Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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5. November 2020


Eigentlich wollte ich erst nach dem feststehenden Wahlergebnis in Übersee hier weitermonologisieren, doch es kann der Frömmste nicht in Ruhe schweigen, wenn es dem wilden Leser nicht gefällt! Ich finde die zahlreichen Nachfragen und Aufforderungen zum Weitermachen ja reizend – ich hoffe, Sie haben alle auch brav gespendet? (Akif Pirincci riet mir unlängst, das möglichst oft zu fragen) –, aber gerade eine empfindsame und vor allem verirrte Seele wie ich benötigt Perioden der inneren Reinigung. 

Als ich am 29. Oktober diesen Trichtersatz ins Netz stellte:


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trafen interessante Deutungen desselben bei mir ein. Leser *** etwa fühlte sich an Christian Morgensterns Gedicht "Zwei Trichter wandeln durch die Nacht..." erinnert; Leser *** erblickte in den geschwungenen Dreieckslinien "einen stilisierten Bikini, von getragener aber, wie ich meine, eher von rückwärtiger Ansicht.  Der sanft von oben-außen nach unten-innen verlaufende Linienschwung kann mit Augen eines in der topographischen Anatomie Bewanderten als Parabelbeispiel einer idealtypisch ausgeformten Regio glutaea angesehen werden. Die bei Ihnen stets zu vermutende tiefenpo-litische Bedeutung, vermute ich, lautet in Richtung links formuliert in etwa: LMAA." Das ist keck gedacht – und wir wollen uns gar nicht ausmalen, was wäre, wenn es sich tatsächlich um die Vorderansicht handelte –, doch am nächsten kam meinen Intentionen Leser ***, welcher mumaßte, ich sei mit meinem Latein am Ende...


                                 ***


Zur Wahl denn. Der göttliche Donald, letzter Verteidiger der freien Welt gegen die Gleichschaltungsglobalisten, hatte im sogenannten Vorfeld den Verdacht geäußert, die sogenannten Demokraten würden mit gezinkten Karten resp. Briefwahlzetteln spielen. Der Verdacht zumindest hat sich erhärtet. Die konservative (!) Aktivistin (!) Candence Owens twitterte:


Look at this chart


Ein in der Tat merkwürdig abrupter Kurvenverlauf zugunsten von Joe Biden. Findet auch Milo Yiannopoulos:


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Seltsam, seltsam.


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Ich enthalte mich des Kommentars.


                                 ***


In der eigentlichen Wahlnacht verkrümelte ich mich schnell in die anglophonen Kanäle, um der deutschen Welthirnjauche* zu entgehen; CNN etwa ist zwar durchaus parteiisch pro Biden, aber macht die beste Show. Beim Zappen geriet ich indes doch einmal in die deutsche Nachrichtenkloake, zuerst ntv, wo gerade verkündet wurde, dass "Rechtsextremisten" die gesamte Wahl gefährdeten; einen Abtritt weiter verglich der Kleberclaus, seine eigene Wahlverwandtschaft mit dem hinkenden kleinen Teufel aus Rheydt unterstreichend, einen Wahlkampfauftritt Trumps mit des Letzeren Sportpalastrede. Oh glücklich, wer noch hoffen kann, aus diesem Meer der Hetze aufzutauchen!   
 

* "Es ist meine Religion, zu glauben, daß das Manometer auf 99 steht. An allen Enden dringen die Gase aus der Welthirnjauche, kein Atemholen bleibt der Kultur und am Ende liegt eine tote Menschheit neben ihren Werken, die zu erfinden ihr so viel Geist gekostet hat, daß ihr keiner mehr übrig blieb, sie zu nützen."
Karl Kraus, "Untergang der Welt durch schwarze Magie"


                                 ***


Überhaupt und apropos Goebbels:


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Das ist natürlich Unsinn; wenn, dann ist Donald der Gorilla! (Wussten Sie übrigens, dass der Gorilla einen weitaus kleinen Penis besitzt als der Schimpanse? Der Grund ist simpel: Versuchen Sie doch mal, einen Silberrücken spöttisch darauf hinzuweisen oder ihm ein Weibchen auszuspannen.) Denn wenn Trump ein Schimpanse wäre, welche Analogie bliebe dann übrig für den Makaken Obama? Den Javaner Trudeau? Oder gar das Zwergseidenäffchen Heiko?


                                 ***


Belehrung erfuhren Alexander Gauland und sein Redenschreiber im Bundestag durch die Abgeordnete Heike Baehrens, SPD, ihres Zeichens Religionspädagogin, also praktisch über alles Überweltliche im Bilde:


