Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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30. Mai 2018



"Da Sie meine Stimme hören wollen, beeile ich mich, zu erklären, daß ich mich auf die Seite der Opponenten gegen diese geplante Verarmung, Verhässlichung und Verundeutlichung des deutschen Schriftbildes stelle. (...) Mich stößt die Brutalität ab, die darin liegt, über die etymologische Geschichte der Worte rücksichtslos hinwegzugehen."
Thomas Mann im Juni 1954 zu Bestrebungen, die deutsche Orthographie zu vereinfachen, aber das "Gendersternchen" noch nicht ansatzweise ahnend      


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Diese Meldung ging heute morgen an die Presse, fand aber bislang nur Platz in den zahlreichen Lücken dortselbst, weshalb ich sie hier (sacht gekürzt) an das Publikum meines kleinen Eckladens weiterreiche:

"Der Kreisverband Leipzig-Land der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) solidarisiert sich mit der 'Gemeinsamen Erklärung 2018' und fordert von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine grundsätzliche Kurskorrektur in der Zuwanderungspolitik. Hans-Jörg Köhler, Kreisvorsitzender der MIT Leipzig-Land und Inhaber eines Handwerkerbetriebs der Dachdeckerbranche: 'Angela Merkel fügt mit ihrer Politik der Zuwanderung in unsere Sozialsysteme Deutschland einen schweren Schaden zu. Dringend notwendige Reformen und Steuererleichterungen für den Mittelstand und die arbeitende Bevölkerung werden verzögert. Die Zeche für dieses ignorante Vorgehen an dem Willen von Wähler vorbei wird der deutsche Nettosteuer- und Beitragszahler bezahlen müssen. Schlimmer noch: Die Migration in die Sozialsysteme entspricht einer Nettoneuverschuldung eines dreistelligen Milliardenbetrages, welche zukünftige Generationen zahlen müsse. Gegen diese Politik müssen wir uns gerade als CDU-Mitglieder und Mittelständer aus Verantwortung vor unserer Heimatregion wehren!'

Der Pressesprecher der MIT Leipzig-Land Stefan Friedrich ergänzt: 'Die Grenzöffnung und rechtswidrige Massenzuwanderung war ein Jahrhundertfehler, wie der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU im Bundestag, Christian von Stetten, schon früh im Herbst 2015 feststellte. Angela Merkel darf nicht länger am Willen des Volkes vorbei regieren. Unterstützen Sie daher bitte diese Petition für eine Kurskorrektur in der Migrationspolitik.'

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU/CSU (MIT) ist mit 25.000 Mitgliedern der stärkste und einflussreichste parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland. Die MIT setzt sich für die Soziale Marktwirtschaft und für mehr Unternehmergeist in der Politik ein."


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Der Unterschied zwischen dem djihadistischen Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 und dem rechtsextremistischen Anschlag auf ein von Türken bewohntes Haus in Solingen am 29. Mai 1993 besteht nicht nur darin, dass der aktuellere Fall eine direkte Folge der Regierungspolitik gewesen ist, sondern, diese Prognose sei gewagt, es werden sich nicht 25 Jahre später Angehörige der Opfer und Regierungsvertreter zur Trauerveranstaltung versammeln – allein schon deshalb, weil in 25 Jahren hinreichend viele solcher Terrorakte stattgefunden haben werden, als dass man an jeden einzelnen erinnern könnte, und solche Veranstaltungen ohnehin nur ein gefundenes Fressen für rassistische Hetzer wären.

In einer Zeit, da deutsche Bürger im Tagestakt Opfer von hierzulande mit dem Segen der Parteien- und Staatsführung eingedrungenen Gewalttätern werden, kommt der Wahrheits- und Qualitätspresse natürlich nichts gelegener als ein sich zum Gedenktag rundender schändlicher Anschlag der passenden Täter auf die richtigen Opfer. Man darf sich hier keinesfalls dazu hinreißen lassen, aus Aversion gegen die perfide Indienstnahme des Solinger Fünffachmordes durch Bekämpfer der Nazimentalität vermittels derselben – allen voran der kleine Doktor vom Süddeutschen Beobachter ("Die Täter hinter den Tätern waren Politiker, die gegen Flüchtlinge hetzten. Sie bereiteten der AfD den Weg") – den damaligen Opfern das Mitgefühl zu versagen, und über die Täter muss ohnehin kein Wort verloren werden; wer einer schlafenden Familie Brandsätze ins Haus wirft, sollte nach meiner bescheidenen Meinung kurzerhand aufgeknüpft werden, übrigens sogar dann, wenn es sich um die Familie eines AfD-Politikers handelte, obwohl der ja in gewisser Weise selber schuld wäre... – ich schweife ab.

