Friede den Gemeinplätzen -- Krieg den Moden!

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Wer Selbstzweifel hegt, kennt die Wonnen des Sich-Benachteiligtfühlens noch nicht.

 

Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist. 

 

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.     

  


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14. November 2018


Gestern Abend zu Gast bei der Eröffnungsveranstaltung der "Moskauer Tage in Berlin" im Festsaal des Roten Rathauses. Bevor sechs Solisten der Moskauer "Helikon-Oper" zum Pianoforte beliebte Gassenhauer aus ehemals auch zur Gänze populären Opern vortrugen, hielten Vertreter der beiden Städte kurze Ansprachen. Für Moskau sprach der stellvertretende Bürgermeister und Minister für Außenwirtschaftskontakte, Sergej Tscherjomin, im Namen der deutschen Haupstadt stieg vor ihm Berlins Staatssekretärin "für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales", Sawsan Chebli, in die Bütt. Ich bekam also erstmals die Gelegenheit, Frau Chebli bei der Ausübung ihrer hoheitlichen Tätigkeit zu hospitieren. Sie hatte kaum das Podium erklommen, da war der Boden bereits mit Spänen aus dem städtepartnerschaftlichen Phrasenhobel bedeckt, wobei unser Steinmeier-Protegé natürlich nicht vergaß, den Ukraine-Konflikt zu erwähnen. Ansonsten fiel keineswegs nur mir auf, wie keck sie den Anlass nutzte, um von sich selber zu reden: dass sie eine halbe Stunde vor der Veranstaltung mit dem stellvertretenden Bürgermeister gesprochen habe und früher, in ihrer Zeit im Außenministerium, auch schon da- und dorthin gereist sei. Nun, dachte ich mir, vielleicht schenkt man ihr im Rathaus ansonsten nicht genügend Aufmerksamkeit, und alsogleich ließ ich meine unsteten Blicke von ihr fort auf Anton von Werners Gemälde "Der Berliner Kongreß von 1878" schweifen, auf welchem Bismarck Peter Graf Schuwalow die Hand schüttelt, während der russische Staatskanzler Alexander Fürst Gortschakow mit Benjamin Disraeli plaudert und die osmanischen Abgesandten am rechten Bildrand den diplomatischen Katzentisch umstehen.

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Nur Männer!, dachte ich indigniert, sofort die nächsthöhere Meta-Ebene erklimmend, doch wie weit sind wir inzwischen gekommen! Immerhin hätte Frau Barley damals nicht behaupten können, in ein Meer mausgrauer Anzüge zu schauen...

Der musikalische Teil begann, die Solisten wechselten einander auf der kleinen Bühne ab, und nach der dritten Nummer, Laurettas "O mio babbino caro", nutze Frau Chebli den Zwischenapplaus, um sich halbwegs diskret und mit einer bedauernden Geste zu absentieren, kurz bevor der Tenor das zur Situation passende "La donna è mobile" anstimmte. Nun stellte sich für alle Zurückbleibenden die Frage, warum die saalweit einzige Trägerin eines echten Operettentitels die Soiree schon verlassen hatte. Geschah es, weil

1. ihr Köpfchen nach drei Nummern bereits rappelvoll mit Noten war (Joseph II.: "Zu viele Noten, Mozart")?
2. sie am späteren Abend noch wichtige Termine mit hohen Städtevertretern aus New York und Riad hatte?
3. man sich, wie mir eine russische Begleiterin ins Ohr raunte, den umgekehrten Fall vorzustellen habe, also eine Session mit palästinensischer Musik, wo unsereins doch auch schnellstmöglichst dem "Gejaule" hätte entfliehen mögen (was ich dementierte)?
4. eine Anweisung von (noch weiter) oben vorlag, dass sie ihre nolens-volens-Anwesenheit auf der Fete des Feindes keinesfalls zu sehr ausdehnen und sich ostentativ zurückziehen solle?

