es ja schon seit 1983 –, wobei er tunlichst vermeidet, diese Falschmeinerkollektive genau zu umgrenzen und zu konkretisieren, er framt sie lieber:

"Ich habe selbst bis vor wenigen Jahren als Gast in Talkshows erlebt, dass Journalistinnen und Journalisten von 'abweichenden wissenschaftlichen Meinungen' zum Thema menschengemachter Klimawandel sprachen. Wie im Politikjournalismus glaubte man, das gesamte Spektrum abbilden zu müssen und die Wahrheit irgendwo in der Mitte zu finden. Aber für die Wissenschaft gilt: Die Wahrheit liegt allein in der Wahrheit. Es kommt nur Unsinn dabei heraus, wenn man die Mitte sucht zwischen einer kugelförmigen und einer scheibenförmigen Erde. Zu glauben, man müsse auch abseitigen Ansichten eine Plattform bieten, ist ein journalistischer Kernfehler. Das schafft den Eindruck, dass der Unsinn eine Berechtigung hat."

Dieses Vorgehen nennt sich Framing, weil derjenige, der es betreibt – in diesem Fall der Herr Steffens –, zuerst einen Rahmen des Absurden schafft ("Die Erde ist ein Scheibe") und dann die Ansicht, die er diskreditieren will, mit in diesen Rahmen rückt (wer Zweifel an der Menschengemachtheit des Klimawandels hegt, gleicht denen, die etc.). Später erprobt unser Unsinns-Selektor denselben Bauerntrick noch mal am Beispiel derjenigen, die behaupten, die Mondlandung habe nie stattgefunden.

Mit dem Satz "Für die Wissenschaft gilt: Die Wahrheit liegt allein in der Wahrheit" versucht sich Steffens, der übrigens Politik und Geschichte studiert hat, also Fächer, in denen es von eindeutigen Wahrheiten nur so wimmelt, in der Suggestion, es gäbe so etwas wie die endgültige wissenschaftliche Wahrheit über den Klimawandel und er sei einer ihrer journalistischen Vertreter auf Erden. Tatsächlich operiert die Wissenschaft, Politologie und Genderstudies vielleicht ausgenommen, nicht mit irgendeiner Wahrheit, sondern mit dem vorläufigen Stand der Erkenntnis, der immer wieder unter Falsifikationsdruck gesetzt wird. An anderer Stelle sagt der Dokumentarfilmer übrigens genau das:

"Das Anzweifeln ist zutiefst wissenschaftlich, aber auch zutiefst verschwörungstheoretisch. Der Unterschied: In der Wissenschaft ist Zweifel eine Methode, und das Ergebnis ist offen. Es setzt sich durch, was belegt und nicht falsifiziert werden kann. Bei der Verschwörungstheorie ist das Ergebnis vorgegeben, und die Fakten werden angepasst."

Wenn zum Beispiel jemand behauptet, irgendetwas sei Konsens unter allen Wissenschaftlern, dann ist das Ergebnis vorgegeben und die Fakten werden angepasst. Dann haben die Politiker in dieser Frage die Macht über die Wissenschaften übernommen, was in Diktaturen primär durch Drohungen, in Demokratien durch die Vergabe öffentlicher Gelder geschieht; in der BRD läuft inzwischen beides parallel. Konsens herrscht nur unter Barbaren und zwischen regierungsfrommen Interviewern und Interviewten.

Gerade eine billionenteure, mit so weitreichenden Eingriffen in Wirtschaft und Gesellschaft verbundene Politik wie Frau von der Leyens Green Deal, dieser gewaltige Endkampf gegen das teuflisch-tückische Kohlendioxid müsste normalerweise unter enormen wissenschaftlichen Falsifikationsdruck gestellt werden, denn wenn dieser Weg erst einmal eingeschlagen ist und sich dann als ein von falschen Prämissen ausgehender Irrweg herausstellen sollte, wird der Schaden gen Unermesslich abschwirren. Ich habe nicht den Eindruck, dass darüber öffentlich debattiert wurde – außer zwischen ahnungslosen Politikern und hysterischen Teenagern. Tatsächlich passiert das Gegenteil, das Geld fließt fast ausschließlich in die Taschen derjenigen Wissenschaftler und Institute, die dem grünen Zeitgeist nach dem Mund reden, und Forscher, die zu anderen Erkenntnissen gelangt sind, werden von der Inquisition 2.0 als Leugner, Ketzer und Satansbraten bepöbelt und stracks exkludiert. Beziehungsweise von Wissenschaftspopulisten wie Steffens in einen Rahmen mit Spinnern und Verrückten gestellt.