Die Kanzlerin jedenfalls fand die Gelegenheit trefflich, ihren angelegentlich des NSU gegen alle schon länger hier Lebenden geschmetterten Satz zu wiederholen, solche Taten seien "eine Schande für Deutschland", was sie vom u.a. Breitscheidplatz-Attentat unterscheidet, welches ja bloß eine Schande für Merkels immer noch allen Ernstes so genannte Flüchtlingspolitik war. Tatsächlich hatten sowohl die Attentäter von Solingen als auch die NSU-Mörder (sofern sie tatsächlich die ihnen zur Last gelegten Morde begangen haben, woran zu zweifeln mir meine kerndeutsche Treue zur Regierung verbietet) keinerlei Rückhalt bei "den Deutschen", sie mussten sich verstecken, sie agierten im Dunklen und Verborgenen, und niemand feierte ihren teils sozialen, teils tatsächlichen Selbstmord als "Märtyrertod". Sie taugen folglich als Objekte einer Kollektivschande ungefähr so, wie Katrin Göring-Eckardt eine Schande für die protestantische Theologie bzw. die weibliche Intelligenz wäre, sofern die Grünen ihre Parteimitgliedschaft, ja ihre Existenz verheimlichen würden.

Bemerkenswert in diesem Kontext ist ein Interview, welches der Anwalt Mehmet Daimagüler dem Süddeutschen gab. Zunächst einmal instrumentalisiert auch Daimagüler die damaligen Anschläge für seine aktuellen politischen und beruflichen Ambitionen:

"Schauen Sie sich die Art und Weise an, wie wir heute und Anfang der 90er Jahre über Flüchtlinge reden. Da wird ein Szenario heraufbeschworen, in dem Deutschlands Existenz auf dem Spiel steht, wegen des 'Türken-' oder 'Migrantenproblems'. Man sieht daran: Es hat keine Zäsur gegeben. Die Dinge haben sich nicht geändert nach Solingen, Mölln, Lübeck und dem NSU. Die deutsche Politik hat nichts gelernt. Zumindest große Teile davon nicht. Wir haben weiterhin rassistische Morde."

Der große Vorteil der islamischen oder islamistischen oder auch weltlicheren Gelüsten entspringenden Morde, vermittels derer sich muslimische Einwanderer im Okzident exponieren, besteht darin, dass sie nicht rassistisch sind. Sogar der muslimische Judenhass ist kein "traditioneller Antisemitismus", denn den hat erst "der Westen" (bzw. Deutschland) in den Orient gebracht, wie ebenfalls der Beobachter ermitteln und erläutern ließ (im Übrigen kann man als Jude ja einfach konvertieren, und schon lassen einen die überfrommen Muslime, anders als die Nazis, in Ruhe). Welche "rassistischen" Morde "wir haben", erläutert Daimagüler nicht. Mia aus Kandel und Maria aus Freiburg wird er wohl nicht meinen, denn diese Morde waren allenfalls sexistische und überdies lediglich affektbefeuerte Tötungen. Dass die Einwanderung von ca. 1,5 Millionen überwiegend muslimischen und überwiegend analphabetischen Asylbegehrern in die deutschen Sozialsysteme und den deutschen Wohnungsmarkt keine "Zäsur" im Sinne eines "Migrantenproblems" gewesen ist, hat die Wahrheits- und Qualitätspresse oft genug betont und darf als verbindliche Interpretation gelten. Die Frage, was die deutsche Politik denn gelernt haben sollte, verkneift sich der Genosse Journalist diskret. Denn die Antwort müsste ja ungefähr lauten: Damit das Migrationsproblem kleiner wird, müssen so viele Migranten kommen, dass die Deutschen sich nicht mehr getrauen, ein Problem daraus zu machen, weil sonst ... Lauschen wir aber weiter dem Vertreter der Ausgegrenzten: 

"Im Staatenbericht der Bundesregierung an den UN-Menschenrechtsrat heißt es, dass wir kein Problem mit institutionellem Rassismus haben, sondern es nur bedauerliche Einzelfälle gibt. Das entspricht nicht meiner Erfahrung."

