Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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27. Juni 2017


Ein verlässliches Indiz dafür, dass sich eine freie Gesellschaft allmählich in eine totalitäre verwandelt, liegt vor, wenn mediokre Geister ganz ungeniert und so gut wie unwidersprochen überlegene Köpfe schmähen, diskreditieren und nach deren Exkommunikation verlangen dürfen.


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Was macht eigentlich unser aller sozialdemokratisches, von Donald Trump schändlich verleumdetes Mutterland Schweden? Na, sich in Buntheit auflösen, was denn sonst? Die Zahl der "gesetzlosen Gebiete" vulgo No-go-Areas soll sich auf 61 erhöht haben (aber was heißt schon: No-go? Offenbar sind ja viele dorthin gegangen, die noch nicht länger in Bullerbü leben, alles eine Frage der Perspektive). "Sweden’s National Police Commissioner, Dan Eliasson", wahrscheinlich ein "Panikmacher" (P. Bahners), "spoke on national television and pleaded for assistance: 'Help us, help us!', he said, while warning that Swedish police forces no longer can uphold the law and therefore must ask all good powers in the country to support them." Gegen wen? Da kommen Sie nie drauf...

Der Schriftsteller Johan Patrik Engellau, Vorsitzender der Denkfabrik "The New Welfar" und früherer UN-Mitarbeiter, warnt: "Ich fürchte, das ist das Ende des gutorganisierten, aufstrebenden und egalitären Schweden, wie wir es bisher kannten. Ich wäre nicht überrascht, wenn bürgerkriegsartige Zustände einträten. Mancherorts hat der Bürgerkrieg womöglich bereits begonnen" (noch mehr Hetze hier).

Kann uns nicht so schnell passieren. Erstmal muss Merkel wiedergewählt werden.


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Leser *** fragt: "Wenn Sie ganz ernsthaft und unwiderruflich (!) in ein vergangenes Zeitalter 'zeitreisen' könnten (mit allen Konsequenzen nebst dem dazugehörigen Vergessen, dass sie aus der Zukunft kamen) – gäbe es einen Zeitabschnitt, zu dem sie tatsächlich ohne Rückkehr aufgrund Ihres heutigen Wissens reisen würden? Ich habe für mich die Frage mit 'nein' beantwortet (allenfalls eine Zukunftsreise brächte mich zum Nachdenken), was für mich heißt, dass keine vergangene Zeit so verlockend ist (trotz all der Persönlichkeiten, die es früher gab), dass ich die Annehmlichkeiten der heutigen Zeit tauschen würde. Also muß man es hier trotz allem noch ganz gut aushalten können ..."

Sehr geehrter Herr ***, selbstredend sind die meisten Heutigen und vor allem ich in einem Maße verzärtelt (und glaubensfern), dass allein die medizinischen und hygienischen Zustände allenfalls eine Reise ohne Wiederkehr in die vergangenen hundert bis hundertfünfzig Jahre zuließen. Ich habe einmal geschrieben, dass ich mir ein Dasein als Privatgelehrter im Kaiserreich ganz gut vorstellen könnte, zurückgezogen lebend, der Literatur, den Künsten, der Gastronomie und den Frauen zugewandt, mit regelmäßigen Reisen nach Wien, Paris und Italien, in einer Zeit hoher Kultur und außergewöhnlicher Liberalität lebend, mit allem erforderlichen Komfort und weit genug entfernt vom inzwischen allgegenwärtigen Gesinnungslärm und Eventgetöse und vom Terror der Preisschilder auf Menschen und Dingen. Allerdings befände ich mich ja im Bilde darüber, wie und woran und vor allem dass diese Welt zugrundegegangen ist; wie sollte ich also in eine Vergangenheit fliehen, von der ich wüsste, dass meine Kinder in den Kataklysmen der Zukunft elend zugrunde gehen könnten? Und als Kaiser darf ich mich ja nicht nominieren lassen, wie? Wobei ich es bestimmt noch weit schlimmer hinbekommen hätte als der zu Unrecht oft arg schlimm dargestellte Wilhelm II.

Kurzum: Die Frage übersteigt unseren Horizont, weil ihre Beantwortung Kenntnisse voraussetzt, die dann wiederum nicht gelten sollen. Es kann ja auch sein, dass wir in zwanzig Jahren antworten würden: Nur weg, egal in welche Zeit! Oder aber: Welche Wonne, in dieser Zeit zu leben! Was auch manch Renaissance-Gelehrter ausrief, vollkommen ahnungslos, auf welche ästhetischen Höhen Zahnmedizin, Intimrasur und Biennale Europa dermaleinst führen sollten. Ein gnädiger Gott lässt uns blind und ohne andere Optionen (außer jener Sieferles) der Zukunft entgegenstreben, und so ist es recht. Machen wir uns nicht so wichtig. Am Ende passt nicht nur jeder in seinen Sarg, sondern auch in seine Zeit. 


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"Eine kurze Bemerkung zu Herrn Sieferle", sendet Leserin ***: "Ich werde sein Buch ganz sicherlich nicht  lesen!

Mag er analytisch und literarisch noch so brillant sein und mag er die Wahrheit über die Situation in Germania noch so treffend dargelegt haben – was ist die Conclusio aus dem Buch? Was gibt er uns? Nicht Kraft zum Durchhalten, nicht Klarheit und Ausdauer, sondern Niederlage, Aufgeben, Selbstmord!

Die Tatsache, daß er abgehauen ist, heißt, daß er sich, sein Werk und auch seine Frau dem Feind ausgeliefert hat. Der hat jetzt alles vereinnahmt, gegen uns gedreht und schickt damit alle Sieferles in den Selbstmord. Und das wirkt schon, wenn ich auch nur einen einzigen Nebensatz gut finde, ganz zu schweigen ganze Passagen, oder das ganze Buch ... Er ist nichts anderes als der Flötenspieler, der seine Leser in den eigenen Untergang führt.

Uns, die wir jeden Tag aufs Neue um das Durchhalten kämpfen, wird ein intellektuell brillant verpackter Grund für Selbstmord vorgesetzt."

Etwas Ähnliches sagte vor ein paar Tagen, auf das Gleichnis anspielend, Sieferle habe die Welt aus der Perspektive des Ikarus gesehen, stürzend, aber offenen Auges bis zuletzt, im schönen Meißen ein Mann zu mir: "Wissen Sie, ich sehe die Welt ja aus der Sicht des Daidalos..."