Die Letztgenannten gibt es natürlich zuhauf, da hat der Mann recht, die Welt ist voll von Freaks, die blühenden Unsinn über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben und die beispielsweise behaupten, dass das Stromnetz ein Energiespeicher ist, die Atomkraft zu den fossilen Energien gehört oder Kobolde in den Batterien von Elektroautos schuften – Terra XY ungelöst quasi. Die propere Maid, die dergleichen kund und zu wissen tat, gilt als Vizekanzlerkandidatin.

Die Wählerschaft der SPD, die nach aktuellen Umfragen in Spitzenwerten bei 17 Prozent der Stimmen liegt, wäre Steffens zufolge übrigens eine vernachlässigenswerte Minderheit. "Laut einer Umfrage der Universität Erfurt halten 17 Prozent die Maßnahmen für übertrieben. Eine Minderheit, die so laut ist, dass sie in den Medien wie eine große Bewegung erscheint. Aber das ist keine relevante Strömung in Deutschland."

Es geht in diesem Passus natürlich nicht um die Sozis, sondern um die Corona-Schutzmaßnahmen der Bundesregierung. Die werden von immer mehr Bürgern dankbar angenommen:


Vertrauen zur Führung


Und dieses Vertrauen ist wissenschaftlich nachgewiesen!
 

Halten wir fest: Der von Steuergeldern lebende Terra-X-Mann will nicht reden mit Frauen, Ausländern und anderen Mitbürgern, die:

  • – die Erde für eine Scheibe halten;
  • – nicht an die Mondlandung glauben;
  • – an der Menschengemachtheit des Klimawandels zweifeln;
  • – die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung für überzogen halten.


Das kann doch unmöglich alles sein? Steffens?

"Das Prinzip ist dasselbe. Wenn jemand meint, Homosexuelle sollten nicht heiraten dürfen, dann ist das menschenfeindlich. Wir waren einmal für eine 'Terra X'-Sendung im Süden der USA. Am Drehort haben uns die Einheimischen aufgenommen wie gute alte Freunde. Doch wäre ich schwul oder jüdischen Glaubens, dann wäre es anders gelaufen."

Geneigter Leser, nicht ich bin eben gesprungen, sondern der Experte beim Apportieren eines Stöckchens, das die Interviewerin nicht einmal geworfen hat. Unser hoffentlich erst sehr spät das Zeitgeistliche Segnende kommt ganz von selbst darauf. Denn wie bei den Verschwörungstheoretikern hängt bei deren Widerlegern alles mit allem zusammen – die Rassisten kommen am Ende seiner Einlassungen auch noch dran. Bis vor kurzem war das Grundgesetz nämlich menschenfeindlich, weil es die Familie als Fortpflanzungsgemeinschaft unter den besonderen Schutz des Staates stellte. Aber "Einszweidrei, im Sauseschritt, läuft die Zeit; wir laufen mit" (Wilhelm Busch, "Julchen"):


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Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was Verschwörungstheoretiker bei diesem Blick des Mädchens wieder denken! Aber was heißt ausmalen, unser Wissenschaftsexperte weiß es ja, zumindest im Falle der Südstaatler: Wäre er schwul oder "jüdischen Glaubens" (so die harte wissenschaftliche Bezeichnung für ca. 17 Prozent der Juden), hätten ihn diese konförderierten Kannibalen geteert und gefedert. Das ist durch wissenschaftliche Umfragen genaus so exakt erwiesen wie die Zustimmung der Menschen deutschen Glaubens zur Politik der Parteien- und Staatsführung.

Nach dieser im pawlowschen Sinne notwendigen Abschweifung findet Steffens aber stracks zum Virus zurück:

"Es ist verlockend, für die komplexe Sachlage eine einfache Erklärung zu finden. Zum Beispiel: Die Chinesen hätten das Virus in einem Geheimlabor in Wuhan entwickelt. Oder: Das neue Coronavirus gebe es gar nicht. Oder: Das Virus sei völlig ungefährlich. Der gemeinsame Kern von Verschwörungstheorien ist das Prinzip der Mustererkennung."