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Wie sogar jeder Berliner Abiturient weiß, ist es nur nicht die Braut von Messina, welche diese Worte spricht, sondern der Chor. Mit ihnen endet das Stück über Inzest, Eifersuchtsmord und sühnenden Suizid. Schiller hat ja eine Tragödie geschrieben, und die tragische Weltsicht handelt vom ausweglosen und oftmals – so auch hier – unwissenden Schuldigwerden. Um den "Wert des Menschenlebens" ist es aus Tragikersicht ein bisschen anderes bestellt als aus der Warte einer deutschen protestantischen Pädagogin; Schuld muss gesühnt werden, und schuldig wird der Mensch, sobald er im Fleische wandelt, allerdings gibt es für ihn keine Erlösung und keine Buße durch gottgefällige Werke, am besten wäre er gar nicht erst geboren. Man kann diese finalen Sätze also auch andersherum als Frau Baehrens auf die Gegenwart anwenden; schuldig wird die Regierung in jedem Falle, egal was sie tut. Deswegen ging es in Gaulands Rede auch um das Abwägen der Maßnahmen, mit dem Schluss, dass die Freiheit der Gesellschaft höher stünde als der Tod einzelner durch – oder meistens wohl eher mit – Covid-19. Die nicht ganz lektürefeste Sozialdemokratin hat das entweder nicht kapiert oder nicht kapieren wollen, wie auch im anschließenden Passus von den Grundrechten, die zwar derzeit von der Regierung dem Volk abgesprochen, aber angeblich von der Schwefelpartei "anderen Menschen" – wem eigentlich? den Afrikanern? – streitig gemacht werden. (Dass die deutschen Grundrechte nur für Deutsche gelten können – und in eingeschränktem Maße für Menschen, die sich auf deutschem Staatsgebiet aufhalten –, kann man diesen Leuten gar nicht oft genug unter die maskengeschützten Nasen reiben.)


                                 ***   


Dass alles mit allem zusammenhängt, also etwa Joe Biden, die deutschen Linken, der von ihnen angestrebte Gesellschaftsumbau, dessen geistiger Wegbereiter Nr. 1 und drei zufällige Passanten im tiefsten Sachsen, illustriert sehr treffend die Zuschrift von Leser ***:


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                                 ***


Wer besonders edle Ziele anstrebt, darf vor "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" (unter diesem Signum sandte mir Leser *** den Ausriss) gegen die Richtigen nicht zurückschrecken:


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Die Diversität ist nicht lieb, das schwante unsereinem ja schon lange. Aber immerhin, was die ostdeutschen Mädels angeht, wird die Floridaerin den Vergleich wohl nicht als kränkend empfinden ...


                                 ***


"Ich wollte schreiben God bless America. Aber aus purem Aberglauben traue ich mich nicht", schreibt Leserin ***, und fährt fort:

"Diese Demokratin, diese sau-reiche Demokratin, ich vergesse sie nie, als sie uns sagte, 2017: 'We gonna throw dirt at him. We gonna find something.' Warum? 'So embarrassing.' Das war alles, keine einzige politische Aussage.Sie lobte die Merkel, die Gäste usw., hatte selbst aber manikürten Garten und Selbstschussanlagen. Ich traute mich kaum zu atmen, in dieser Straße, in Kalifornien. 

Wenn ich in negativem Denken versinke – und das kann passieren, wenn man Drucksachen liest oder mit Kollegen redet ('Die Leute halten sich einfach nicht dran. Was müssen die in Urlaub? Die Zahlen ... Die Zahlen  ... Die Zahlen ... Die Leute sollen sich mal dran halten. Du würdest ja Deine eigene Mutter sterben lassen' usw.) – wenn gar nichts mehr hilft, lese ich meine Trump Bücher, nur die von ihm selbst geschriebenen.  Ich kann nicht Trump lesen und deprimiert bleiben. 

'I try to learn from the past, but I plan for the future by focusing exclusively on the present. That's where the fun is. And if it can't be fun, what's the point?'

'For example, we had the finest craftsmen in Italy handcarve twenty-seven solid marble columns for the living room. They arrived yesterday, and they'r beautiful. I can afford the finest workmanship, and when it comes to my apartment, I figure, why spare any expense. I want the best, whatever it takes.' Ja, take that, Ihr 'Tiny Houses'-Gestalten, Ihr aus Plastikschüsseln-Esser (die werden vergeben von der Kantine, umweltfreundlich, versteht sich, jeder tanzt dann damit an.) 

'I like to think I have that instinct. That's why I don't hire a lot of number-crunchers, and I don't trust fancy marketing surveys. I do my own survey and draw my own conclusions.'

'I don't kid myself. Life is very fragile, and success doesn't change that. If anything, success makes it more fragile. Anything can change, without warning, and that's why I try not take any of what's happened to seriously. ... Ja, ein großer Fehler, alles zu Ernst zu nehmen, weiß ich aus Erfahrung.

'We had a very traditional family. Perhaps because my father never got a college degree himself, he continued to view people who had one with a respect that bordered on awe. In most cases they didn't deserve it.'

'You can't be scared. You do your thing, you hold your ground, your stand up tall, and whatever happens, happens.'

Auch mein Frauenthema wird in einem Satz erwähnt, er sagt einfach, dass er die Frau geheiratet hat, mit der man halt nicht daten konnte bis in alle Ewigkeit (damals die Ivana noch, auch ein Model). Da braucht man keinen Feminismus, Taten und wie man sich verhält werden m. E. gut von Männern ('Qualitätsmännern') verstanden. 

(aus: Donald Trump. The Art of the Deal, 1987)

Ich bete jedenfalls weiter bis es feststeht. God bless America."