Wie auch immer, die Russen, nicht nur die auf der Bühne,

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bekamen eine Lektion erteilt, wer das heutige Deutschland repräsentiert.


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Wikipedia-Eintrag: Erde. Darunter der Verweis "Wird auch oft gesucht: Mars, Mond, Sonne."
Diese Algorithmen sind einfach unschlagbar.

 

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Nun hat es sich sogar bis zum Tagesspiegel herumgesprochen, dass am "Global Compact for Migration" etwas faul ist. Man könnte von einer Verschwörung von Regierung, Außenministerium und linker sogenannter Opposition zum Nachteil des deutschen Volkes sprechen, wenn ein deutsches Volk überhaupt existierte, was bekanntlich nicht der Fall ist, und wenn es Verschwörungen tatsächlich gäbe (und nicht nur Theorien darüber), was bekanntlich ebenso unzutreffend ist.


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Nach der notwendigen kleinen Säuberung (Operation Maulwurf bzw. -korb) im Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt Welt.online über den Maaßen-Nachfolger: "Haldenwang ist so etwas wie der Gegenentwurf zum vorherigen Verfassungsschutzchef. Der 'Spiegel' nannte ihn gar den 'Anti-Maaßen'. Und tatsächlich: Anders als sein Vorgänger gilt Haldenwang als zurückhaltend, bodenständig und einigermaßen uneitel. Maaßen drängte zuletzt immer öfter an die Öffentlichkeit, gab umstrittene Interviews und vertrat sogar offen eine Gegenposition zur Bundeskanzlerin."

Ist es zunächst bemerkenswert, wie ein einzelnes Interview sich pluralisiert und dabei an Umstrittenheit noch zulegt, so wird es noch bemerkenswerter, dass die Formulierung einer Gegenposition zu jener der Kanzlerin für die Welt als Entlassungsgrund offenbar hinreicht. Am bemerkenswertesten freilich dürfte sein, dass Maaßen ja keine Position vertreten, sondern lediglich den Erkenntnisstand seiner Behörde mitgeteilt und eine falsche Aussage aus Merkels minniglichen Mundwerk richtiggestellt hat. Eine freie Presse stünde in einem solchen Falle auf seiten der Wahrheit, aber Pilatus zum Beispiel hat dazu schon alles Nötige gesagt. Ehe der Hahn kräht, wird der Pressstrolch, sollte er jemals etwas anderes vorgehabt haben, die Wahrheit dreimal verdrehen, und zwar ohne hernach bitterlich zu weinen.

"Für Maaßens Nachfolger gibt es in den kommenden Jahren einiges zu tun: Nicht nur gilt es, das Vertrauen in den Verfassungsschutz, das durch die umstrittenen Aussagen Maaßens in den vergangenen Monaten erneut gelitten hat, wiederherzustellen", fährt die Gazette fort. "Auch ganz praktische Dinge stehen an: Das Bundesamt soll wachsen. Maaßen hatte bei den Haushaltsverhandlungen das Maximum für das Amt herausgeholt. Bis zum Jahr 2021 soll das BfV über rund 6000 Mitarbeiter verfügen."

Und die können sich dann alle in den "Kampf gegen rechts" stürzen. Hui Buh!


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Ihre Rede zum 100. Jahrestag des Weltkriegsendes eröffnete die Bundeskanzlerin zu Paris mit den Worten:

"Wir haben heute Morgen – und ich glaube, ich sage das im Namen aller – in einer bewegenden Zeremonie der Tatsache gedacht, dass am 11. November gegen 11 Uhr morgens vor genau 100 Jahren die Nachricht von einem Waffenstillstand an der Westfront die Runde machte. Meldereiter mit Trompeten haben damals den Waffenstillstand verkündet, Soldaten feierten."