Als "Einzelfälle", da hat der Gevatter recht, gelten hierzulande andere Vorkommnisse mit anderen Verursachern, deren kumulative Alltäglichkeit sich mit dem Status des Bedauerlichen so wenig verträgt, dass man sie als Struktur rücksichtsvoll beschweigt.

"Wir haben den Paragrafen 22 im Bundespolizeigesetz, da steht drin, wann die Polizei Leute kontrollieren darf. Bei anlasslosen Kontrollen kann die Polizei aufgrund eigener Erfahrungen entscheiden. Als ich das in einer Klasse von jungen Polizeibeamten angesprochen habe, sagte mir ein etwa 25-jähriger Mann: 'Ich habe noch nie bei einer 84-jährigen Oma Drogen gefunden, aber bei schwarzen jungen Männern. Deswegen kontrolliere ich schwarze junge Männer.' (...) Später hat er auch eingeräumt, dass er bei den allerwenigsten schwarzen jungen Männern, die er kontrolliert hat, Drogen gefunden hat. Was ich damit sagen will: Dieser Mann ist kein Rassist. Er ist einem System ausgesetzt, dem er sich anpasst. In diesem System gibt es geschriebene wie ungeschriebene Regeln, die dazu führen, dass manche schlechter behandelt werden als andere."

Und dass die 84-jährigen Omas durchschlüpfen können! Ein ähnliches Problem hatte unlängst die Premiumjournalistin Dunja Hayali, die sich im Berliner Görlitzer Park zunächst mit drei Mohren und danach mit ihren Vorurteilen konfrontiert sah, aber nach öffentlicher Selbstbezichtigung ungefragt Abbitte leistete. Dass wir ein erhebliches intellektuelles Problem haben, wenn öffentlich agierende Personen entweder nicht in der Lage sind (oder es auch bloß fingieren), mit Statistiken umgehen zu können, ist wahrscheinlich bloß rechtspopulistisches Geunke. Nein, keineswegs jeder junge schwarze Mann ist ein Drogendealer, aber junge schwarze Männer sind in diesem Deliktbereich erheblich überrepräsentiert, speziell junge schwarze Männer im Görlitzer Park, weshalb Frau Hayali und der junge Polizist getröstet aufschluchzen dürfen. Dass Dinge parallel geschehen, bedeutet nicht, dass sie in unmittelbarem Zusammenhang stehen, und wenn sie einander widersprechen, schließen sie sich trotzdem nicht aus. Ein Viertel bis Fünftel junger Männer türkischer Abstammung geht ohne vernünftigen Abschluss ins Berufs- oder Hartz IV-Leben, was durch die Tatsache, dass es türkischstämmige Professoren, Anwälte, Schauspieler oder Kolumnisten gibt, nicht im Geringsten berührt wird. Zwischen Solingen und dem Aufstieg der AfD besteht kein plausiblerer Zusammenhang als zwischen der Nobelpreisträgerdichte des Kaiserreichs und dem Deutsch von Frau Merkel. Es gibt allerdings kein einziges Vorurteil, in dem nicht ein Körnchen – meistens freilich ein Klumpen – Wahrheit liegt, und wer Statistiken zu lesen versteht, erlebt dabei einen ausgelassenen Flirt zwischen Empirie und Vorurteil. 

Wir kommen zum eigentlichen Kern des Interviews. Noch unter unserem Justizminister und Genossen Heiko Maas – Er lebe hoch! Hoch! Hoch! – sei der Paragraph 46 des Strafgesetzbuchs verändert worden, erinnert der Interviewer, es könne jetzt strafverschärfend berücksichtigt werden, wenn eine Tat aus rassistischen Gründen begangen wird. Der Interviewte repliziert:

"Das ist ja gut. Nur, das setzt voraus, dass es ein Gerichtsverfahren gibt, in dem allen Beteiligten bewusst ist, dass es hier um Rassismus geht. Das ist aber häufig nicht der Fall. Der Hatecrime-Aspekt wird von der Polizei häufig nicht erkannt."

Nach Lage der Dinge handelt es sich bei der Einführung eines Delikts namens "Hasskriminalität" um einen Angriff auf den Rechtsstaat. Das weiß auch der Herr Anwalt, aber er verfolgt ja eine politische, keine juristische Agenda. Zum einen wird ein rassistisches Strafrecht etabliert, das nur gegen (Bio-)Deutsche angewendet werden kann. Zum anderen kennt die Göttin der Gerechtigkeit keinen Unterschied zwischen einem Angriff aus Eifersucht, einem Angriff aus religiösem Fanatismus und einem Angriff aus Rassismus, sofern die Folgen jeweils identisch sind. Alles andere ist Gesinnungsstrafrecht.

"Ich finde es auch vorbildlich, wie die Bundesanwaltschaft mit der rechtsterroristischen Gruppe Freital umgegangen ist. Aber: Wir müssten auch gesetzgeberisch einiges tun, um wirksamer gegen Rassismus vorzugehen."

Dieses Beispiel ist bezeichnend. Die sogenannten Gruppe Freital hat Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt, bei denen, wenn ich nichts überlesen habe, eine Person verletzt wurde und Sachschaden entstand. Die Bundesanwaltschaft schaltete sich ein und klagte die Gruppe wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und versuchten Mordes an, die beiden Haupttäter erhielten neuneinhalb und zehn Jahre, einer der Mittäter, der nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, bekam vier Jahre. Die Urteile mögen für sich genommen zwar hart, aber gerecht sein; neben den Strafen, die Migranten für Gruppenvergewaltigungen und schwerste Körperverletzungen gemeinhin erhalten, wirken sie allerdings grotesk und zeigen, wie weit die von Daimagüler geforderte Zwei-Kategorien- oder Gesinnungsjustiz schon durchgesetzt ist.

So hat das Landgericht Potsdam im Februar 2017 einen NPD-Mann wegen eines Brandanschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen zu acht Jahren Haft verurteilt. Einen weiteren Angeklagten verknackte die Staatsschutzkammer als Mittäter zu sieben Jahren Gefängnis. Bei dem Anschlag war im August 2015 eine Sporthalle komplett niedergebrannt. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden wurde auf 3,5 Millionen Euro geschätzt. Mag sein, dass auch hier die Höhe der Strafe angemessen gewesen ist – die beiden Haupttäter waren vorbestraft –; ich beurteile die Strafen nicht, sondern vergleiche sie. Der Vorsitzende Richter sagte in seiner Urteilsbegründung, die Brandstifter hätten eindeutig aus fremdenfeindlichen und rechtsextremen Motiven gehandelt. Damit wurde amtlich, was deutsche Politiker in der jüngeren Vergangenheit vielfach forderten: dass Delikt nicht gleich Delikt ist, sondern ein Brandanschlag aus fremdenfeindlichen Motiven schlimmer ist, als derselbe Brand es wäre, wenn er aus schieren materiellen Motiven (Versicherungsbetrug, Missgunst etc.) oder aus noch schiererer pyromanischer Lust gestiftet würde. Interessant wäre die Urteilsbegründung, wenn ein Linksextremist aus fremdenfreundlichen Motiven etwas abfackelte, einen geplanten Abschiebeknast etwa oder eine Station der Grenzpolizei. Oder den Pkw einer schlimmen Politikerin.

Im Juni 2016 brach in einem Düsseldorfer Flüchtlingsheim ein Großbrand aus, als Hauptverdächtiger wurde Mohammed B. verhaftet, 130 Mitinsassen hatten sich im Heim befunden, der Sachschaden belief sich auf zehn Millionen Euro. Das Motiv war allahlob kein rassistisches, angeblich waren B. und seinen Mitstreitern die Essensportionen zu klein. Aus Mangel an Beweisen – wie Sie hier nachlesen können vielleicht auch aus Mangel an Interesse an Beweisen – wurden die Angeklagten schließlich freigesprochen. Es gibt in solchen Fällen weder politischen noch medialen noch "gesellschaftlichen" Druck auf die Ermittlungsbehörden, den Schuldigen zu präsentieren.

In Wuppertal verübten drei juvenile Palästinenser mit dieselbefüllten Brandflaschen einen Anschlag auf die dortige Synagoge. Das Wuppertaler Amtsgericht verurteilte sie im Februar 2015 wegen versuchter schwerer Brandstiftung auf, na was denn sonst, Bewährung. Strafmildernd wertete das Gericht, dass sich außer dem Anschlag "keinerlei Anhaltspunkte für eine antisemitische Einstellung" der Zündler ergeben hätten. Denn es gibt keinen traditionellen arabischen Antisemitismus, schon vergessen? Wieviele Dezibel hätte der #aufschrei erzeugt, der unfehlbar erschallt wäre, hätten deutsche Jugendliche Brandsätze gegen eine Moschee geworfen, und ein Gericht hätte ihnen bescheinigt, außer dem Anschlag auf das Gotteshaus sei bei den Tätern keine islamfeindliche Einstellung erkennbar? Fragen Sie Herrn Daimagüler.

PS: Die Bundesanwaltschaft ist übrigens bis heute nicht bereit, die Antifa oder die legendären Araberclans zu kriminellen Vereinigungen zu erklären. Ersteres verhindern gewisse Parteien, Letzteres die Angst.



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Weil wir eben über Empirie und Vorurteil sprachen: Nicht eine Sekunde wollte mein Vorurteil wanken, dass der "Mann", der im lauschigen Salzgitter seine Ex, mit der er vier Kinder hatte, und deren Begleiterin auf offener Straße zusammenschoss, ein Moslem ist. Inzwischen meldet die Presse, dass er aus dem Kosovo stammt. Für solche Fälle gilt die verbindliche Formulierung, ein "Familiendrama" habe sich ereignet, und brav apportiert auch die FAZ das Gewünschte. Familiendramen, so sehr sie sich "gefühlt" häufen mögen, haben weder mit der Herkunft noch der Kultur noch irgendwelchen Glaubensvorstellungen der Beteiligten zu tun, und wenn sie jemals eine Schande sein sollten, dann nur für die heterosexuelle Familie als solche.
 

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Treiben wir noch ein bisschen Vorurteilskunde im Lichte der unverallgemeinerbaren Einzelfallsempirie.
"Innerhalb von zwei Stunden geht ein Mann in Freiburg auf drei Frauen los. Er will sie vergewaltigen, begrapscht sie, zerrt sie ins Gebüsch" (hier).
Das Vorurteil sagt: Fachkraft, noch nicht lange im Lande. Die Empirie: ...
"In einem Intercity-Zug im Bahnhof Flensburg sind bei einem Messerangriff eine Person getötet und zwei Personen verletzt worden, davon eine schwer" (hier).
Das Vorurteil sagt: Fachkraft, noch nicht lange im Lande. Die Empirie: ...
"Nach einer Massenschlägerei zwischen einer Vielzahl von Männern in der Innenstadt nahm die Essener Polizei acht Tatverdächtige vorläufig fest. Sie waren teilweise verletzt und an ihrer Bekleidung waren Blutspuren erkennbar" (hier).
Das Vorurteil sagt: Fachkräfte, noch nicht wirklich lange im Lande. Die Empirie: ...


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Neulich vermeldete die Verurteilsfreiheits- und Qualitätspresse unisono das Ergebnis einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, welcher zufolge die Unterstützer der Rechtspopulistenpartei im Gegensatz zu den Sympathisanten der Weltfriedens- und Fortschrittsparteien voller Bammel und Pessimismus in die Zukunft blicken. Auf bewährte Weise hatte kein Journalist die Studie angeschaut – man muss die Brüder und Schwestern in Schutz nehmen, die schwindenden Märkte und die wachsende Last der Direktiven üben einen erheblichen Anpassungsdruck auf Menschen aus, die eines Tages auf Steuerzahlerkosten zu leben hoffen –, denn das hätte die ganze schöne Propagandaschlagzeile kaputtgemacht. Wie manipulativ die verunsicherten Genossen vorgingen, können Sie hier nachlesen.


