Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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20. Juni 2017


Was ist der Unterschied zwischen Frauke Petry und Angela Merkel? Bei Frauke Petry wird jetzt die parlamentarische Immunität aufgehoben, um den ihr vorgeworfenen Rechtsbruch aufzuklären.

(Perfekt getimt übrigens; der Immunitätsausschuss des Landtages wird noch in dieser Woche das weitere Vorgehen beraten, aber frühestens Ende August eine Entscheidung bekannt geben, denn im September wird ja gewählt.)

Was für einen Rechtsbruch der Kanzlerin ich meine?, fragt ein offenbar nur gelegentlicher Leser dieser Seite spürbar lauernd. Nun, Anstiftung zum hunderttausendfachen illegalen Grenzübertritt bzw. tatenlose Billigung desselben unter Inkaufnahme zahlloser Gewalttaten gegen deutsche Staatsbürger, insbesondere Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, Raub. Wenn sich dafür kein Richter findet, liegt es nicht am fehlenden Tatbestand.


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Aus der Welt, Rubrik "Vermischtes" (passt): "Jeder hat mich dreimal vergewaltigt." Jeder was? Ah, eine Gruppe von drei "Männern" war's (hier). Der stern hetzt gruppenbezogen menschenfeindlich und gießt Wasser auf Mühlen mit dem Hinweis: "aus Eritrea". Die Welt zu Gast bei Freunden! Das Problem ist halt, dass die Frau, die eingeladen hat, für die Bewillkommnung nicht zur Verfügung steht.


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"2016, das angeblich 'wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen', ist um satte 0,6 Grad Celsius kühler als der Mittelwert der Jahre bis 1995. (...) Bis 1995 lag der Mittelwert der globalen Temperatur schon bei 15,4 Grad Celsius. Und seitdem soll es immer wärmer geworden sein. Merkwürdigerweise, indem die Temperatur von 15,4 auf 14,8 Grad fiel."

"Kühler ist das neue wärmer" (hier).

PS: "Wie man die globalen Temperaturmessungen der 'Jahre bis 1995' und heute im Durchschnitt vergleichen soll, und dabei auch noch mit einer Genauigkeit von 0,1 Grad Celsius, bei den sich ständig verändernden technischen und wissenschaftlichen Mitteln ist mir sowieso ein gigantisches Rätsel", wendet Leser *** ein. "Selbst wenn man im Physik/Chemieunterricht in der Schule ein simples Experiment machen soll, muss man so viele Stellschrauben und Parameter beachten (wobei jede/r einzelne das Ergebnis signifikant verändern kann), dass ich es nach meinem bescheidenen Kenntnisstand als nahezu unmöglich erachte, die globale (d.h. überall auf der Welt) Durchschnittstemperatur (d.h. ununterbrochen) seit 1880 (d.h. seit 137 Jahren) mit einer solchen Genauigkeit (0,1 Celsius) zu bestimmen. Insofern halte ich beide Seiten in der Klimafrage gewissermaßen für unglaubwürdig und beschränke mich diesbezüglich, solange nicht neue überzeugendere Erkenntnisse vorliegen, auf eine neutrale Position frei nach Sokrates: oîda ouk eidōs."

Aber gewiss doch, geehrter Herr ***, ich poste solche Texte ja nicht, weil ich meinte, sie präsentierten die "Wahrheit", sondern damit sie registriert und in die Wahrheitsfindung (bzw. in die Verfolgung durch anständig Gebliebene) einbezogen werden können. Misstrauen gegen diejenigen, die mit den großen Lösungen vorstellig werden und selber eine zentrale Rolle dabei spielen wollen, und eine heitere Skepsis nach allen Seiten: Mehr will und kann ich hier nicht verbreiten. 


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Auch nicht übel: "Ein Benziner mit einem Verbrauch von 6 Litern pro 100 Kilometer verursacht rund 140 Gramm CO2 pro Kilometer. Somit entspricht die Klimabilanz der Batterieproduktion je nach Elektroauto-Modell einer Fahrtstrecke eines Benziners zwischen 30.000 und 100.000 Kilometern." Schreibt übrigens die taz.


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Und weiter mit der Leserdebatte zum deutschen Seyn und Wesen!

Leser*** zitiert "Walter Lippman's Buchjuwel 'Public Opinion': 'For it is clear enough that under certain conditions men respond as powerfully to fictions as they do to realities, and that in many cases they help to create the very fictions to which they respond... Then comes the sensation of butting one's head against a stone wall, of learning by experience, and witnessing Herbert Spencer's tragedy of the murder of a Beautiful Theory by a Gang of Brutal Facts' (S. 14f.)'", um lakonisch zu schließen: "Hoffen wir, dass die Bande von brutalen Fakten bald ihr Werk verrichten möge."
 
Das sogenannte "'Tocqueville-Paradoxon' (mit dem Abbau von sozialen Ungerechtigkeiten erhöht sich merkwürdigerweise die Unduldsamkeit gegenüber verbleibenden Ungleichheiten)", fährt *** fort, "kennzeichnet treffend unsere gesellschaftlich-politische Entwicklung, in der jede NGO, jede lautstarke Minderheit mit Klagen über angebliche fürchterliche soziale Diskriminierungen von Minderheit xy einen Sturm in der öffentlichen Meinung hervorrufen kann.
 
Tocqueville nimmt wahr, dass Menschen Empathie tendenziell eher mit ihresgleichen empfinden, mit als fremd oder verschieden Wahrgenommenen normalerweise weitaus weniger (bei uns heute ist das anders, aber wir sind ja nicht normal).
Er deutet damit die modernen Theorien des 'Sozialkapitals' an, die mit Namen wie Bourdieu, Putnam oder Nan Lin verknüpft sind. 'Soziales Kapital' beschreibt jene durch gemeinsame Werte, durch gegenseitiges Grundvertrauen und von ähnlichen Verhaltensmustern gekennzeichnete soziale Interaktionen, die 'funktionierende' Grossgruppen erst ermöglichen.
Erst sie führen zu einem Zustand der permanenten Integration und Kooperation der Mitglieder einer Gesellschaft. Gehen sie verloren, zerfällt eine Gesellschaft (Putnam).
(...)
Tocquevilles Aussagen über Algerien sind teils ähnlich bemerkenswert:
'Der einzige gemeinsame Nenner, der... als Band zwischen... [den arabischen] Stämmen dienen könnte, ist die Religion; das einzige gemeinsame Empfinden... ist der Hass auf den Fremden und Ungläubigen, der in ihr Land eingedrungen ist... [Der Führer] der diese Stämme regieren wird, wird umso mächtiger und unantastbarer sein, je mehr er diese gemeinsamen Empfindungen und Ideen anstachelt... Das heisst, seine Herrschaft wird desto sicherer und stärker sein, je mehr Fanatismus und Hass er gegen uns schürt.'
(...)
Während unsere heutigen europäischen Neo-Flagellanten sich in der Kritik an der – zweifellos auch vorhandenen – westlichen Rassismus- und Überheblichkeitstradition mit wildem Eifer suhlen – beim Eifer sind immer drei Viertel Dummheit (Talleyrand) – und der arabische Rassismus, etwa bei Avicenna, völlig ignoriert wird, übersehen sie geflissentlich die Gegenströmung, die es zumindest seit Tacitus eben auch gegeben hat: Selbstkritik an der eigenen Kultur, bis zum 'Edlen Wilden' Drydens und Montaignes und bis zum Papalagi.
Etwas derartiges gibt es in der Geschichte zum Beispiel der muslimischen Gesellschaften m.W. kaum – von wenigen verschämten, lange vergangenen Andeutungen etwa bei Omar Chajjam und einigen anderen abgesehen.
 
Wir leben in geschichtsvergessenen, dekadenten Zeiten."


Leser *** wiederum steuert den folgenden Gedanken bei:
"Die Völker Europas sind i.W. das, zu dem sie die katholische Kirche erzogen hat, und was sich auch in den örtlichen Kathedralen, Münstern und Domen ausdrückt, in Frankreich bspw. geometrische Strenge und Ordnung als Sinnbild der Allumfassendheit des Gesetzes und in Deutschland schlanke Höhe als Sinnbild der Bemühung um das höchste, nämlich die Vernunft. Dies ist zunächst einmal nur ein Ansatz, ein Weg zum Reich Gottes, wie jeder andere auch, mit seinen zugehörigen Eigenheiten, zu welchen eben auch eine gewisse Prinzipienreiterei gehört.

Allerdings erklärt sich daraus keineswegs, warum die Deutschen es nicht schaffen, eine Frau abzuwählen, deren Auffassung des Vernünftigen nur von einem Drittel von ihnen geteilt wird. Der Grund hierfür liegt nicht im Charakter der Deutschen – in einer anderen Konstellation wäre sie längst geteert und gefedert – sondern im Mißtrauen, welches Deutsche anderen Deutschen gegenüber pflegen, oder konkreter gesagt in der Angst der Katholiken davor, wen die Protestanten an die Macht wählen würden, wenn sie Merkel nicht stützten, oder meinethalben auch in der Angst der Reichen davor, wen die Armen sonst an die Macht wählen würden, oder in der Angst der Süddeutschen davor, wen die Norddeutschen sonst an die Macht wählen würden, oder in der Angst der industriell entwickelten Gegenden davor, wen die industriell nicht entwickelten Gegenden an die Macht wählen würden, oder wie auch immer sonst Sie die Wahlstatistik auswerten wollen: Merkel steht in der Mitte zwischen Industrie und Volksempfinden, wie Hitler in der Mitte zwischen Industrie und SA stand, und wer immer in der Mitte steht, kann tun und lassen, was er will, so lange er nur in der Mitte steht und beide Enden einander brauchen."