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Zeitgenossen gibt, die sagen, das Coronavirus existiere gar nicht, doch wie gekonnt unser Komplexitäts-Torero wieder zu framen versucht, indem er diese quantité négligeable in einem Atemzug mit denjenigen unterbringt, die das Virus für nicht übermäßig gefährlich halten! Obwohl ihm doch täglich im Schnitt zwei, fünf oder gar sieben Deutsche zum Opfer fallen (gestern keiner, vorgestern zwei)! Ob das Virus aus einem Labor stammt, sei es nun mit oder ohne das Präfix "Geheim", stehe dahin:


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Denn wenn dergleichen passiert, dann allenfalls mit Bakterien:


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Was nun wiederum die Gefährlichkeit des Virus und die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Maßnahmen betrifft, sind wir gehalten, den Zahlen des RKI auch dann zu vertrauen, wenn sie nur eingeschränkten Anlass dazu bieten (worüber meistens nur verschwörungskontaminierte Webseiten berichten):


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(Weiter hier.)

Eine Unterabteilung der Verschwörungstheoretiker im Zusammenhang mit Covid-19, die sogen. Impfgegner, frohlocken derweil über solche Meldungen:


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Ausgerechnet in Belgien, dem Land mit der höchsten Covid-19-Sterblichkeit in Europa, mosert irgendwelches Medizinpersonal über die Pandemiemaßnahmen und spielt die besorgten Bürger:


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Wieder andere Mondgucker säen Zweifel am Sinn der Maskenpflicht, verunsichern die Bevölkerung und leiten Wasser auf Mühlen:


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(Weiter hier).


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Mitunter fallen sogar führende Politiker ihren eigenen publizistischen Lakaien in den Rücken, obwohl sie die meistens nicht mal persönlich kennen:


Verschwörungstheoretiker


Lassen wir dem Gevatter Steffens das Schlusswort:

"Aus einer naiven pädagogischen Haltung heraus tun wir oft so, als könnten wir Rassisten und Verschwörungsfantasten mit guten Argumenten bekehren. Aber die Realität zeigt, dass das meist nicht funktioniert. Wir verschwenden unsere Zeit, wenn wir sie immer wieder mit Sachargumenten konfrontieren. Wir müssen uns fragen, wie wir mit ihren Äußerungen im Netz umgehen. Brauchen wir neue Gesetze, um menschenfeindliche Kommentare zu löschen und zu verhindern, dass QAnon-Anhänger ihre Ansichten verbreiten?"


Vielleicht versucht er, seine Polizeiinstinkte probehalber, bis er es hier endlich darf, in Weißrussland auszuleben? (Uhh, das war jetzt Framing...)



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Das größte Interesse an der Stigmatisierung und Verfolgung sogenannter Verschwörungstheorien oder Fake News haben hierzulande diejenigen, die das Monopol besitzen, unerwünschte Ansichten zu beschneiden, zu zensieren oder ganz zu unterdrücken. Die angeblich gefälschten Nachrichten sind ja oftmals nur Gerüchte über nicht gemeldete Vorfälle oder ignorierte Vorgänge. Auf dem inoffiziellen Übermittlungsweg werden sie modifiziert, vergröbert, entstellt, hysterisiert. Eben weil sie in der Bevölkerung kursierende Sorgen und Befürchtungen stützen – und gerade weil die Bevölkerung weiß, dass seitens des Establishments ein Interesse an der Unterdrückung nicht genehmer Wahrheiten desto dringlicher vorliegt, je mehr es den Karren in Richtung Wand steuert –, stehen Verschwörungstheorien oder Fake News erst recht dann auf dem Index, wenn sie Teile der Wahrheit abbilden.


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Malen wir uns eine Tagtraumminute lang aus, was passiert wäre, wenn Böhmermann  "Fick dich, Oma!" getwittert hätte...



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"Denn mir ist ein Engel erschienen, der sagte: Gehe hin und zitiere sie. So ging ich hin und zitierte sie" (Karl Kraus):


Schizo TV


Never endig ende