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Zwei Nachträge zur Berliner AfD-Kundgebung vom Wochenende.
Leser *** moniert "die von den Mainstream-Medien behauptete Zahl von nur 5000 AfD-Demonstranten. Es waren mindestens 10000. Hier ist ein Video, das den vollständigen Zug der AfD-Demonstranten zeigt. Die Kamera ist stationär und läßt den ganzen Zug passieren, das Video dauert 18min 33sec. Jede Sekunde passieren ca. 10 Demonstranten die Kamera, das sind 600 pro Minute, in 18 1/2 Minuten also rund 11000. Natürlich können es auch 1000 mehr oder weniger sein, aber eine Zahl zwischen 10000 und 12000 halte ich für sehr wahrscheinlich."

Und Leser *** schreibt: "Als gelangweilter und fauler Mensch zieht es mich seit jeher zu öffentlichen Aufläufen und Tumulten, naturgemäß sind diese oft linker ode fußballtechnischer Natur. Letzter sind trotz des vordergründigen Krawalls psychologisch nicht weiter interessant, ganz im Gegenteil zu den linken Veranstaltungen. Ich habe einiges durch: 1. Mai Nazi-Blockade, Blockupy, Anti-NPD-Bustour, Studiengebühren usw. usf.

Die ohne Hemmungen zur Schau gestellte Schizophrenie dieser Happenings lässt sich mit meinem beschränkten Artikulationsvermögen nicht angemessen schildern. Sofort auffallend ist die permanente und lustvolle Aggression gegen die Polizei, bei gleichzeitigem völlig schambefreiten Rumgeopfere ('Wir sind friedlich was seid ihr?', pathetisches Aufzählen der 'Gasverletzten' bei der Abschlussrede). Darüber hinaus ist besonders bei Gegendemos, also heute die Mehrzahl linker Aktivitäten, der allgegenwärtige dumpfe Hass physisch spürbar. Kurioserweise wird dieser umso mehr bis zur Raserei getrieben, je bürgerlicher und harmloser der tagesaktuelle Demofeind ist. Nirgends, nicht bei Hooligans und nicht bei Demos vom rechten Rand habe ich ein vergleichbares Hassgefühl wahrgenommen. Verstörend dabei ist, dass auch ein Zusammenhang zwischen normaler Harmlosigkeit im Alltagsleben und der Enthemmung an den sanktionierten Hass-Events zu bestehen scheint. So habe ich im Zuge meiner Feldforschung mit zarten, überaus freundlichen Mädchen zu tun gehabt, die mir am WG-Tisch mit entwaffnender Offenheit berichteten, wie befreiend sie es fänden mal richtig rumschreien und rumpöbeln zu können.

Persönlich hasse ich die real existierende Linke mit ganzem Herzen. Rechte Demos sind für mich allerdings seit jeher Sportveranstaltungen gewesen. Dass man sich dabei mal schubst, gehört genauso dazu, wie dass man den am Boden liegenden Antifalauch vor weiteren Angriffen schützt. Zugegeben führt es zu einem Hinterfragen der eigenen Szene, wenn einem bewusstlos am Boden liegenden, spastisch Zuckendem weiter gegen den Kopf getreten wird. Doch auch in dieser Szene war der Antifatyp der Angreifer, der die eigene Standfestigkeit und die Solidarität seiner Genossen überschätzt hatte. Insofern will ich mir da nicht anmaßen, die Tretenden zu verurteilen.

Mein Respekt gilt jedem AfD-Anhänger, der sich bewusst in diesen Hexenkessel begibt, zudem es von vorneherein keineswegs sicher ist, dass die Polizei auch nur willens ist, die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Persönlich nehme ich an solchen Veranstaltungen aber nicht mehr Teil, auch nicht bei stabilem Teilnehmerkreis. Zu unausgeglichen sind die Kräfteverhältnisse, zu sehr ist es alleine die Geste des ohnmächtigen Mutes, die als einzig Positives bleibt."