Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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16. Juni 2017


Es ist naiv zu glauben, dass Menschen, die ein Übel beklagen, von dem sie selber nicht betroffen sind, dieses Übel tatsächlich aus der Welt schaffen und es nicht vielmehr bewirtschaften wollen.


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"Alle sprechen darüber, und das ist das Schlimme daran": Der nächste Sklave distanziert sich von "Finis Germania" (hier). Wieviel abgefeimte Saturiertheit steckt allein hinter dem Vorschlag, der Spiegel-Juror hätte, wenn er über das Buch diskutieren wollte, es doch in seiner Zeitung tun können. Dass Teile des Buchs womöglich nicht von Sieferle stammten, kann nur jemand behaupten, der es nicht gelesen hat oder nichts von Stil versteht (was ich bei Münkler nicht glaube) oder eben eine Proskynese vor wem auch immer zu vollziehen für geboten hält und dabei eine gewisse Totenschändung in den Kauf nimmt. Vielleicht will er sich auch bloß als intellektueller Praeceptor Germaniae spreizen. Ein anderes Mitglied der Jury hat mir erzählt, dass die Kumulation von Punkten explizit als Möglichkeit bestand und sicherlich auch andere Juroren immer wieder so verfahren sind. (Was die peinlichen Einlassungen zum angeblich falschen Latein des Titels angeht, verweise ich auf die lebhafte Diskussion in diesem Diarium am 12. und 13. Juni.)

Die Pointe von "Finis Germania" besteht darin, dass all diese Reaktionen sich so passgenau in Sieferles Diagnose einfügen wie die Kiefer in die Schonung. Oder der Volksgenosse in den Reichsparteitagsmarschblock.


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Wenn Sie als Kontrast und zur Abwechslung mal einem Mann zuhören wollen: hier. "For the Postmodernists ist the world a Hobbessian battleground of identity groups, they do not communicate with each other because they can’t. All there is a struggle for power." (Münkler würde das vermutlich sogar unterschreiben, er würde es aber nie sagen).


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Die ganze geifernde Wut gegen das Sieferle-Buch – oh wie gern hätte man ihn lebend am Pranger! – zeigt letztlich nur eins: Man will jenen Angehörigen dieses schrumpfenden Volks, die dafür empfänglich sind, nicht einmal die Klage über den Verlust ihrer Kultur, ihrer Heimat und ihrer Identität zugestehen.

Weil: Kultur, Heimat und Identität sind bloß "Konstrukte". Zumindest sofern sie mit dem Attribut "deutsch" verunziert sind. Dass der Wahabismus, das Türkentum oder gleich der ganze Islam bloß Konstrukte sind, hören wir nie. Manche Konstrukte können nämlich echt wild werden, wenn man sie so nennt. (Natürlich sind auch die "Menschenrechte" ein Konstrukt, oder das Grundgesetz, sofern es im Zweifelsfall keiner durchsetzt; überhaupt sind die imposantesten Konstrukte diejenigen mit Truppen und vielen Kombattanten...)


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Die falschen Bücher zu bekämpfen, ist das eine. Dann gibt es ja noch die falschen Leser. Die Buchhandlung Ludwig in Leipzig kündigt jetzt eine Buchvorstellung von Asfa-Wossen Asserate mitsamt einer "Ausladungsklausel" an: "Der Veranstalter behält sich vor, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen oder Taten in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen."


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"Sehr geehrter Herr Klonovsky,
gerne würde ich "finis germania" als Buch des Monats auf unserer Homepage  empfehlen.
Geht nicht, dann könnten wir schließen.
 
Gern würde ich auch eine Unterschriftenliste für das Buch und gegen die Hasspredigten auslegen.
Geht aus demselben Grunde nicht."

Schreibt Leser ***, Buchhändler aus ***.


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Wetten, dass irgendwann eine Integrationsabgabe erhoben wird?


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"Ungefähr 24 Stunden dauerte die Verdattertheit des medialen Milieus über die Piraten-Ausstrahlung der doch fast schon erfolgreich verhinderten Antisemitismus-Dokumentation durch Bild", notiert Alexander Wendt auf seiner Facebook-Seite. "Aber jetzt rollt die Gegenaktion: Der Film sei 'propagandistisch und manipulativ', lässt Zeit Online wissen – mit anderen Worten, er ist also das glatte Gegenteil praktisch jeder öffentlich-rechtlichen Berichterstattung über Israel. Die Online-Aussendung des Films, findet auch Spiegel online, das Judenreferat unter den Onlineplattformen, sei 'kein Verdienst'."

Die Nichtausstrahlung des Dokumentarfilms "Auserwählt und ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" auf Arte – Henryk Broder hat die Argumente des Senders hier entzückend untersucht – ist nur ein Beispiel bzw. Indiz für einen mählich einsetzenden Trend. Dass ein jüdischer Teenager eine Berliner Schule verlässt, weil er das Gemobbtwerden durch seine muslimischen Mitschüler nicht mehr erträgt, und die Sache ohne Widerhaken, gewissermaßen wie ein Wetterbericht, durch die Medien flutscht, ein anderes. Die Masseneinwanderung verschiebt allmählich das Gefüge in diesem Land. Wie Eisenspäne in einem sich verändernden Magnetfeld orientieren sich die Wortführer neu. Einstige Hätschelkollektive des Zeitgeistes verlieren zwischen den Kondensatorplatten der neuen Kultursensibilität – zwischen Einknicken und Feigheit – ihren Schutzstatus.

Noch vor einem Lidschlag des Weltgeistes galten Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung von Frauen im Lande der Brüderles und Kachelmanns als Sakrilegien sondergleichen. Gelten sie zuweilen heute noch, etwa wenn die Täter Bundeswehrangehörige sind; dann dürfen ihre Delikte sogar erfunden und phantasievoll pornografisch ausgeschmückt werden. Nicht aber in den Arealen der Nafris, Araber und anderer frisch importierter Toleranzadressaten: Dort sind sexistische Bekleidungsvorschriften ebenso legitim wie Ehen mit Minderjährigen, und wenn eingeborenen Mädels belästigt, vergewaltigt, gegangbangt oder über die Wupper geschafft werden, üben sich sowohl das Feminat als auch die journalistischen Lautsprecher in weiser Zurückhaltung, wegen "Kein Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten" und so. Vergleichbares (also schon oft Gang, aber ohne zumindest diesen Bang) erleben zunehmend oft Schwule. Und nun eben Juden. Nicht dass man den inzwischen greisen Horst Mahler nicht nochmals einsperren würde, nicht dass man keine Antisemitismusvorwürfe gegen Eingeborene erhöbe, oft sogar ohne Grund, aber sobald der importierte, handfeste, auch für den Ankläger gefährliche, in anderen europäischen Ländern längst blutige Judenhass sich zeigt, erlischt die Aufmerksamkeit, sinkt die Hysteriebereitschaft gen Null. Kein Grund, Skandal! zu rufen.

Zugleich gibt es eine crescendierende Bereitschaft unter Öffentlichkeitsarbeitern und Leitmedienjournalisten, genuin Muslimisches als etwas Vorbildhaftes, Zukunftsweisendes, Beglückendes zu verkaufen. Die muslimische Verhüllung gilt in besonders progressiven Kreisen inzwischen als ein Freiheitssymbol. "Der Hidschab ist in der Ära Trump ein Zeichen des Widerstandes und des Feminismus", las man vor kurzem bei USA today (hier). Ja was denn sonst! Der Hidschab bringt üblicherweise das sogenannte Mahram-Verhältnis zum Ausdruck, das heißt, die Frau darf sich nur ihren engen Verwandten – das sind all jene, für die das Inzest-Tabu gilt – ohne den Hidschab zeigen (und nur dem Ehemann völlig entblättert), ein Nicht-Mahram-Verwandter indes darf, wie jeder Fremde, einzig das Gesicht und die Hände der Frau sehen. Das gilt auch für Trump. Und das ist selbstverständlich feministischer Widerstand gegen einen Sexisten.

Bei der ARD-Kampagne "Woran glaubst du?" war es selbstverständlich eine Kopftuch tragende Muslima, die "an Gleichberechtigung" glaubt, an Allah natürlich auch, denn wie anders als mit einem nur Frauen vorbehaltenen Kleidungsstück, das in den meisten muslimischen Ländern Vorschrift ist und säuberlich die Geschlechter trennt, sollte man in Mitteleuropa Gleichberechtigung zum Ausdruck bringen? Über das solidarische Kopftuchtragen als ein Zeichen gegen die "Islamophobie" und gegen "rechts", das Österreichs Gauck, Alexander Van der Bellen, seinen Landsfrauen empfahl, führt ein pfeilgerader Weg in eine nahe Zukunft, wo uns linksliberale Medien das Kopftuch als ein Zeichen von weiblicher und kultureller Selbstbestimmung, von individueller Freiheit, von symbolischem Widerstand gegen amerikanische Ausbeutung, israelische Besatzungspolitik und den europäischen Rechtspopulismus andienen werden. Man wird in wunder wie aufgeklärten Zeitungen lesen, dass es der Respekt gebiete, in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gegenden ein Kopftuch aufzusetzen. Die Zeit wird den Selbsterfahrungsbericht einer Redakteurin drucken, die sich schnell mit dem Accessoire angefreundet hat, auch wenn alte verkniffene Eingeborene sie beleidigten oder mindestens giftig anstarrten; die Welt wird einen Erfahrungsbericht dagegensetzen, der vergleichbar positiv ausfällt: Mit dem Tuch fühle man sich einfach integrierter und sicherer, einmal sei die Kollegin sogar gegen unerwünschte Anmache verteidigt worden. Und dann ist es bis zur Schahāda doch nur noch ein kleiner Schritt...

 
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Eines muss man den meisten, ich sage jetzt mal cum grano salis: "Kanaken" lassen: Sie glauben weder daran, dass es drei oder sieben oder siebenmal sieben Geschlechter gibt und ihr eigenes nur ein Konstrukt ist, noch daran, dass ihre Flatulenz zur globalen Erwärmung beiträgt oder dass sie der Dritten Welt irgendetwas schulden, was sie sich dort nie geliehen haben; sie möchten nicht via Quote mehr Frauen in Führungspositionen bringen noch ihre Kinder über die Sexualpraktiken von LSBTI-Menschen frühaufklären lassen, sie essen bedenkenlos Fleisch, pfeifen auf die Schuld ihrer Vorfahren an der Sklaverei, und Vielfalt heißt für sie, zwischen einem BMW und einem Audi wählen zu können.


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Vor einigen Wochen schrieb mir eine Leserin: "Man könnte vielleicht verzweifeln. Aber es gibt ja noch Lichtenbergs Beschreibung der Hogartschen Kupferstiche." Wie recht sie hat! Das bucklicht Männlein, mein Ahn und Oheim, beschließt und befriedet seither meine Tage.