Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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12. Dezember 2017


Ein Bekannter sendet mir diesen Gewaltaufruf der aktuellen Nazis gegen die angeblichen, fotografiert irgendwo in der TU Dresden, mit den begleitenden Worten: "Man beginnt zu ahnen, welche Widerwärtigkeiten uns noch erwarten."

(Ich hatte zuerst das Original gepostet; auf Wunsch eines der Dargestellten, die Prangerbotschaft nicht noch nolens volens weiterzuverbeiten, ist das Plakat jetzt verfremdet.)

Plakat.jpg

Ob die sinistren Figuren, die dergleichen Steckbriefe ermüdend dumpfen Inhalts fabrizieren, tatsächlich so strunzdumm sind, dass ihnen nicht schwant, wie sehr sie in ihrem meutenbehaglichen Verfolgungseifer und ihrer Denunziationswut dem originalen braunen Gelichter gleichen, wie sehr die Minderheit auf der Gegenseite allein durch das Auftreten solcher Verfolgertypen Sympathie verdient? Auf dass es zuletzt sogar den Allerweltslinken graust und er eine Metamorphose ungefähr wie Dr. Inge Ruoff in Friedrich Wolfs "Professor Mamlock" durchläuft?


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"Der Linke zitiert Diskurse, der Rechte Tatsachen." (Nicolás Gómez Dávila)

Zum Beispiel diese.


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Mein Ausflug in die Fußballwelt (A. d. vom 9. Dezember) hat eindeutige, aber ambivalente Reaktionen ausgelöst, Zustimmung auf der einen, rigide Ablehnung auf der anderen Seite. Manche Menschen vermögen sich nicht vorzustellen, dass inmitten dieses Unterschichtsgetöses plötzlich ein Pass gespielt werden kann, der so schön ist wie ein Statue des Phidias oder ein Motiv Mozarts (wobei natürlich nur eine Bergetappe der Tour de France den Anspruch erheben darf, homerisch genannt zu werden). Die originellste Mail will ich Ihnen nicht vorenthalten, sie kam in formloser Anonymität und lautete:

"Fußball - geht`s noch primitiver ? Wie wäre es mit einem Vorschlag für den nächsten Sonntag:‚Taschenbilliard’/’Fix und Foxi’ (oh, entschuldigung, die unendlich wertvollen Digedags...)/Popelkunde `=Never trust an Ossie, they will always let you down in the end, ALWAYS !"

Ich ahnte ja nicht, dass ich auch so spezielle Leser habe. – Freilich kann ich versichern, dass ich nicht vorhatte, Sie künftig regelmäßig mit Leibesübungen zu behelligen, das tun öffentlich genug andere, und darüber hinaus ist Sport eine Sache, die man beharrlich, aber diskret betreiben sollte. Eine Zuschrift allerdings will ich in beinahe voller Länge zitieren, weil sie einen Bogen schlägt vom Fußballverein Borussia Dortmund zum Zeitgeist:

"Der Klub hat unter dem guten Kaufmann Joachim Watzke, einem dieser Menschen, der irgendetwas sehr gut versteht und das meiste andere überhaupt nicht, schlechthin seine Seele verloren. Außerhalb der Bilanzpressekonferenz ist der Mann eine Katastrophe. Vereinspolitisch. Dass man ihm mehr zutraut, ist, siehe Jim Knopf, ein Scheinriesentum und liegt allein an dem damaligen Glücksgriff Jürgen Klopp, der auf Watzke imagemäßig abfärbte. (...)

Vor Joachim Watzkes kulturzersetzendem Wirken war der BVB ein kerniger Revierclub, nicht zufällig beheimatet in der ‚Herzkammer der Sozialdemokratie’. Diese war damals im Revier noch nicht diese verlogene Schmierlappentruppe, die sie heute ist, sondern durchaus ehrbar und strahlte exakt dieses unverstellt Kernige aus, das ein August Bebel ihr einst einimpfte und das sich mit der westfälischen Mentalität so wunderbar verband. Genau deswegen imponierte die alte Borussia, obwohl durch und durch ‚links’, vielen Rechten. Sie war Preußentum und Sozialismus.