Zunächst einmal: Der Satz, jemand glaube, "im Namen aller" zu sprechen, ist immer falsch und barbarisch (Einhelligkeit ist eine Eigenschaft von Horden). Sodann stehen wir vor dem typisch nebulösen Merkel-Sprech: "Soldaten feierten"; eine Nachricht "machte die Runde", ein Waffenstillstand wurde verkündet. Stimmt alles und auch wieder nicht. Es war keineswegs nur ein Waffenstillstand, sondern eine bedingungslose Kapitulation. Im berühmten Salonwagen in Compiègne musste das Deutsche Reich erstens Elsass-Lothringen aufgeben (wir sprechen von jenem Elsass, das die Franzosen unter Richelieu "den" Deutschen weggestohlen hatten, bevor Bismarck es 1871 wieder dem Reich zuschlug), zweitens zulassen, dass die Siegermächte die linksrheinischen deutschen Gebiete besetzen und vier rechtsrheinische Brückenköpfe um Köln, Koblenz, Mainz und Kehl bilden durften, drittens hatte das Reich sämtliche Kriegsschiffe, einen Großteil seiner Flugzeuge sowie tausende Geschütze und Maschinengewehre abzugeben, um bei allem, was in Versailles folgen würde, hinreichend wehrlos zu sein, viertens wurde der Vertrag von Brest-Litowsk annulliert, fünftens die britische Seeblockade, welcher bei den Mittelmächten nach heutigen Schätzungen ungefähr eine Million Menschen zum Opfer fielen, vornehmlich durch Hunger, nicht aufgehoben. Gleichwohl gab es natürlich Soldaten, die feierten, dass sie der "Blutkirmes" (Thomas Mann, "Zauberberg", Schlusskapitel) entronnen waren. Darauf auch heute noch einen Dujardin! 

"Für diesen Krieg musste damals ein neuer Begriff geschaffen werden", fuhr Merkel fort. "Das war der Begriff des Weltkriegs. In Frankreich und Großbritannien sagt man: der Große Krieg. Er sprengte alles, was sich die Menschheit bis dahin angetan hatte."

Nun, das ist nicht einmal halb richtig, sondern falsch. Wenn wir von der britischen Hungerblockade absehen, war die Zahl nicht unmittelbar an den Kämpfen beteiligter Opfer im Ersten Weltkrieg weit geringer als beispielsweise im Dreißigjährigen Krieg, bei der spanischen Eroberung Südamerikas, bei den Mongoleneinfällen, bei Caesars Operationen in Gallien und Germanien, um nur ein paar markante Exempel zu nennen. Auch in absoluten Zahlen schaffte es La Grande Guerre bereits damals nicht an die Spitze. Der Aufstand der Taiping, der genau 50 Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs endete, kostete zwischen 20 und 30 Millionen Chinesen das Leben. (Aber diese Chinesen verderben sowieso notorisch sämtliche miserabilistischen europäischen Rekordversuche; im Leichenberg-Ranking schlägt Mao Tse-tung alle; deshalb gilt es in Progressistenkreisen als unfein, darüber zu sprechen.)

"Wir schauen heute, 100 Jahre später, zurück auf diesen Krieg. Wir gedenken der Opfer, der Frauen, Männer und Kinder."

Und zwar exakt in dieser Reihenfolge!

"Dass ich heute hier als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland stehe, ist eine Ehre für mich. (...) Denn das ist heute alles andere als selbstverständlich, insbesondere nach dem Leid, das die Deutschen in zwei Weltkriegen über ihre Nachbarn, über Europa und die Welt gebracht haben."

Man darf sich von Merkels Stummeldeutsch nicht einlullen lassen, sie setzt jedes Wort mit Bedacht, speziell ihre Unschärfen sind genau kalkuliert. "Soldaten feierten", aber "die" Deutschen haben Unheil über die Welt gebracht, nicht „Deutsche“ oder deren Waffenträger, Funktionseliten und Opportunisten. Und zwar in zwei Weltkriegen. Diese Volte hat die Kanzlerin schon einmal geschlagen, ebenfalls zu Paris, ebenfalls im November (2011 so weit ich mich entsinne) und zum gleichen Anlass; die Interpretation sitzt also. Was Deutsche in zwei Weltkriegen Franzosen angetan haben, das bedeutet nach den Usancen des öffentlichen Sprechens in höchsten Rängen: Merkel nahm und nimmt auch die Schuld am Ersten Weltkrieg auf Deutschlands Kerbholz. Was heute so gut wie alle Historiker für ungerechtfertigt erklären und wogegen sich seinerzeit u.a., um ein paar Unverdächtige zu nennen, Ebert und Scheidemann noch vehement verwahrten, den Kriegsschuldparagraphen des Versailler Diktats, Merkel hat ihn ratifiziert. Die Entente hat 1914 ff. umgekehrt Deutschen nichts angetan. Ist das endlich verstanden worden?

"Der Friede, den wir heute haben, den wir zum Teil schon als allzu selbstverständlich wahrnehmen, ist alles andere als selbstverständlich, sondern dafür müssen wir arbeiten", fuhr die Kanzlerin fort. "Deshalb möchte ich auch von meinen Sorgen sprechen, die sich für mich in unser heutiges Gedenken mischen – die Sorge etwa, dass sich wieder nationales Scheuklappendenken ausbreitet, dass wieder so gehandelt werden könnte, als könne man unsere wechselseitigen Abhängigkeiten, Beziehungen und Verflechtungen einfach ignorieren. Wir sehen doch, dass internationale Zusammenarbeit, friedlicher Interessenausgleich, ja, selbst das europäische Friedensprojekt wieder infrage gestellt werden."

Aber von wem? Wer stellt die internationale Zusammenarbeit in Frage? Wer das europäische Friedensprojekt? Orban? Trump? Bolsonaro? Theresa May? Pegida? Marine Le Pen? Maaßen? Feine Sahne Fischfilet? Natürlich weiß Merkel, dass sie Märchen erzählt, dass keiner ihrer politischen Widersacher im In- und Ausland die internationale Zusammenarbeit und den Frieden auf dem Kontinent in Frage stellt. Weshalb sie an dieser Stelle zum Rundflug über die Krisenregionen außerhalb Europas aufstieg und verkündete:

"Mehr als eine Milliarde Kinder sind von aktuellen Konflikten betroffen. Kinder machen 52 Prozent der Flüchtlinge aus."

Ob sich die Kanzlerin bisweilen fragt, warum dann so wenige Kinder und stattdessen vor allem vitale junge Männer hier ankommen? Und warum jeder einzelne von diesen jungen Männern ungefähr so viel Geld bekommt, wie man bräuchte, um in Afrika 20 oder 30 Kinder vor dem Hungertod zu retten und ihnen obendrein eine Ausbildung zu verschaffen? Warum ihr ganzes humanitäres Getue in einem darwinistischen Wettrennen an die europäischen Grenzen endet, das die Stärksten gewinnen und keineswegs die Bedürftigen?

Wäre Frau Merkel eine Verantwortungsethikerin, würde sie in Rechnung stellen, dass die Bevölkerungsexplosion in Afrika und im Orient unmöglich von den Europäern aufgefangen werden kann, dass allein in Ägypten pro Jahr so viele Menschen nachgeboren werden, wie 2015/16 in Deutschland ankamen, dass die Europäer in den nächsten zehn Jahren sogar hundert Millionen Afrikaner aufnehmen könnten, ohne dass es in Afrika auch nur bemerkt würde, während die europäischen Nationen irreparable Schäden davontrügen. Sie würde, wäre sie eine Verantwortungsethikerin, die Grenzen schließen – im Zeitalter von Satelliten und Drohnen ist das überhaupt kein Problem –, das Schleppergeschäft austrocknen, indem man ihm seine Zielländer und Verheißungen nähme, und damit sowohl den inneren Frieden als auch die Leistungsfähigkeit der europäischen Nationen nicht länger aufs Spiel setzen, denn nur diese durchaus fragile Leistungsfähigkeit befähigt die Europäer, andere überhaupt zu unterstützen. Dann, und erst dann, könnte sie "gemeinsam mit ihren europäischen Partnern" notleidenden Afrikanern Hilfe leisten und den deutschen Guten auch ein begründet gutes Gewissen verschaffen. Helfen hieße, die so kostspielige wie kontraproduktive sogenannte Entwicklungshilfe zu beenden, die nun wirklich jedem Diktator dort einen neiderregeden Lebensstil verschafft hat, und stattdessen konkrete Investitionen zu tätigen (die Chinesen machen das auf eine womöglich allzu rustikale Art vor) – also nicht, um ein ewiggültiges Gleichnis zu verwenden, Fische verteilen, sondern Angeln. Zur Beruhigung des schlechten Gewissens der deutschen Guten und auch vieler anderer Deutscher könnte sie meinethalben den gesamten Soli für Bildung und humanitäre Hilfsprojekte gen Afrika abführen oder eine Sondersteuer erheben, eingedenk der unstrittigen Tatsache, dass jeder an Ort und Stelle ausgegebene Euro eine dutzendfach höhere Wirkung entfaltet und zugleich keine Kollateralschäden in den Geberländern anrichtet; die Deutschen, Gott habe sie selig, helfen gern, und sie würden es doppelt gern tun, wenn man im Gegenzug aufhörte, ihr Land mit virilen juvenilen Tunichtguten und religiösen Reinheitsbolden zu bereichern. Aber die Folgen ihres irrationalen Vermehrungswillens müssen die Afrikaner schon selber bewältigen; nur Wahnsinnige bieten ihre Länder als Auffangbecken dafür an. Einschub beendet.

Zurück zu Merkels gezielt schiefem Geschichtsbild. "Mangelnde Bereitschaft und mangelnde Fähigkeit zum Dialog", erklärte sie, hätten den Weg in den Weltkrieg gebahnt, deshalb sei der Völkerbund gegründet worden, aber "er scheiterte. Die Welt erlebte, wie Deutschland den Zweiten Weltkrieg entfesselte, den Zivilisationsbruch der Shoa verübte und den Glauben an die Menschlichkeit erschütterte. Danach war nichts mehr wie vorher."

Das ist magisches Denken mit dem eigenen Land als Fixpunkt des Unheils. Zuvor hatte der französische Präsident übrigens als Gastgeber des Festaktes mehrere Formationen der französischen Armee abgeschritten, zweimal war die Marseillaise gespielt worden, einmal der "Marche de la garde consulaire à Marengo" – seit 1800 siegt das fortschrittliche Frankreich über das reaktionäre Österreich –, die Champs-Élysées, das Revers des Präsidenten und das Rednerpult waren blau-weiß-rot geschmückt.

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Blau-weiß-rot waren die Massenhinrichtungen von Paris und Lyon, blau-weiß-rot war die Ausmordung der Vendée, blau-weiß-rot waren Napoleons Kriegszüge durch ganz Europa von Madrid bis Moskau, nur noch rot fortan die Fahne der mörderischen Erben der französischen Revolution in Sowjetrussland, China und andernorts. Es war nichts mehr wie vorher. Aber war nicht noch etwas dazwischen? Russische Revolution, roter Terror, Holodomor, Kulakenmord? Und Versailles? Polnischer Korridor? Besetzung des Rheinlandes? Alles vergeben und vergessen! Und vor allem: keine Ursache für das, was folgte! Das Personal der Hölle betrat in Deutschland die Erde, wer Kausalitäten ins Spiel bringt, gehört wahrscheinlich selber dazu. Einsam steht am Schandpfahl der Gattung der Deutsche als Judenvernichter. Oh, er steht völlig zu Recht dort (also nicht der Deutsche, sondern der deutsche Täter), aber seine Einsamkeit am Pfahl macht mir Sorgen – und die perverse Legitimation, die heutige deutsche Politiker wie Frau Merkel daraus abzuleiten pflegen, Entscheidungen zum Nachteil derer zu treffen, auf die sie zwar ihren Eid geleistet haben, die als "Landsleute" zu betrachten ihnen außerhalb des Schuld- und Schuldenkontextes aber nie einfiele. 

 
"Die Antwort war die Gründung der Vereinten Nationen. Die Staatengemeinschaft schuf eine Rechtsordnung, einen Rahmen für internationale Zusammenarbeit. Beides wurde untermauert von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die die UN-Generalversammlung vor 70 Jahren verkündete. Ich frage mich oft: Stellen Sie sich einmal vor, wir müssten als heutige Staatengemeinschaft wieder so eine Erklärung für die Menschenrechte verabschieden; würden wir das schaffen? – Ich fürchte, nein."

Da würde ich der Kanzlerin sogar zustimmen. Der, wie man sagt, hochfliegenden Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind ja bereits durch die "Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam" anno 1990 die Flügel einigermaßen gestutzt worden.

"Der Erste Weltkrieg hat uns gezeigt, in welches Verderben Isolationismus führen kann. Und wenn Abschottung vor 100 Jahren schon keine Lösung war, wie könnte sie es heute sein?"

Der Witz an diesen herbeigezwungenen Analogien ist, dass das Europa vor dem Weltkrieg viel weniger von "Isolationismus" und "Abschottung" geprägt war, um Merkels Eselinnenworte zu verwenden, als jenes danach; der Hinweis auf die K. u. k.-Monarchie dürfte genügen. Das soll kein Vorwurf an die historischen Akteure sein, sondern an die Rednerin, die die Geschichte salbungsvoll zu instrumentalisieren sucht. Man erkennt den historischen Dummkopf daran, dass er die Kategorien und Wertvorstellungen seiner Gegenwart auf die Vergangenheit anzuwenden sucht. In Wahrheit ist es die Kanzlerin, die ihr Land wieder auf sogenannte Sonderwege geführt hat, energiepolitisch, finanzpolitisch, einwanderungspolitisch, identitätspolitisch, auf Wege, die niemand in Europa gutheißt (außer Herrn Macron, der deutsches Geld begehrt, sie aber nicht mitzubeschreiten gedenkt). In Wahrheit ist es Merkel, die gemeinsam mit einigen globalistischen Träumern resp. Hasardeuren einer planetarischen Migration die Schleusen öffnen, sie völkerrechtlich festzurren und die europäischen Nationen in der wichtigsten aller Fragen, nämlich wen sie in ihner Mitte aufnehmen, entmündigen will, bei latenter Strafandrohung gegen alle, die daran Kritik üben. In Wahrheit ist es Merkel, die vieles aufs Spiel setzt, was diesen Erdteil lebenswert macht. Da sie historisch ungebildet ist, kann sie nicht verstehen, wie einzigartig und unwahrscheinlich die westliche Zivilisation ist, auf welch zerbrechlichen Fundamenten sie steht, welche enormen Anstrengungen nötig waren, um die sittlich-kulturellen und mentalen Ressourcen zu bilden, von denen diese Zivilisation lebt und nach deren Verzehr sie womöglich niemals wiederkehren wird.


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"Eine solche institutionell getragene Intoleranzmaßnahme und -erklärung, ihr Auftritt allerdings mit Rettungs-Goldfolie und im Ton der lautersten Moral und Selbstgerechtigkeit, hat es seit der Biermann-Affäre nicht mehr gegeben. Das sind die Zustände, das ist das Land."
Wie Uwe Tellkamp und Susanne Dagen wieder einmal die regierungstreue Opposition einzuschüchtern versuchen, lesen Sie hier.