Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

Artikelsuche

Service Menu

Allerlei

Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


...mehr

 

 

10. März 2017


Ein Münchner Kino hat eine Filmreihe eröffnet, die sich „Kino für Toleranz“ nennt. Als erster Streifen läuft seltsamerweise die deutsche Komödie „Toni Erdmann“. Ich habe den Film zufallshalber gesehen und weiß nicht recht, inwieweit er das Motto bedienen soll, denn kein einziger Vertreter der üblicherweise zu tolerierenden Kollektive kommt darin vor. Der Film rang mir zwei- oder dreimal ein Lachen ab, doch insgesamt verspürte ich am Ende eher den Drang, mich zu duschen. Auf eine sehr typisch gegenwartsdeutsche Weise ist das weitbeschreite und gar bis zur Oscar-Nominierung nobilitierte Werklein mit peinlichen und unappetitlichen Szenen durchsetzt, einer Firmen-Nacktparty etwa oder einer Passage, in welcher der Liebhaber der weiblichen Hauptperson vor ihren Augen auf ein Törtchen ejakuliert, welches sie dann mehr ungerührt denn genüsslich verspeist. Die Altersbeschränkung des Films liegt bei 12 Jahren. In Begleitung eines Erwachsenen, teilt das Kino auf seiner Webseite mit, dürfen aber auch schon Sechsjährige dabei zuschauen, wie der ulkige Onkel an seinem Piesimann herumrubbelt und Quatsch mit dem Naschwerk macht. Wer das nicht tolerieren mag, ist wahrscheinlich falsch im „Kino für Toleranz“.