Das Preußische war, erst als Tatsache, dann als Mythos, integraler Bestandteil von Nation und Vaterland. Und genau diese Art von Kollektiv, das da rings um den Verein und auf der Tribüne spürbar war, war großartig. Noch in den neunziger Jahren war der BVB so. Kennen Sie das Lied "Booooooorussiaaaaaa, Boooooooooorussiaaaaaa" noch? Das Lied wird nicht mehr gesungen vor dem Spiel. Weil Preußen ja politisch inkorrekt ist. Am liebsten hätte Watzke gleich den Verein umbenannt. Das konnte er nicht. Aber das Lied killen, das konnte er. Ein sehr aufschlußreiches Symbol. Stattdessen läuft jetzt ‚You'll never walk alone’ – vom FC Liverpool. Darf man so etwas Verrat nennen? Es ist der leider gelungene und weithin abgeschlossene Versuch, den kollektiven Instinkt des Vereins auf Bahnen zu lenken, die irgend etwas mit Globalismus (Weltsprache Englisch), mit trutschigem Mutterlanddesfußballtraditionalismus (als hätte der BVB keine Tradition) und irgend etwas mit Westsiegermachtpsychose (britische Besatzungszone) zu tun haben. Ein echter Watzke. Und mehr als ein Symbol. Aber es kommt noch schlimmer. Wenn CSD ist, spielt der BVB seit Jahren mit Regenbogen-Eckfähnchen. Es läuft der Versuch, sich an alles, was gerade en vogue ist (und damit in den politischen Subtexten in Deutschland: minderwertig) ranzuwanzen.

Und interessanterweise hat sich mit dieser schleichenden Veränderung der Vereinskultur – es strahlt ja aus vom kalten Büro ins Umfeld – von kernig sozialistisch nach schmierig links, auch das Verhalten der Fans verändert. Die alten BVB-Fans zählten zu den anständigsten in ganz Deutschland. Die heutigen haben ein Stilproblem (man denke an die Transparente gegen RB: ‚Mintzlaff Du Hurensohn’ und Heimspiele vor strafgesperrten Rängen) und ein Prügelproblem, das man auch Gewaltproblem nennen darf. Überfälle auf andere Fans an der Autobahnraststätte. Als wären das AfDler! Feine Näschen sehen da eine Subkultur der Antifa mit schwarzgelbem Fanschal. Man mag das übertrieben finden oder nicht. Nicht übertrieben ist es, festzuhalten, dass der BVB langsam verzeckt. Dass er früher der Sozialdemokratie ähnelte, war keineswegs sein Problem. Sein Problem ist, dass er ihr heute, da sie zum Himmel stinkt, immer noch ähnelt.

Komisch, dass so ein androgyn politkorrekter Dollarzeichenweichspülercclub dann auf einmal feststellt, keine, ogottogott, Führungsspieler im Kader zu haben. Kennen Sie die Opel-Werbung für selbstfahrende Autos? In der Schmelzer, Bartra und Weigl – drei konturlose Bübchen (wobei Weigl wenigstens Fußball spielen kann) – während einer Autofahrt auf dem Rücksitz mit Ihren Smartphones beschäftigt sind, und dann ganz entsetzt und schreiend feststellen, dass ja gar keiner fährt... Es ist ein ziemlich gutes Symbol für den Winter-BVB des Jahres 2017, mit dem kleinen Unterschied, dass bei der Kulturselbstzerstörung der Schrei ausbleibt, weil die wenigsten sie auch nur wittern. (...)

So aber ist in einem Verein, der außer beim Bilanzpimpen von allen guten Geistern verlassen ist, nun – o wunder? – auf einmal auch das Team ein seelenloses Hochglanzprodukt, dem der Lack abplatzt. Da kommt Schmelzer her. Der Mann ist Mannschaftskapitän, und es ist der falsche. Schmelzer ist ein lieber Kerl und ein leicht überdurchschnittlicher Bundesligaspieler auf seiner Position. Aber das war's. Zu ruhig, zu lieb, zu nett. Das ist doch kein Führungsspieler. Warum hat der BVB einen Kapitän, der in einem gut geführten Verein vielleicht stellvertretendes Mitglied im Mannschaftsrat wäre? Der richtige wäre Sahin. Auch nicht optimal, aber besser. Türke Ali an Thyssens Hochofen.

Borussias Problem lösen soll nun – ein Ösi. Man hörte ein leises Lachen aus der Habsburger Kaisergruft."


PS: Als Illustration des Problems ein "Bekenntnis", das mir ein anderer Leser zuschickte: